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Vater der Sea-Watch-Kapitänin: »Sie ist nicht blauäugig«

Eine aus Niedersachsen stammende Kapitänin bringt 40 Migranten unerlaubt nach Italien. Dafür muss sich Carola Rackete nun rechtfertigen. Ihr Vater sagt, sie sei keine Revoluzzerin - sondern rational.

Kapitänin Carola Rackete
Carola Rackete aus Kiel, deutsche Kapitänin der »Sea-Watch 3«. Foto: Till M. Egen/Sea-Watch.org
Carola Rackete aus Kiel, deutsche Kapitänin der »Sea-Watch 3«. Foto: Till M. Egen/Sea-Watch.org

Hambühren (dpa) - Politisch interessiert und analytisch - so beschreibt Ekkehart Rackete seine Tochter Carola - die deutsche Kapitänin der Hilfsorganisation Sea-Watch. Die 31-jährige war vergangene Woche auf der Insel Lampedusa unter Hausarrest gestellt worden.

Sie war mit mehr als 40 Migranten an Bord trotz Verbots der Regierung in Rom in italienische Gewässer gefahren. Am Montagnachmittag sollte sie nach Angaben der Hilfsorganisation von einem italienischen Ermittlungsrichter auf Sizilien vernommen werden.

Ihr Vater hofft auf den Einsatz der Bundesregierung: »Ich denke der internationale Druck auf die italienische Regierung wird einiges bewirken.« Er halte das südeuropäische Land aber »nach wie vor« für einen souveränen Rechtsstaat und mache sich keine großen Sorgen um das Schicksal seiner Tochter. Erst gestern habe der 74-Jährige mit ihr telefoniert: »Sie ist lustig und guter Dinge und sieht der ganzen Sache eigentlich gelassen ins Auge«. Über die Kollision ihres Schiffes mit der Finanzpolizei habe Rackete nicht mit ihm gesprochen.

»Sie ist nicht blauäugig auf einen Abenteuertrip gegangen«, betonte der 74-Jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Bevor sie vor einigen Wochen nach Lampedusa geflogen sei, habe sie intensiven Kontakt mit dem italienischem Rechtsbeistand von Seawatch gehabt. Sie habe zudem schon früher für die Hilfsorganisation gearbeitet.

Durch ihre Tätigkeit als nautische Offizierin ist sie es gewohnt, Entscheidungen zu treffen und vorher die Lage zu beurteilen, wie Rackete sagte. Sie tue, was sie für nötig halte, solange sie niemandem schade. So auch im Fall der Migranten an Bord der Sea-Watch. »Eine sozialrevolutionäre Ader hat sie nie gehabt.«

Nach Angaben des Vaters ist die 31-Jährige oft auf Reisen. Sie habe auf der Chinesischen Mauer gezeltet und sei durch mehrere Länder in Südamerika getrampt.

Die Spendenaktionen der Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf sowie auf einer italienischen Facebook-Seite garantiere seiner Tochter eine gute Rechtsvertretung. Der 31-Jährigen werden Beihilfe zur illegalen Einwanderung, Verletzung des Seerechts und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen, weil sie sich Anweisungen von Militärschiffen widersetzt haben soll. Insgesamt kamen durch die Geldsammlungen bis Montag eine Million Euro zusammen.