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Prokop verteidigt Gensheimer - Team gegen Lettland gefordert

Nach dem ernüchternden Auftritt gegen Spanien stehen die deutschen Handballer vor einem entscheidenden Spiel gegen Lettland. Sie brauchen ihren Kapitän Uwe Gensheimer in Top-Form, um ihre EM-Ziele zu erreichen. Aber der 33-Jährige gibt Rätsel auf.

Uwe Gensheimer
Außer Form: Uwe Gensheimer. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Außer Form: Uwe Gensheimer. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Trondheim (dpa) - Uwe Gensheimer fand keine Erklärung für seine bisher schwache Handball-EM. Stattdessen stellte sich Bundestrainer Christian Prokop mit einer energischen Ansage hinter seinen Kapitän.

Während sich im Teamhotel in Trondheim aus Gensheimers Gesicht kaum etwas ablesen ließ, sprach Prokop auf dem Stuhl neben ihm mit klarer Stimme. »Uwe hat enorme Qualitäten, dass ich auf Deutsch gesagt, verzeihen Sie mir den Begriff, wirklich sage Scheiß' drauf!«, betonte der 41-Jährige. Im entscheidenden Vorrundenspiel am Montag (18.15 Uhr/ZDF) gegen Lettland solle Gensheimer dann die Situation »richtig nutzen.« Gensheimer registrierte die Worte nahezu ohne Regung.

Einige Male lächelte er etwas verhalten. Ansonsten sah man dem 33-Jährigen wie schon nach dem ernüchternden 26:33 gegen Spanien kaum etwas an. Keinen Ärger, keine Wut, am ehesten vielleicht noch Enttäuschung. Seine ausdruckslose Miene stand sinnbildlich für die über weite Strecken erschreckend schwache Leistung der DHB-Auswahl. Sie erzählte aber auch viel über den bisherigen Turnierverlauf für den 33-Jährigen selbst. Ob er wisse, woran seine schwachen Leistungen bisher liegen, wurde er am Sonntag gefragt. Die Antwort: »Nee.«

Um ihre Ziele bei dem Turnier in Norwegen, Österreich und Schweden zu erreichen, braucht die DHB-Auswahl ihren Kapitän in Top-Form. »Wir brauchen Uwe in einer anderen Rolle. Uwe muss uns jetzt auch helfen. Wir müssen ihm helfen, dass er uns auch helfen kann, aber dazu muss er zu sich finden«, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Die bereits ausgeschiedenen Letten dürften zumindest nicht der schwierigste Gegner sein, damit auch Gensheimer wieder zu seiner unbestrittenen Weltklasse zurückfindet. Mit einem Sieg wäre das DHB-Team sicher in der Hauptrunde. Um aber das angepeilte Halbfinale zu erreichen, müssen Gensheimer und Co. sich deutlich steigern.

Prokop zweifelt nicht an seinem Linksaußen. »Die Gegner haben großen Respekt vor ihm, wir wissen, was wir an ihm haben und das ist wichtig, reinzubringen«, sagte er. Gleichzeitig forderte der Bundestrainer auch andere Spieler auf, anders als beim desolaten Auftritt gegen Spanien Verantwortung zu übernehmen. Auch die zuletzt ebenfalls enttäuschenden Torhüter Andreas Wolff und Johannes Bitter nahm er in die Pflicht. Zudem brauche sein Team im Rückraum um die ebenfalls kriselnden Paul Drux, Fabian Böhm und Kai Häfner mehr Führung. Führungsqualität vermisste Hanning gegen Spanien komplett.

»Ein Team ohne Leadership funktioniert halt auch nicht. Es ist egal, wie es ist, du brauchst eine Führung in dem System«, sagte der 51-Jährige. Es habe beim EM-Spiel gegen Spanien niemanden im Kader gegeben, »der uns dann durch diese Krisen führt«. Gensheimer schaffte das möglicherweise deswegen nicht, weil er derzeit vielleicht zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Außerdem setze er sich »irgendwo unter Druck, weil er die Mannschaft erfolgreich führen möchte«, sagte Prokop. Mit genau diesem Druck kann der Linksaußen derzeit offenbar nicht umgehen. Eine Stütze der ohnehin verunsicherten Mannschaft ist er in dieser Verfassung nicht.

»Natürlich möchte ich vorangehen, möchte meine Leistung zeigen. Natürlich bin ich bisher nicht zufrieden«, sagte Gensheimer. Gegen die Spanier hatte Prokop seinen Anführer im zweiten Durchgang sogar gar nicht mehr spielen lassen. Es ist auch nicht das erste Mal, dass der nicht nur wegen seines außergewöhnlichen Handgelenks zu überragenden Leistungen fähige Gensheimer bei einem großen Event Rätsel aufgibt. Auch bei der enttäuschenden EM 2018 in Kroatien schien er mit seiner Führungsrolle spätestens ab der Hauptrunde überfordert. Dabei hat er während seiner Karriere schon oft bewiesen, wozu er in der Lage ist. Zudem ist die Europameisterschaft noch jung.

Er ist bei weitem nicht der einzige deutsche Spieler, der gegen die Spanier enttäuschte, aber als Kapitän wird er nun ganz besonders gefordert sein. Vielleicht klappt es dann doch noch mit dem Erreichen des Ziels, das ihn schon lange antreibt: mit der Nationalmannschaft nach Olympia-Bronze 2016 mal etwas noch Größeres zu gewinnen.

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