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Aktuell Kommentar

Modernisierungsagenda: Gut Ding will Weile haben

Warum GEA-Redakteur Ulrich Häring denkt, dass angesichts der großen Herausforderungen, vor denen die Regierung steht, niemand schnelle Lösungen erwarten darf.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, Vizekanzler und SPD-Bundesvorsitzender, u
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, Vizekanzler und SPD-Bundesvorsitzender, und Alexander Dobrindt (CSU), Bundesinnenminister, kommen nach der Klausurtagung des Bundeskabinetts von CDU, CSU und SPD zur Pressekonferenz. Das Bundeskabinett hat eine eine Agenda zur Modernisierung von Staat und Verwaltung beschlossen. Damit sollen die Bürokratiekosten um 25 Prozent oder rund 16 Milliarden Euro netto reduziert werden. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, Vizekanzler und SPD-Bundesvorsitzender, und Alexander Dobrindt (CSU), Bundesinnenminister, kommen nach der Klausurtagung des Bundeskabinetts von CDU, CSU und SPD zur Pressekonferenz. Das Bundeskabinett hat eine eine Agenda zur Modernisierung von Staat und Verwaltung beschlossen. Damit sollen die Bürokratiekosten um 25 Prozent oder rund 16 Milliarden Euro netto reduziert werden.
Foto: Kay Nietfeld/dpa

REUTLINGEN. In historisch bedeutsamer Kulisse haben sich Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Minister zur Kabinettsklausur zurückgezogen. Am Ende präsentieren sie eine Modernisierungsagenda, mit der Deutschland moderner werden und die der strauchelnden Wirtschaft Rückenwind verleihen soll. Sie enthält ein paar brauchbare Ansätze, mit denen die überbordenden Bürokratiekosten für die Wirtschaft um 25 Prozent reduziert werden sollen.

Merken, wo der Schuh drückt

Staatsmodernisierungsminister Karsten Wildberger (CDU) formuliert es treffend: »Deutschland hat sich ein bisschen verknotet.« Die Regelungswut von Deutschland und der Europäischen Union hat ein völlig undurchsichtiges juristisches Dickicht wuchern lassen, das Bürger und Unternehmenslenker verzweifelt die Hände über den Köpfen zusammenschlagen lässt. Die schiere Masse an - für sich betrachtet oft sinnvollen - Regelungen macht vieles unnötig kompliziert, führt zu unklaren Zuständigkeiten und ist nicht selten widersprüchlich. Das geplante Bürokratiemeldeportal ist sicher ein sinnvoller Baustein, um herauszufinden, wo der viel zu enge Regelungsschuh am meisten drückt. So lässt sich wenigstens der schlimmste Wildwuchs bändigen. Letzten Endes ist es aber wieder nur Flickschusterei.

Echte Reformen brauchen Mut und Zeit

Das wilde Gestrüpp kleinteiliger Regelungen wird sich ohne Kettensäge wohl eher nicht in einen englischen Rasen verwandeln lassen. Manchmal ist es leichter, Bereiche ganz neu zu ordnen, mit zeitgemäßen schlanken Regeln, als ewig am unübersichtlichen System herumzudoktern - und es am Ende womöglich zu verschlimmbessern. Doch das erfordert sowohl Mut, als auch Zeit. Das eine muss die Regierung schon selbst mitbringen, das andere müssen ihr die Bürger aber auch zugestehen.

ulrich.haering@gea.de