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Ravens Reutlingen entzaubern Wizards aus Karlsruhe in irrem Spiel

3,5 Sekunden sind in der Oskar-Kalbfell-Halle noch zu spielen, doch es nicht klar, wer gewinnt. Dass die Regionalliga-Basketballer der TSG Solcom Ravens im Topspiel das Rennen machen, verdanken sie ihrem Matchwinner.

Noel Duarte von der TSG Reutlingen (am Ball) dreht im Schlussabschnitt auf und wird zum Matchwinner gegen die College Wizards au
Noel Duarte von der TSG Reutlingen (am Ball) dreht im Schlussabschnitt auf und wird zum Matchwinner gegen die College Wizards aus Karlsruhe. Foto: Baur
Noel Duarte von der TSG Reutlingen (am Ball) dreht im Schlussabschnitt auf und wird zum Matchwinner gegen die College Wizards aus Karlsruhe.
Foto: Baur

REUTLINGEN. Im letzten Viertel hielt es keinen Fan mehr auf dem Platz. Die Basketballer der TSG Solcom Ravens Reutlingen entzauberten ihren Angstgegner aus Karlsruhe in einem irren Spiel, in dem auch 3,5 Sekunden vor Schluss nicht feststand, wer das Duell der beiden Top-Teams für sich entscheiden würde. Als Miles Mallory die Hausherren rund 15 Sekunden vor dem Ende durch zwei Punkte mit 80:79 in Führung brachte, gab es kein Halten mehr. Die 750 Zuschauer verwandelten die Oskar-Kalbfell-Halle in einen Hexenkessel. Getragen von der Stimmung ließen sich die Schützlinge von Trainer Rodrigo Reynoso das Ergebnis nicht mehr nehmen und feierten nach dem Coup gegen die Regionalligazweiten Wizards ausgelassen.

»Das Herz. Das Herz«, meinte der Ravens-Headcoach auf die Frage, was an diesem Abend den Unterschied gemacht habe. »Die Jungs sind unglaublich. Ich bin heute sehr stolz auf die gesamte Mannschaft. Wir waren 100 Prozent bereit für die Herausforderung und haben uns auch von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen. Wir wussten, dass wir das Spiel gewinnen können und haben jederzeit an uns geglaubt.« Beachtlich, denn bis zum Samstagabend hatte Reutlingen gegen die College Wizards noch nie einen Sieg einfahren können.

»Wir hatten heute eine unfassbare Energie. Von den Rängen, von der Bank, auf dem Feld. Wir sind um jeden Ball gesprungen«

Getragen von der Euphorie zeigte sich auch TSG-Topscorer Noel Duarte, der insgesamt 20 Punkte, zwei Assists und vier Rebounds vorzuweisen hatte. »Wir hatten heute eine unfassbare Energie. Von den Rängen, von der Bank, auf dem Feld. Wir sind um jeden Ball gesprungen. Das war der Gamechanger heute.« Gemeinsam mit seinem Bruder Lino (elf Zähler) avancierte der 24-Jährige im letzten Viertel zum Matchwinner. Mit starken Dribblings und viel Zug zum Korb brachte er seine Ravens immer wieder heran und riss die ganze Truppe mit. Im letzten Abschnitt lag die Heimmannschaft fast über die komplette Zeit zurück. Erst zwei Minuten vor dem Ende gelang der Ausgleich. Es folgte das verrückte Finale.

Wie eng es wirklich zuging, zeigten auch die Statistiken. Keine der beiden Mannschaften konnte sich zu irgendeinem Zeitpunkt wesentlich absetzen. Insgesamt zehn Mal wechselte die Führung, wobei kein Team je mehr als sieben Zähler vorne lag.

»Wir waren in der Rotation in der Verteidigung nicht so gut«

Reutlingen brachte eine extrem geschlossene Mannschaftsleistung aufs Parkett. Neben den Duartes lieferten auch Nemanja Nadjfeji (11 Punkte/7 Rebounds/7 Assists), Mallory (10/8/4) und Superschütze Vito Barbarosa (19/2/2) ab. Beim Gegner aus Karlsruhe stach ein prominenter Name heraus. Samuel Thomas Stockton, Sohn von NBA-Legende John Stockton, war kaum zu verteidigen und erzielte mit 27 Punkten den Topwert des Tages. Im mit viel individueller Klasse besetzten Roster der Wizards fiel auch Zugang und Ex-Profi Vitalii Malchevskyi auf und steuerte 18 Zähler bei.

Der Kontrahent zeigte seine große Klasse in der Offensive, trotzdem war Ravens-Coach Reynoso mit der Arbeit gegen den Ball nicht ganz glücklich: »Wir waren in der Rotation in der Verteidigung nicht so gut.« Außerdem monierte er »zu viele einfache Ballverluste«. Einen klaren Vorteil erarbeitete sich die TSG durch ihre schnellen Angriffe, die häufig zum Erfolg führten.

»Es hat sich angefühlt, als ob wir Sechs gegen Fünf spielen. Die Fans waren heute extrem wichtig für uns«

Von Beginn war der Regionalligavierte voll im Spiel und bestrebt, gegen Karlsruhe zu zeigen, dass man selbst ein Top-Team ist. Von der ersten Minute an führten die Hausherren bis zum Ende des ersten Viertels (26:24). Im zweiten Abschnitt mussten die Ravens beim 30:31 den ersten Rückstand hinnehmen. Ab diesem Zeitpunkt startete der Basketball-Krimi, es ging hin und her. Mit einem 43:40 verabschiedeten sich die Raben in die Pause.

Danach fehlte Reutlingen im Angriff ein wenig die Kreativität und in der Abwehr die Konsequenz. Trainer Reynoso hüpfte an der Seitenlinie wild gestikulierend von links nach rechts, als wollte er die nun selbstbewussten Wizards höchstpersönlich stoppen. Seine Mannen rüttelte er wach, denn sie betrieben Schadensbegrenzung und ließen den Rückstand vor den letzten zehn Minuten nicht zu groß werden (59:63) und sich für ihren famosen Schlussspurt damit alle Chancen offen.

»Es gab viele Höhen und Tiefen«, meinte Noel Duarte nach der Partie. »Aber genau das ist Basketball.« Reynoso betonte: »Es hat sich angefühlt, als ob wir Sechs gegen Fünf spielen. Die Fans waren heute extrem wichtig für uns.« (GEA)