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Aktuell Kommentar

Keine Promille für Kinder

Die gesetzliche Regel zum sogenannten betreuten Trinken soll nach dem Willen der Bundesländer Bayern und Mecklenburg-Vorpommern abgeschafft werden. Das wäre ein harter Einschnitt ins Selbstbestimmungsrecht der Bürger, aber auch ein Schritt, der längst überfällig ist, kommentiert GEA-Nachrichten-Chef David Drenovak.

Viele Kinder haben ihren ersten Kontakt mit Alkohol, deutlich bevor es das Gesetz erlaubt.
Viele Kinder haben ihren ersten Kontakt mit Alkohol, deutlich bevor es das Gesetz erlaubt. Foto: Foto: dpa
Viele Kinder haben ihren ersten Kontakt mit Alkohol, deutlich bevor es das Gesetz erlaubt.
Foto: Foto: dpa

REUTLINGEN. Mit 16 Jahren selbst Bier und Wein zu trinken, ist im internationalen Vergleich schon eine ziemlich liberale Regelung. Wer aber glaubt, dass Eltern, die ihren minderjährigen Kindern Alkohol aktiv zugänglich machen, dazu geeignet sind, ihnen einen bewussten und sinnvollen Umgang mit der Alltagsdroge zu vermitteln, der glaubt auch, dass ein rund 70 Jahre altes Gesetz besser zur Einschätzung von Risiken geeignet ist als wissenschaftliche Forschung und medizinische Erkenntnisse aus sieben Jahrzehnten.

Nach der Einführung des »Betreuten Trinkens« 1952 dauerte es fast 30 Jahre, bis die Zahl der minderjährigen Alkoholkonsumenten deutlich sank. Denn damals und heute beeinflussen soziale Faktoren das Konsumverhalten stärker als veraltete Gesetze aus der Nachkriegszeit. Möglicherweise - werden manche sagen - funktioniert die Regelung besser in der heutigen Gesellschaft, die über die Gefahren von Alkohol aufgeklärt ist. Doch aktuelle Statistiken zu Alkoholkonsum, Unfällen mit Promille und Volkskrankheiten durch jahrelanges Saufen sprechen eine andere Sprache.

Generell hat sich der Konsum bei den Jungen eingepegelt. Schwankungen wie Anfang der 2000er mit den Flatrate-Partys sorgten für ansteigende Zahlen, das Abstinenzverhalten der Generation Z für den Ausschlag nach unten. Deshalb dürfte die Aufhebung dieser überholten Regelung keinen immensen Einfluss auf das Trinkverhalten haben. Allerdings gibt es dann zumindest eine harte Grenze, die Kinder schützt und Behörden eine bessere Handhabe gibt. Denn auch wenn Kinder heute im Durchschnitt ihr erstes Glas Alkohol mit 15 Jahren trinken, bedeutet das in der Realität, dass für viele der erste Kontakt mit der Flasche schon deutlich früher ist.

david.drenovak@gea.de