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»Azul« ist Spiel des Jahres 2018

Mit Keramiksteinen sollen Spieler den Palast des portugiesischen Königs Manuel I. fliesen: »Azul« heißt das Spiel des Jahres 2018. Die Macher des Preises verraten, warum Brettspiele auch im digitalen Zeitalter funktionieren.

»Azul«
das Brettspiel »Azul« ist Spiel des Jahres 2018. Foto: Paul Zinken
das Brettspiel »Azul« ist Spiel des Jahres 2018. Foto: Paul Zinken

Berlin (dpa) - Mit bunten Mosaiksteinen im Miniformat soll der Palast des portugiesischen Königs Manuel I. verziert werden. Handwerker konkurrieren darum, die besten Keramikfliesen (Azulejos) aus den Manufakturen zu ergattern.

»Azul« heißt das Legespiel, das am Montag in Berlin als Jahrgangsbestes 2018 gekürt wurde. Das »Spiel des Jahres« wurde nun schon zum 40. Mal gewählt. Erstmals wurde der Preis 1979 vergeben. Damals gewann »Hase und Igel«.

Die ehrenamtliche Kritikerjury vom Verein »Spiel des Jahres« sondiert jährlich den Spielemarkt und wählt jeweils aus allen Neuerscheinungen das nach ihrer Ansicht beste Spiel aus. Die Fachjournalisten bewerten Idee, Regelgestaltung, Layout und Design. Nach Angaben des Vereins kommen hierzulande bis zu 1000 Brettspiele jährlich neu heraus.

Bei »Azul« lobt die Jury vermeintliche Gegensätze: ein nüchternes Spielbrett und ästhetische Mosaiksteine. »Allein das Material ist ein Genuss.« 100 bunte Azulejos können aus einem Beutel herausgenommen werden, ein »nahezu endloser Widerspielreiz« werde ausgelöst. Das Taktik-Spiel kostet etwa 40 Euro und ist für Spieler ab acht Jahren geeignet.

Der Erfinder Michael Kiesling lacht übers ganze Gesicht, als er die Urkunde und eine überdimensionierte, hölzerne Halmafigur entgegennimmt. »Es freut mich sehr«, so der 60-Jährige. Er gewinnt den Preis schon zum dritten Mal. Die Illustrationen stammen von Grafiker Chris Quillions. Pegasus Spiele vertreibt »Azul« aus dem kanadischen Verlag Plan B Games in Deutschland.

Zunächst habe er ein rein abstraktes Spiel mit Holzsteinen geplant, sagt Kiesling. Dann habe der Verlag aber »das wunderbare Material« vorgeschlagen. Der Ingenieur für Automatisierungstechnik, der zusammen mit Wolfgang Kramer schon mehrere Dutzend Spiele konzipiert hat, begeisterte sich schon als Schüler für Skat und Doppelkopf. Der Inhaber einer Firma aus der Nähe von Bremen hat anfangs viel Freizeit für seine Leidenschaft investiert. Testspieler habe er in Familie und Firma, sagt er der Deutschen Presse-Agentur.

Zu Hause oder bei Freunden zusammensitzen und sich zusammen über ein Spiel beugen - funktioniert das noch im digitalen Zeitalter? »Ganz klar Ja, als Gegentrend zur digitalten Unterhaltung«, sagt der Geschäftsführer von »Spiel des Jahres«, Guido Heinecke. Wer tagsüber vor einem Computer sitze, suche oft den Ausgleich einer Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Gerade junge Erwachsene würden zunehmend Brettspiele für sich entdecken.

Deutschland sei weltweit der größte Brettspielmarkt mit einem Umsatz von rund 400 Millionen Euro, betont Heinecke. Die Verkaufszahlen gingen langsam, aber stetig nach oben. Auch der Logo-Aufdruck von »Spiel des Jahres« mit einer Lorbeer umkränzten Halmafigur kurbele den Verkauf an, heißt es bei Spieleentwicklern.

Und für die Verwendung des Logos bekommt der Verein Lizenzgebühren von der Verlagen. Damit werden Geschäftsstelle, Internetseite und die Auftritte bei Messen finanziert. Es werde sich strikt am Verbraucher orientiert, nicht an Verlagen oder Autoren, heißt es in der Selbstdarstellung des Vereins.

Der Verein hat am Montag auch wieder einen Preis in der Kategorie »Kennerspiel des Jahres« verliehen. Er geht an »Die Quacksalber von Quedlinburg« des Autoren Wolfgang Warsch und Grafikers Dennis Lohausen. Die Kategorie wendet sich an erfahrene Spieler.

Den Sonderpreis des Vereins kommt »Pandemic Legacy - Season 2«. Das »Kinderspiel des Jahres« wurde bereits im Juni in Hamburg gekürt und heißt »Funkelschatz«.

Preisträger

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