REUTLINGEN. Volker Grimminger ist mindestens noch für eine weitere Saison Cheftrainer beim Verbandsliga-Spitzenreiter Young Boys Reutlingen. Damit bleibt zusammen, was zusammengehört. Bereits im ersten Gespräch über eine Vertragsverlängerung des 46-Jährigen zu Wochenbeginn einigten sich beide Seiten über die Fortführung der Zusammenarbeit. Was als Freundschaftsdienst in Form einer Interimslösung im Dezember 2023 begann, ist längst eine Symbiose zwischen Coach und Verein geworden, die auf diesem Leistungsniveau im Fußball seinesgleichen sucht.
Seit Grimminger das Ruder bei den Young Boys übernommen hat, kennt der Verein von Präsident Thorsten Bauer nur einen Weg: steil nach oben. Woran das liegt? Selbstverständlich besitzt der frühere Regionalliga-Profi einen sehr großen Fußball-Sachverstand. Er hat ein Spielsystem implementiert, das an guten Tagen an die einstige Pressingmaschine RB Leipzig erinnert. Und von den guten Tagen gibt es bis dato sehr viele.
Mit einem weiteren Aufstieg würde sich Grimminger unsterblich machen
Mindestens genauso wichtig sind jedoch Grimmingers Fähigkeiten in puncto Menschenführung. Der dreifache Familienvater hat die Young Boys, als nicht einfach zu trainierende Mannschaft verschrien war, zu einer Einheit geformt, bei der jeder für jeden durchs Feuer geht. Das macht er mit seiner ganz besonderen Art: »Volle« ist der Freund der Spieler, gleichzeitig aber auch deren größter Kritiker. So mancher vermeintliche Fußball-Experte aus der Region mag den ehemaligen Co-Trainer des SSV Reutlingen als vorlaut und zu emotional bezeichnen. Doch der gebürtige Heidenheimer ist einfach nur extrem ehrgeizig und kann nicht anders. Ganz nach dem Motto der Fußball-Koryphäe Dettmar Cramer: Solange besser möglich ist, ist gut nicht gut genug.
Spannend wird bzu beobachten sein, wie Grimminger und Co. in den verbleibenden 14 Partien mit dem deutlich gestiegenen Druck umgehen. Die Reutlinger haben einiges zu verlieren im ersten Halbjahr 2026. Schließlich haben die Young Boys bereits sechs Punkte Vorsprung auf Platz zwei und stehen für viele Außenstehende spätestens nach der schweren Verletzung von Holzhausens Top-Torjäger Janik Michel (Achillessehnenriss) quasi schon als Meister fest. Es wäre gefährlich, ja geradezu fatal, wenn sich diese Denke im Retortenclub breitmachen würde.
Grimmingers größte Aufgabe besteht nun also darin, keinen Schlendrian bei seinen Jungs einkehren zu lassen. Gelingt dem Gründer und Leiter einer Fußballschule das, wird für ihn der zweite Aufstieg binnen drei Jahre mit den Young Boys eine Leichtigkeit. Dann würde er sich als Vater des Erfolges pünktlich zum 20-jährigen Bestehen des Vereins unsterblich machen. Dieser Mann ist auf einer Mission unterwegs und noch längst nicht fertig. (GEA)

