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Weinend auf dem Pferd: Reit-Drama um Fünfkämpferin Schleu

Die Medaille war für Annika Schleu fast greifbar. Doch dann spielte das Pferd nicht mit. Die Fünfkämpferin weint in Tokio bittere Tränen und endet bei den Olympischen Spielen am Ende des Feldes.

CHOFU. Annika Schleu liefen die Tränen übers Gesicht. Die Moderne Fünfkämpferin aus Berlin war völlig aufgelöst, nachdem sie das ihr zugeloste Pferd einfach nicht in den Griff bekam und so im Springreiten jegliche Chance auf den vorher absolut realistischen Olympiasieg in Tokio einbüßte.

Nach einem wahren Drama mit dem Pferd Saint Boy fiel die 31-Jährige vom ersten Platz vor dem abschließenden Laser Run noch auf Rang 31 zurück - am Ende stand diese Platzierung auch in der Gesamtwertung. Statt einer fast sicheren Medaille blieben in Japan nur jede Menge Frust und große Enttäuschung.

»Kann es kaum glauben«

»Ich kann es kaum glauben, dass uns das zwei Olympische Spiele hintereinander passiert«, sagte Bundestrainerin Kim Raisner in der ARD und fing selbst an zu weinen. Ein komplett misslungener Ritt und null Punkte im Springreiten hatten 2016 auch die Träume vom zweiten Olympia-Gold nach 2008 von Lena Schöneborn beendet. »Es kann fast keiner besser nachempfinden als ich. Es war die gleiche Situation wie in Rio«, sagte Schöneborn, die auf der Tribüne saß und die bitteren Momente ihrer langjährigen Trainingspartnerin miterlebte. »Es ist der worst, worst case, der jetzt eingetreten ist. Mit allen anderen Punktzahlen hätte man Annika keine Medaille mehr nehmen können.«

Doch so war Schleu chancenlos. Dabei hatten sich die Probleme des Vierbeiners schon angedeutet. Saint Boy wollte wenige Minuten zuvor bei Gulnas Gubaidullina vom Team des Russischen Olympischen Komitees bereits nicht über die Hindernisse. Ein Tierarzt erklärte das Pferd dennoch für einsatzbereit. Schleu musste auf Saint Boy.

Fragwürdige Aufforderung der Trainerin

Doch schon in der Eingewöhnung mit dem verunsicherten und aufgeregten Pferd ging kaum etwas. »Hau mal richtig drauf! Hau drauf!«, forderte Raisner - deutlich hörbar im Fernsehen - ihre verzweifelte Athletin zum Einsatz mit der Gerte auf.

Zwar schaffte es Schleu mit dem Pferd noch in den Parcours. Auch übersprangen die beiden die ersten Hindernisse. Dann räumte das Duo aber erst einen Sprung ab, danach verweigerte Saint Boy. Schleu musste das schlechtestmögliche Resultat hinnehmen. »Das Pferd hat sich hier absolut nicht wohlgefühlt«, sagte Schöneborn. Raisner betonte: »Es ist nicht ihre Schuld. Das Pferd wollte immer nur zur Tür.«

13 Jahre nach dem historischen Gold von Schöneborn in Peking standen die Fünfkämpferinnen mit leeren Händen da. Gold ging an die Britin Kate French vor Laura Asadauskaitė aus Litauen und Sarolta Kovacs aus Ungarn. Die zweite deutsche Starterin Rebecca Langrehr kam auf Rang 28 ins Ziel, auch die zweite Berlinerin hatte Probleme mit dem Pferd. Im abschließenden Laser Run - ein kombinierter Wettkampf aus Schießen und Laufen - kamen die Deutschen nicht mehr nach vorne.

Olympia war nach Corona-Infektion in weiter Ferne

Für Schleu war das besonders bitter. Im Frühjahr war das Ziel Olympia noch fern. Sie hatte sich mit dem Coronavirus infiziert und musste mehrere Wochen pausieren. Als harte und deprimierende Zeit beschrieb die Berlinerin die damalige Phase. Schleu kämpfte sich zurück an die Spitze - mit einer Medaille wurde sie nach dem undankbaren vierten Rang in Rio de Janeiro aber auch in Tokio nicht belohnt.

Dabei ging es glänzend los. Zum Auftakt im Fechten hatte die Weltranglisten-Dritte ihre Ambitionen unterstrichen und sich am Donnerstag souverän an die Spitze gesetzt. »Ich bin plötzlich in einer Situation, in der ich noch nie war«, sagte sie ungläubig darüber, am Finaltag die Gejagte zu sein. Nach einer guten Leistungen im Schwimmen blieb die WM-Vierte vorne. Dann begann das Drama. (dpa)

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