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Reutlinger Kreiskliniken verringern Minus

Die erste Bilanz des neuen Managements zeigt im Corona-Krisenjahr wenig überraschend erneut Millionenverluste. Doch wie geht es in Zukunft weiter?

Klinikum am Steinenberg
Das Klinikum am Steinenberg. Foto: Stephan Zenke
Das Klinikum am Steinenberg.
Foto: Stephan Zenke
REUTLINGEN. Die Kreiskliniken Reutlingen GmbH kommen nicht aus den roten Zahlen. Im Corona-Krisenjahr 2020 weist die Bilanz der Gesellschaft ein Minus von 5,866 Millionen Euro aus. Im Vergleich zum Vorjahresergebnis von minus 12,292 Millionen Euro haben sich die schmerzlichen Verluste deutlich verringert. Doch wie geht es finanziell in Zukunft weiter?

»Spannend werden die kommenden Jahre, wenn (Corona-) Unterstützungsleistungen auslaufen«, sieht Geschäftsführer Dominic Nusser bei der Vorstellung der Bilanz düstere Zeiten kommen. »Die Politik soll sagen, welche Krankenhäuser sie haben will – und diese dann auch finanziell auskömmlich ausstatten«, fordert Professor Dr. Jörg Martin als Vorsitzender der Geschäftsführung. Seine erste Jahresbilanz nutzt das neue Management der Kreiskliniken, über dessen Vertragsverlängerung im kommenden Jahr entschieden werden soll, vor dem Kreistag zu einem großen Rundumschlag.

Die Corona-Krise habe man gut bewältigt, so Martin, mittlerweile handele es sich um »eine Pandemie der Ungeimpften«. Die Impfquote des Klinikpersonals liege mittlerweile bei 85,25 Prozent. Für die Zukunft habe man vorgesorgt. Ausgeblieben sei leider ein Nachdenken über die Kernprobleme des Gesundheitswesens. »Die stationäre Patientenzahl wird zurückgehen, weil mehr ambulant erledigt werden soll«, trägt Martin vor. Der Kostendruck steige. Gleichzeitig werde es immer schwieriger gutes Personal zu bekommen. Diesen und anderen Entwicklungen begegne das Management mit realisierten sowie geplanten Projekten. Als Beispiele nennt Martin direkt nach dem Medizinkonzept 2025 – mit dem Aus für die stationäre Versorgung im Ermstal – die neue Klinik für Altersmedizin oder eine Umstrukturierung der zentralen Notaufnahme. Die Fraktionen des Kreistages nehmen die roten Zahlen mit Bedauern zur Kenntnis, entlasten den Aufsichtsrat, nutzen die Bilanzpräsentation aber vor allem zum Dank. »Das Personal hat in der Coronazeit Übermenschliches geleistet«, sagt etwa FWV-Rat Dr. Rolf Hägele. Ungeachtet dessen kritisiert Rainer Buck (Grüne): »Effekte durch das neue Management sind nicht feststellbar«. Landrat Dr. Ulrich Fiedler will das so nicht stehenlassen: »Die Geschäftsführung hat unglaulich viele Zukunftsprozesse in Gang gebracht«. (GEA)