BERLIN. Deutschland – das sollte das Signal sein – ist nicht mit leeren Händen zur Weltklimakonferenz ins brasilianische Belém gereist. Nachdem in den Tagen zuvor die Äußerungen des Kanzlers über Brasilien sowohl in Deutschland als auch im Gastgeberland für Schlagzeilen sorgten, konnten Bundesumweltminister Carsten Schneider und Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (beide SPD) in der Nacht auf Donnerstag deutscher Zeit positive Nachrichten verkünden: Eine Milliarde Euro verteilt auf zehn Jahre stellt Deutschland für den Fonds mit dem Namen Tropical Forest Forever Facility (TFFF) bereit. Damit soll international Geld fließen, um Regenwälder zu erhalten. Der Fonds gilt als Prestigeprojekt der brasilianischen Regierung. Geld erhalten sollen Länder, die ihre Wälder erhalten. Strafen drohen für diejenigen, die sie zerstören.
Mit seinem Beitrag bewegt sich Deutschland auf einem Level mit Brasilien und Indonesien, die ebenfalls eine Milliarde in den Fonds stecken wollen. Norwegen beispielsweise gibt mit drei Milliarden deutlich mehr.
Konstruktive Rolle
Vorsichtige Anerkennung kommt von der CDU. »Die Summe von einer Milliarde ist für diesen Zweck und auch angesichts der deutschen Wirtschaftsstärke sicherlich angemessen«, sagte Thomas Heilmann, Vorsitzender der Klima-Union, unserer Redaktion. »Man merkt auch, dass der Umweltminister dort in Brasilien eine konstruktive Rolle spielt.« Auch für einen Klimaanpassungsfonds stellt Deutschland Gelder in Höhe von 60 Millionen Euro bereit. »Trotzdem dürfen uns derartige Einzelmaßnahmen nicht aus unserer Verantwortung beim Klimaschutz entlassen.«
Die Welt müsse den Weg, den man vor zehn Jahren in Paris beschlossen habe, weiterverfolgen. Heißt: möglichst 1,5, maximal 2 Grad Erderwärmung. »Dazu muss auch Deutschland seinen Teil beitragen und Emissionen senken«, sagte Heilmann und kritisierte: »Einige Ankündigungen waren zuletzt allerdings zum Teil irritierend.« Immerhin sei es bei Ankündigungen geblieben. Heilmann hofft auf weitere Beschlüsse bei der Konferenz in Belém. Zum Beispiel, »dass Brasilien es schafft, einen internationalen Emissionshandel auf den Weg zu bringen«. Dafür solle die Bundesregierung sich stark machen.
Deutliche Kritik dagegen kommt von der Grünen-Politikerin Claudia Roth, die auf der Klimakonferenz war. Sie hält das Engagement Deutschlands für zu gering: »Eine Milliarde als Beitrag Deutschlands für den Regenwaldfonds ist viel zu wenig, da das Geld auf zehn Jahre verteilt ist«, sagte sie unserer Redaktion. »Andere Länder wie zum Beispiel Norwegen leisten dreimal so viel.« Zudem kritisiert sie, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Deutschlands Führungsrolle im Klimaschutz aufgebe: »Der Kanzler kommt nach Brasilien, macht keine Ansagen, beleidigt die Gastgeber und ist nach zwölf Stunden wieder weg«, sagte sie mit Blick auf dessen abfällige Bemerkungen zum Gastgeberort Belém. »Merz schadet dem Ansehen Deutschlands und unserer Glaubwürdigkeit.«
Ähnlich äußert sich die klimapolitische Sprecherin der Partei, Lisa Badum: »Die Welt geht voran und Deutschland hinkt hinterher. Das zeigt nicht nur das neue Klimaschutz-Ranking, sondern auch Merz’ zögerlicher Beitrag zum Waldschutzfonds TFFF, der laufende Rückbau der Klimapolitik unter Energieministerin Reiche und die geplanten Steuergeschenke an Ryanair und Lufthansa.«
Auf den letzten Tagen der Weltklimakonferenz diskutierten die Teilnehmer vor allem über einen Plan zur Abkehr von fossilen Energien wie Kohle, Öl und Gas. Auch Deutschland setzt sich dafür ein. Doch Beschlüsse müssen einstimmig fallen. Vor allem ölfördernde Länder blockieren solche Initiativen.
Seltsame Wahrnehmung
Mojib Latif hätte sich mehr Engagement Deutschlands für die Abkehr von fossilen Brennstoffen gewünscht. Die Hilfe für den Regenwald sei zwar richtig, nütze aber zu wenig. »Was den Regenwald angeht und das Geld für diesen Fonds, gibt es da in Deutschland eine etwas seltsame Wahrnehmung«, sagte er unserer Redaktion. Latif ist Professor am Geomar Helmholtz-Zentrum in Kiel und zählt zu den bekanntesten Klimaforschern in Deutschland. »Landnutzungsänderungen, dazu gehört die Abholzung des Regenwalds, machen nur etwa zehn Prozent der Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre aus. Dagegen kommen circa 90 Prozent aus den fossilen Brennstoffen«, sagte er. »Man wird damit also nicht das Klima retten. Mal abgesehen davon, dass eine Milliarde über zehn Jahre auch gar nicht so viel ist.«
Er hätte sich gewünscht, »dass Deutschland klar zeigt, dass es zu seinen ursprünglichen Klimazielen steht – auch wenn die USA vielleicht gerade nicht mitmacht«, sagte er. »Stattdessen stellt man zum Beispiel das Verbrenner-Aus infrage und will mehr Gaskraftwerke bauen. Das sind Rückschritte.« (GEA)

