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Das erstaunliche Comeback von Leon Fleischer beim TSV Eningen

Seit 2019 spielt Leon Fleischer wieder für seinen Jugendverein TSV Eningen. Eine große Rolle spielte der 24-Jährige aber nie. Bis zu diesem Jahr. Der Angreifer schießt in dieser Saison die Reutlinger A-Liga kurz und klein.

Trifft und trifft und trifft: Angreifer Leon Fleischer (grünes Trikot) vom TSV Eningen.
Trifft und trifft und trifft: Angreifer Leon Fleischer (grünes Trikot) vom TSV Eningen. Foto: Verein
Trifft und trifft und trifft: Angreifer Leon Fleischer (grünes Trikot) vom TSV Eningen.
Foto: Verein

ENINGEN. »Ich habe mich teilweise schon sehr hängen lassen und meine Prioritäten auf mein eigenes Leben gesetzt«, gibt Leon Fleischer vom TSV Eningen offen und ehrlich zu. In diesem Moment lässt der 24-Jährige die vergangenen Jahre Revue passieren. Es sind verschenkte Jahre, wenn man sich vor Augen führt, was der Angreifer in dieser Saison für den Reutlinger A-Ligisten schon geleistet hat. Fleischer steht nach acht Einsätzen bei 15 Ligatoren. Rechnet man noch seinen Dreierpack im Bezirkspokal dazu, dann hat der Eninger bereits fast 20 Pflichtspieltreffer erzielt. Zur Erinnerung: Wir haben erst Anfang November.

Erstaunlich sind diese Zahlen vor allem deshalb, weil der ehemalige Jugendspieler des VfL Pfullingen in den letzten Spielzeiten keine Rolle bei der ersten Mannschaft gespielt hatte. Dazu beigetragen hat auch ein Kreuzbandriss im März 2023, der ihn für mehr als ein Jahr außer Gefecht setzte. Doch auch davor nahm Fleischer keine Hauptrolle ein. Nach seinem Wechsel von den Pfullinger A-Junioren im Sommer 2019 zurück zu seinem Heimatclub entschied er sich recht schnell dazu, freiwillig in die zweite Mannschaft zu gehen.

Eningens Neu-Trainer Miguel da Silva spielt entscheidende Rolle

Erst zur vergangenen Saison kehrte Fleischer wieder fest in den Kader der Ersten zurück. Stammspieler war er dort allerdings nicht. »Meistens, wenn es gut lief, bin ich 80 Minuten auf der Bank gesessen«, berichtet er und ergänzt: »Es hat mir keinen Spaß mehr gemacht und ich habe auch schon darüber nachgedacht, mit dem Fußball aufzuhören, weil ein Wechsel für mich keine Option war.«

An dieser Stelle kommt Miguel da Silva ins Spiel, der seit diesem Sommer das Kommando an der Eninger Seitenlinie gibt. Zuvor trainierte der 36-Jährige die Young Boys Reutlingen II. Er erzählt: »Ich wollte Leon damals zu uns nach Reutlingen holen, weil ich seine Qualitäten kenne und weiß, wie gut er ist.« Da Silva und Fleischer spielten zu Beginn der 2020er-Jahre gemeinsam für die zweite Eninger Mannschaft. Als der Fan von Benfica Lissabon vor wenigen Monaten seine neue Trainerstelle im Arbachtal antrat, stand die Personalie Leon Fleischer dementsprechend weit oben auf der Prioritätenliste.

Motivation zeigte immer mehr nach unten

»Ich wusste, dass sie in Eningen nicht so sehr auf ihn gesetzt haben, wie ich als Coach der Meinung bin, wie man auf ihn setzen sollte«, sagt da Silva. Doch trotz der unbestrittenen sportlichen Qualitäten Fleischers wusste auch er, »dass Leon, was Fußball angeht, ein bisschen ein Hallodri ist«. Das gehört zur Wahrheit, wenn man der Frage nachgeht, warum Fleischer bislang in Eningen nicht wirklich nachhaltig auf sich aufmerksam machte. Der Angreifer gibt zu, dass er ein Spieler sei, für den beispielsweise die Läufe in der Vorbereitung häufig nicht ganz oben auf der To-do-Liste gestanden wären. Er sei einfach noch nie gerne gelaufen.

So oder so: Fleischers Motivation zeigte immer mehr nach unten. Doch als da Silva als neuer Trainer beim TSV vorgestellt wurde, überdachte er seine Aufhörpläne und sagte sich: »Diese Saison warte ich noch ab und ziehe jetzt nochmal durch.« Das Ergebnis kann sich bislang sehen lassen, wie auch der 36 Jahre alte Coach betont: »Leon hat sein Wort doppelt gehalten. Er hat in der Vorbereitung alle Läufe ausnahmslos absolviert, hat eine hohe Trainingsbeteiligung und viele Tore bislang im Alleingang geschossen.«

Wieder Bock am Kicken

In Summe: Ein überragender Saisonstart des extrem schnellen und abschlussstarken 24-Jährigen, der mit seinen Eningern, die schleppend in die Saison gestartet waren, auf ein extrem wegweisendes Derby am Sonntag gegen die TuS Metzingen blickt. Bei einer Niederlage könnte das offensivstarke Da Silva-Team (43 Tore in 10 Spielen - zweitbester Wert) seine Aufstiegsambitionen womöglich ad acta legen.

Wichtig: Mit dabei ist auch wieder der Eninger Top-Torjäger, der wegen Oberschenkelproblemen die letzten Spiele verpasste. Die noch viel wichtigere Nachricht lautet jedoch: Nach schwierigen Jahren hat Fleischer jetzt den Schalter umgelegt. »Damals musste ich mich dazu zwingen, ins Training zu gehen. Jetzt habe ich einfach wieder Bock am Kicken. Ich bin froh, dass die Motivation wieder zurückgekommen ist.« (GEA)