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Aktuell Kriminalität

Tatort Freibad: Mehr Fälle in Reutlingen, aber keine Berliner Verhältnisse

In den vergangenen Wochen kam es in Freibädern bundesweit vermehrt zu Streitigkeiten. Wie sieht's im Reutlinger Wellenfreibad aus? Der Betriebsleiter und die Polizei nehmen Stellung.

Das Freibad heute. Foto: SW
Das Freibad heute. Foto: SW

REUTLINGEN. Je heißer der Sommer, desto voller die Schwimmbäder. Und wo viele Menschen auf einem Haufen sind, kommt es nicht selten zu Auseinandersetzungen. Jüngst geriet beispielsweise das Berliner Columbiabad in die Schlagzeilen. Rund 250 Badegäste hatten dort Polizisten und Wachleute bedrängt, nachdem diese versucht hatten, einen Streit zu schlichten. Das Bad musste geräumt werden. Ncht der erste Vorfall dieser Art. Eine Woche zuvor eskalierte eine Spritzerei mit Wasserpistolen zu einer Massenschlägerei, an der sich etwa 100 Personen beteiligt haben sollen.

Polizeieinsatz am Eninger Waldfreibad

Auch im Eninger Waldfreibad spielten sich am letzten Juni-Wochenende unerfreuliche Dinge ab: Exzessiver Alkoholkonsum, Verschmutzung, Sachbeschädigung und Badegäste, die damit drohten, handgreiflich zu werden. Auf dem Parkplatz soll es sogar zu kleineren Unfällen gekommen sein, sodass die Polizei anrücken musste. Als Konsequenz darf Alkohol in größeren Mengen nicht mehr mitgebracht werden. Weitere Sicherheitsmaßnahmen werden geprüft. Ohne die kommt man im Reutlinger Wellenfreibad schon lange nicht mehr aus. 

»Wir haben Security im Eingangsbereich. In erster Linie deshalb, weil früher öfter versucht wurde, mit ungültigen Karten ins Freibad zu gelangen«, sagt Necdet Mantar, der Leiter der Reutlinger Bäder. Zwischen vier und sechs Personen seien täglich im Einsatz. »Sie unterstützen das Personal auch im Innenbereich, wenn es dort Probleme gibt.« Wie beispielsweise vor einer Woche, als eine Gruppe Jugendlicher, die sich ohne Tickets Zutritt verschafft hatte, hinausbefördert werden sollte. Einige hätten dann angefangen rabiat zu werden und mit Steinen zu werfen.

Coronabedingt war es in den vergangenen zwei Jahren ruhig im Reutlinger Freibad. "Abgesehen von den Personen, die sich in der Schlange vor dem Eingang beharkt haben", sagt Mantar. Dieses Jahr komme es jedoch wieder deutlich öfter zu Zwischenfällen. "Das ist schon sehr auffällig, auch wenn wir von Berliner Verhältnissen noch weit entfernt sind." Sexuelle Belästigung komme zwar auch vor, aber eher selten. Gegen Grapscher geht das Personal laut Mantar grundsätzlich konsequent vor.

Fälle von Körperverletzungen im einstelligen Bereich

Laut Polizei wurden im Landkreis Reutlingen 2019 rund 30 Fälle vor oder in Freibädern zur Anzeige gebracht. Pandemiebedingt waren es 2020 noch etwa 20, im Jahr darauf sank die Zahl auf rund ein Dutzend. Am häufigsten handelte es sich um Diebstahlsdelikte. Die Zahl der zur Anzeige gebrachten Körperverletzungen lag in allen drei Jahren jeweils im niedrigen einstelligen Bereich. Wie oft es zu verbalen Streitigkeiten oder Fällen von Trunkenheit kam, ist nicht dokumentiert. Für 2022 rechnet die Polizei mit einem Anstieg der Anzeigen. (GEA)