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Fußball-Nationalmannschaft: Die Lektion nicht gelernt

Gesprächsbedarf: (von links) Antonio Rüdiger, Nadiem Amiri, David Raum und Joshua Kimmich. Foto: Witters
Gesprächsbedarf: (von links) Antonio Rüdiger, Nadiem Amiri, David Raum und Joshua Kimmich.
Foto: Witters

Wo waren die deutschen Fußball-Nationalspieler am Donnerstagabend in Bratislava? Nicht auf dem Platz – zumindest mental. Ihre Einstellung war offensichtlich in der Kabine geblieben. Obwohl’s kein belangloses Testspiel war. Obwohl gegen die Slowakei die WM-Qualifikation begann. Und obwohl sie etwas hätten gutmachen müssen nach der Heim-Pleite mit dem letzten Platz in der Nations-League-Endrunde im Juni. Sie haben ihre Lektion nicht gelernt.

Vor einem Jahr bei der Europameisterschaft im eigenen Land hatten sie sich noch am Riemen gerissen, ansprechende Leistungen gezeigt und Hoffnungen auf ein Ende der düsteren Jahre gemacht. Aber danach wurde sofort wieder der Gang rausgenommen. Der Eindruck drängt sich auf, dass die Fans gerade Zeugen des Niedergangs einer Fußball-Generation werden. Der zu oft Grund-Tugenden wie Leidenschaft, Kampfgeist und Kreativität fehlen. Der die Nationalelf nicht wichtig genug ist, um dafür alles zu geben.

Wenn Torhüter Oliver Baumann in Bratislava noch der Beste war, sagt das viel über den Rest aus. Joshua Kimmich und Florian Wirtz müssten Führungsspieler sein, nicht Mitläufer. Ein Nick Woltemade machte dort weiter, wo er in der Nations League aufgehört hatte: Unauffällig und ungefährlich. Von den anderen kann keiner vorangehen. Vielleicht noch der derzeit vermisste Jamal Musiala. Aber der ist verletzungsanfällig und wird’s nicht allein richten können.

Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann macht Fehler. Zu glauben, dass Antonio Rüdiger nach seiner Rot-Sperre gleich wieder zum Leistungsträger würde, war nicht mehr als Wunschdenken. Der Abwehrchef wurde wie ein Debütant vorgeführt. Ein Blick nach Madrid wäre vielleicht hilfreich gewesen. Dort hatte Real-Coach Xabi Alonso zuletzt Rüdiger auf der Bank sitzen lassen. Weil die Spielpraxis fehlte?

Dass dieses Nationalteam erneut das Ziel WM-Titel 2026 bekräftigte, grenzt an Realitätsverlust.

 

frank.pleyer@gea.de