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Reutlinger Spendenprojekt: Corona hat die Armut noch verstärkt

Das Projekt »Kinder in Duschanbe« in Reutlingen braucht dringend weitere Spenden für bedürftige Mädchen und Jungen.

Das Spendengeld hilft unter anderem, dass Kinder in Duschanbe wenigstens eine warme Mahlzeit bekommen.   FOTO: VEREIN
Das Spendengeld hilft unter anderem, dass Kinder in Duschanbe wenigstens eine warme Mahlzeit bekommen. FOTO: VEREIN
Das Spendengeld hilft unter anderem, dass Kinder in Duschanbe wenigstens eine warme Mahlzeit bekommen. FOTO: VEREIN

REUTLINGEN/DUSCHANBE. Seit vielen Jahren befindet sich das zentralasiatische Land Tadschikistan in einer politischen und ökonomischen Dauerkrise und nun explodieren auch noch die Lebensmittelpreise: Das seit 2001 bestehende private Spendenprojekt »Kinder in Duschanbe« benötigt deshalb zusätzliche finanzielle Unterstützung, um Not leidenden Kindern in Reutlingens Partnerstadt Duschanbe weiterhin eine warme Mahlzeit zu finanzieren. Die tadschikische Hauptstadt mit über 800.000 Einwohnern ist bekanntlich Reutlingens Partnerstadt.

Nicht nur in Deutschland hat die Pandemie in den letzten zweieinhalb Jahren zu dramatischen Verwerfungen geführt, vor allem in ärmeren Ländern wie Tadschikistan hat Corona die Armut noch verstärkt und vielen die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu leben, verbaut.

Hunger allgegenwärtig

Zahlreiche Kinder sind zu Waisen geworden, wachsen bei den Großeltern oder Verwandten auf und Hunger ist gerade bei Jüngeren »ein allgegenwärtiges Thema«, so Lydia Pautzke, die bei einer gemeinsamen Videokonferenz mit den beiden Deutschlehrerinnen Munawara Achmedowa und Salomat Rakhimova die aktuell dramatische Situation in Duschanbe erläuterte. Mit der Hauptstadt des Landes verbindet Reutlingen nicht nur eine lange Städtepartnerschaft, sondern auch das Spendenprojekt für Waisenkinder in Duschanbe, das die verstorbene SPD-Stadträtin Suse Gnant 1991 ins Leben gerufen hat und das inzwischen in der Obhut der Stadt Reutlingen liegt.

Aus Gnants Engagement entstand 2001 das Spendenkonzept »Kinder in Duschanbe«, das dafür sorgt, dass inzwischen 220 besonders bedürftige Kinder an den beiden Schulen Nr. 28 und Nr. 89 mit einem warmen Mittagessen versorgt werden. Die Spendenaktion wird seit Mitte 2017 von der in Tadschikistan geborenen Lydia Pautzke weitergeführt und »hat seit 2001 268 000 Euro an Spenden erzielt«, wie die ebenfalls bei der Videokonferenz zugeschaltete Anke Bächtiger vom Kulturamt Reutlingen hervorhob.

Von den 220 unterstützten Schülern, vorzugsweise Grundschüler, müssen allerdings immer wieder welche von der Schulspeisung ausgeschlossen werden oder erhalten das Essen nur befristet, da von einer Krankheit genesene Schüler vorgezogen werden. Auch gibt es in den beiden Schulen Kinder in den oberen Klassenstufen, die ebenfalls mangelversorgt sind.

Dazu kommt, dass Lebensmittel durch Corona knapp und sehr teuer geworden sind, »weshalb das mit dem Spendenprojekt finanzierte Schulmittagessen nun rund 60 Prozent mehr kostet«, berichtete Lydia Pautzke. Bereits in diesem Jahr erhöhte sich der Preis für die tägliche Schulspeisung von 50 auf 70 Cent pro Kind, was einen Mehrbedarf für 2022 von rund 10.000 Euro bedeutet. Ab Januar 2023 steigt der Preis sogar auf 80 Cent, wofür noch mal rund 4.000 Euro an zusätzlichen Kosten anfallen.

Weitere Hilfsprojekte

Dem Engagement der beiden Lehrerinnen vor Ort ist es zu verdanken, dass das Projekt schon so lange läuft und immer wieder weitere Hilfsprogramme daraus entstehen. Wie etwa die Sommerschule, der Sommergarten oder das Projekt »Kinder für Kinder«, bei dem sich Schüler um jüngere, hilfsbedürftige Kinder kümmern: »Die Älteren haben zum Beispiel Geld für eine alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern gesammelt«, berichtete Munawara Achmedowa, »und mithilfe des Geldes und einigen Nachbarn ihre Wohnung renoviert«.

Das Spendengeld ermöglicht also beileibe nicht nur die Finanzierung von Mittagessen oder die Beschaffung von warmen Kleidern, »es geht auch darum, Achtsamkeit und Zusammenhalt untereinander zu fördern«, so Lydia Pautzke.

Um das angefallene Defizit auszugleichen und das Projekt fortzuführen", erhoffen sich Pautzke und die beiden Lehrerinnen zusätzliche Spenden und Unterstützung aus Reutlingen. Und einen weiteren Effekt hat das Spendenprojekt ebenfalls erreicht: "Das Interesse, Deutsch zu lernen, hat seitdem von Jahr zu Jahr zugenommen", betonte Munawara Achmedowa, "und immer mehr Schüler wollen in Deutschland studieren oder eine Ausbildung machen." (GEA)

SPENDENKONTO

Spenden fürs Projekt »Kinder in Duschanbe« kann man über die beiden Spendenkonten der Stadt Reutlingen bei der KSK Reutlingen überweisen: IBAN DE 27 6405 0000 0000 0004 88 oder Vereinigte Volksbanken eG: IBAN DE 65 6039 0000 0101 6300 00. Stichwort »Kinder Duschanbe«. (GEA)