REUTLINGEN. Wirklich gute Nachrichten sehen anders aus. Laut den Ergebnissen der gestern veröffentlichten Mitte-Studie der Friedrich Ebert Stiftung ist die Mitte in Deutschland politisch gespalten, das Vertrauen in das Funktionieren der Demokratie und ihrer Institutionen nimmt weiter ab. Die große Mehrheit, 79 Prozent der Bevölkerung, bezeichnet sich zwar grundsätzlich als überzeugte Demokraten. Gleichzeitig sind die Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Demokratie aber erneut gewachsen: Nur noch 52 Prozent finden, dass die Demokratie im Großen und Ganzen ganz gut funktioniert. Ein Viertel verneint dies. Seit 2016 ein Höchstwert.
Wackelt also der Sockel, auf der unsere Demokratie verankert ist? Zum Glück noch nicht. Die überwiegende Mehrheit bekennt sich klar zu unserer Demokratie. Immerhin 51 Prozent der Befragten sind bereit, selbst aktiv zu werden, um unsere Demokratie zu schützen. Doch es gibt vor allem zwei Dinge, die einem zu Denken geben. Erstens: Das Vertrauen darauf, dass unsere langsame, auf Konsens ausgerichtete Demokratie die großen Probleme unserer Zeit lösen kann, schwindet. Ein Viertel der Befragten stimmt der Aussage zu, dass Deutschland jetzt eine einzige strake Partei braucht, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert. Das lässt aufhorchen.
Und zweitens: Die Macher der Studie folgern aus den Ergebnissen, dass sich die antidemokratische und menschenfeindliche Stimmungsmache von Rechtspopulisten bereits in die Mitte der Gesellschaft hineinfrisst, ein Gewöhnungseffekt eintritt. An Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Menschenfeindlichkeit sollte sich aber niemand niemals einfach so gewöhnen.

