REUTLINGEN. Die Reutlinger Vesperkirche ist seit fast 30 Jahren eine feste Institution in der Stadt. Zum 29. Mal wird sie am 11. Januar in der Nikolaikirche an den Start gehen. »Wir erwarten erneut mehr als 10.000 Essensgäste«, sagt Dr. Joachim Rückle, Geschäftsführer des Diakonieverbands. Die Vorbereitungen laufen längst: 240 Freiwillige haben sich bereits gemeldet, die helfen wollen. »Rund 80 Prozent der Ehrenamtlichen sind ‚Mehrfachtäter‘, es gibt sogar welche, die sich entschuldigen, dass sie beim nächsten Mal nicht mehr dabei sein können«, berichtet Sabine Lehmkühler, die als Ehrenamtskoordinatorin die Einsätze der Freiwilligen genau im Blick hat.
Zu diesen Helfern kommen noch die etwa 20 Personen aus dem Leitungskreis hinzu. »Wir haben aber noch ein paar freie Plätze.« Wer Interesse hat, kann sich einfach bei Sabine Lehmkühler melden (Tel. 0176 42796221) oder bei der Zentrale des Diakonieverbands (Tel. 07121 94860). »Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre gehen wir davon aus, dass wir für unsere Gäste Kuchen, besonders Fruchtiges wie Obstkuchen, dringend brauchen können«, sagte Heike Brandt, die im Leitungskreis für das Café in der Unteren Gerberstraße verantwortlich ist.
Rechtsanwalt beantwortet Fragen
Das meiste bei der 29. Vesperkirche wird wie gewohnt laufen. Viel Routine ist mittlerweile dabei. Neu ist beim nächsten Mal jedoch ein Rechtsanwalt, der zweimal in der Woche Fragen in Bezug auf Miete, Sozialleistungen, Erben, Arbeit und mehr beantwortet. »Ernst Dietzfelbinger hat bereits Erfahrung damit aus der Calwer Vesperkirche, die er jetzt auch in Reutlingen einbringen will«, so Rückle.
Was sich nicht ändern wird bei der 29. Vesperkirche, ist die Willkommenskultur in dem besonderen Gasthaus. Einfach alle seien herzlich willkommen. Ohne Unterschied. »Wir wollen vier Wochen lang nicht nur gemeinsam essen, sondern auch an das Miteinander denken, an die Begegnung, die Gemeinschaft – wir wollen ein Fest des Reichtums und der Fülle feiern«, erklärt Vesperkirchenpfarrer Jörg Mutschler. Seine Kollegin Birgit Hövel betont: »Wenn ich jetzt durch die Stadt gehe, werde ich ständig von Freiwilligen angesprochen, die mir sagen: Ich habe mich schon angemeldet.«
Essen von der BruderhausDiakonie
Wie bereits gewohnt, wird Sozialberaterin Karen Brudar ebenso mehrfach vor Ort sein wie ein Friseur. Geplant ist, dass das MedMobil der AWO zweimal wöchentlich, montags und donnerstags, vor der Nikolaikirche stehen wird. Das Essen kommt wie gewohnt von der BruderhausDiakonie. Zuständig dafür, dass bei den Mahlzeiten alles klappt, ist bei der 29. Vesperkirche Klaus Ege. Er engagiert sich im zweiten Jahr im Leitungskreis – also in jener Planungs- und Organisationsgruppe, die laut Rückle »die Herzkammer der Vesperkirche ist«. Alle loben die positive Atmosphäre in dem Kreis, freuen sich auf die gute Zusammenarbeit in den vier Wochen. »Für mich ist dieses Ehrenamt ein Volltreffer«, so Ege.
Zwei vegetarische Mahlzeiten pro Woche sind geplant, freitags gibt es erneut Essen ohne Schweinefleisch. In Zusammenarbeit mit der Kreisjägervereinigung wird es einmal sogar Wild geben. »Das Essen wird täglich zwischen 11.30 und 13.30 Uhr serviert«, so Rückle. Der Kaffee kommt vom Weltladen, das Gerber-Café ist bis um 14 Uhr geöffnet. Etwas Besonderes gibt es noch: Beim Eröffnungsgottesdienst wird zum ersten Mal kein Theologe die Predigt halten. Stattdessen kommt Dr. Gernot Bohnenberger zu Wort, der ansonsten als Arzt, Zauberer und Quartierskoordinator bei »Hallo Nachbarn« im hinteren Ringelbachgebiet aktiv ist. (GEA)
Spenden für die Vesperkirche
Spenden werden im Übrigen auch für die kommende Vesperkirche wieder benötigt. Wer das besondere Gasthaus unterstützen möchte, kann das über die neue Kontonummer tun, die extra für die Vesperkirche eingerichtet wurde. Die IBAN lautet: DE18 6405 0000 0100 0230 73 bei der KSK Reutlingen, Adressat ist der Evangelische Diakonieverband Reutlingen. (nol)

