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»Wir sind in Paris, um zu gewinnen«

Deutschland spielt um Medaillen. Beim 76:63 im Viertelfinale taugt Griechenland nicht als Euphoriebremse

Dennis Schröder (vorne) und Franz Wagner sind die überragenden deutschen Akteure gegen Griechenland.  FOTO: HORKY/WITTERS
Dennis Schröder (vorne) und Franz Wagner sind die überragenden deutschen Akteure gegen Griechenland. FOTO: HORKY/WITTERS
Dennis Schröder (vorne) und Franz Wagner sind die überragenden deutschen Akteure gegen Griechenland. FOTO: HORKY/WITTERS

PARIS. Gordon Herbert will als Olympiasieger seinen neuen Job bei Bayern München antreten. Im Viertelfinale des olympischen Turniers in Paris konnte auch Griechenland den Weltmeister auf seiner Mission nicht aufhalten. Mit 76:63 (36:36) gewann die Nationalmannschaft in der Bercy Arena, Dirk Nowitzki sprang begeistert auf, klatschte eine Reihe jubelnder deutscher Fans auf der Tribüne ab und verließ eilends die Halle. Für Bundestrainer Gordon Herbert gibt es keinen Grund zur Zurückhaltung: »Wir sind in Paris, um zu gewinnen.« In der Mixed-Zone werden die Gespräche unterhaltsam, da spielt eine Mannschaft, die sich berufen fühlt, Olympiasieger zu werden. Oder, um es mit den aktuellen Worten von Dennis Schröder zu sagen: »Wir haben mit dem Halbfinaleinzug Geschichte geschrieben, es ist großartig, mit diesem Team anzutreten, wir sind wie Brüder, wie eine Familie.«

Schröder spielt in einer Art und Weise Basketball, die man nur faszinierend nennen kann. Es ist faszinierend, wie dieser Mann mit dem Ball umgeht, und er ist ja nicht der Einzige in diesem Team, der herausragend Basketball spielt. Es gibt Szenen in dem Spiel gegen Griechenland, die man immer wieder anschauen will, weil sie großartig sind, weil sie zeigen, welch außergewöhnlicher Spieler dieser Dennis Schröder ist.

Probleme in der Anfangsphase

Wenige Minuten vor dem Ende führt Schröder den Ball, passt, erhält den Pass zurück, entschließt sich, zu werfen, weit vor dem Wurfkreis, und trifft vorentscheidend zum 72:59, der Widerstand der Griechen ist endgültig gebrochen. Die Weltmeister stehen nach dem Sieg im Halbfinale. Das große Ziel rückt immer näher.

Der zweite überragende Akteur, Franz Wagner, der in der NBA schwindelerregende Millionen in Orlando verdient, spricht über die problematische Anfangsphase gegen Griechenland, als man seinen Augen nicht traute. Die Mannschaft von Gordon Herbert liegt mit 6:16 zurück, am Ende des ersten Viertels steht es 11:21. »Es war ein wenig problematisch zu Beginn, aber wir werden nie hektisch, wir klären alles im Team. Der Zusammenhalt dieser Mannschaft ist sehr gut, das funktioniert spielerisch auf hohem Niveau«, sagt Franz Wagner. Ein paar Meter weiter wird Bruder Moritz gefragt, einer hat ihn wohl für Franz gehalten: »Mo, ich bin Mo, Franz ist dieser eklige Typ da drüben.« In dieser Mannschaft stimmt es, man spürt das, wenn man mitbekommt, wie diese Truppe auch nach dem Spiel reagiert. Starkes Selbstbewusstsein, aber immer mit beiden Beinen auf der Erde.

Gordon Herbert hat dieses Team entwickelt. »Das wächst Jahr um Jahr. Wir sind ein Team, wir haben mit Dennis Schröder und Franz Wagner zwei Superstars, aber wir sind vor allem ein Team, das macht diese Mannschaft stark.« Das spüren die Leute in der Halle.

Und weil das so ist, haben die Griechen am Ende auch keine Chance, auch wenn Trainer Vasilis Spanoulis erst im letzten Viertel aufgibt, daran zu glauben, dass die starke Anfangsphase seine Mannschaft durch die gesamte Begegnung trägt. Kann sie aber nicht, weil sie zwar ebenfalls starke Persönlichkeiten wie den überragenden NBA-Star Giannis Antetokounmpo in ihren Reihen hat, aber mannschaftlich nicht an die Qualität des Weltmeisters herankommt.

»Bis zu einem gewissen Grad ist es das, was wir erwartet haben«, sagt Herbert. »Im ersten Viertel war es ein bisschen schwierig für uns, aber das zeichnet ein gutes Team aus, dass man sich da umstellen kann«, sagte Franz Wagner. Er war mit 18 Punkten bester Werfer, Antetokounmpo konnte mit seinen 22 Punkten den ersten Einzug der deutschen Basketballer bei Olympischen Spielen nicht verhindern. Franz Wagner: »Es wird auf jeden Fall leider schwer, egal gegen wen wir im Halbfinale spielen.«

In der Bercy Arena von Paris knüpften Kapitän Dennis Schröder von den Brooklyn Nets und die Mannschaft gegen Griechenland erst spät an ihre Auftritte aus der Gruppenphase an. Mit einer makellosen Bilanz von drei Siegen aus drei Spielen war die deutsche Mannschaft von Lille in das Olympische Dorf von Paris umgezogen.

Nowitzki fiebert mit

Neun Sekunden vor dem Ende des zweiten Viertels gelang Center Daniel Theis in Zusammenarbeit mit Schröder der erstmalige Ausgleich zum 36:36. Als Isaac Bonga mit Ende des dritten Viertels aus der Distanz auf 59:52 stellte, reckte Nowitzki an der Seitenlinie die Faust. Jetzt ging es endgültig in die richtige Richtung.

Der erfolgreichste Bundestrainer der deutschen Basketball-Geschichte wechselt nach den Olympischen Spielen zum Double-Sieger Bayern München in die Bundesliga. Nach Bronze bei der Europameisterschaft 2022 und dem Weltmeistertitel 2023 nun das Olympia-Gold 2024? Der Weg ist noch weit, aber das Ziel ist klar.

Es ist nicht nur Schröder, es ist auch Franz Wagner, der eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, dass er der neue Stern am NBA-Himmel ist. Nicht umsonst lassen sich die Orlando Magic seine Vertragsverlängerung unfassbare 250 Millionen Dollar kosten. Selbst Superstar Dirk Nowitzki erreichte in seiner Mega-Karriere nicht solche Sphären. »Franz ist special«, sagt Dennis Schröder über Wagner. »Wir sind als Weltmeister nach Paris gekommen, wir haben einen gewissen Anspruch«, sagt Andreas Obst. Sie wollen Gold. (GEA)