REUTLINGEN. Ja, wo hüpfen sie denn? Frösche und Kröten ließen sich nicht blicken, als Menschen über neuen Wohltaten für sie und ihre Artgenossen sprachen. Im Bereich des Naturschutzgebietes Listhof sowie des Sport- und Freizeitparks Markwasen haben Naturschützer an einer besseren Vernetzung der Amphibien-Biotope beiderseits der Landesstraße gearbeitet. Den vorhandenen Tunnel ergänzt auf beiden Seiten jeweils ein künstlicher Tümpel. Das kann man sich wie attraktive Hotels vorstellen, die Laubfrosch oder Gelbbauchunke verlockend finden, um dann eventuell auch gleich unterirdisch die Seiten zu wechseln.
»Wir haben zwei Amphibien-Populationen: Rechts und links der Landesstraße«, erklärt Marcus Haas von der Stadt Reutlingen. Der Projektleiter im Fachgebiet Natur-, Arten- und Bodenschutz steht vor einem Bauwerk, das seit fünf Jahren eine wichtige Verbindung unter dem Asphalt darstellt: Den 2020 gebauten Tunnel mit Naturstreifen an beiden Seiten. Ein paar Meter weiter oben wäre die Überquerung der Straße für Kröten bekanntlich lebensgefährlich. Doch die Röhre ist alleine nicht einladend genug.
»Es gilt, diese errichtete Wanderhilfe zur Stärkung des Biotopverbundes zu optimieren«, beschreibt die Stadtverwaltung ihre Absichten, bei denen Reutlinger Frösche vor Begeisterung hüpfen. Da die quakende Gesellschaft Schilder wie »hier entlang« nicht lesen kann und vor menschlichen Lotsen eher davonhüpft, locken die Naturschützer mit anderen Mitteln.

Auf der Seite des Listhofes ist er kaum zu sehen, der kleine künstliche Tümpel in unmittelbarer Nähe des Tunneleinganges. Er besteht aus einem Edelstahlbecken mit einer heimeligen Füllung aus Kieseln plus Weidenpflanzen zum Verstecken. Steinfolie an beiden Seiten erleichtert den Ein- und Ausstieg.
Auf der anderen Seite ist die Entfernung zwischen Tümpel und Tunnel etwas größer, weil städtische Infrastruktur unterirdisch im Wege liegt. Macht aber nichts, wie Marcus Haas auf seinem Smartphone zeigt: Tatsache, da sitzen mehrere Laubfrösche am Rand des Wasserbeckens. Übrigens nennen Fachleute die Gesamtkonstruktion »Trittstein-Lebensräume« - kleine Flächen mit großer Wirkung. Gebaut wurden die segensreichen Inseln mit städtischen Mitteln von Mitgliedern des Vereins »Reptilien Amphibien Neckar-Alb« (RANA). Dessen Vorsitzender Jürgen Tröge verrät gerne auch, wieso beide Tümpel eine solide Gitterabdeckung haben.
Putzig aussehende Gestalten wie Waschbären wollen - so Tröge - den Froschkönig nicht küssen, sondern verschlingen: »Die fressen alles«. An anderen Stellen müssen die Artenschützer bei der Amphibienpflege immer wieder die schwierige Balance halten. »Des einen Freud ist des anderen Leid«, sagt der RANA-Vorsitzende. Beispiel Biber: Von ihm aufgestaute Gewässer sind einerseits nützlich, aber seine Bauten verhindern das regelmäßige Ablassen von Seen. Dadurch können sich etwa Libellen mit ihren Larven ausbreiten, denen Froschlaich gut schmeckt. Vom Schutzstatus her liegen Frosch und Biber übrigens auf einer Ebene, beide sind strengstens in Ruhe zu lassen.
Das ist nach Angaben der Stadt auch mehr als nötig. Zählstatistiken der vergangenen Jahre zeigten »eine sehr starke Abnahme der gesamten Amphibienpopulation in den Gebieten«. Im Rathaus wird an einem Biotopverbundkonzept gearbeitet. Es soll Planungsinstrument sein und die Basis für Förderanträge bilden, die Geld in die Stadtkasse spülen. Denn selbst einen kleinen Tümpel gibt es nicht umsonst. (GEA)


