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Reutlinger Hochschule geht bei Produktion von Wasserstoff voran

Wasserstoff herstellen, speichern und transportieren: Die Reutlinger Hochschule forscht mithilfe eines Mini-Elektrolyseurs an dezentraler Wasserstoffinfrastruktur.

Professor Gernot Schullerus (und sein Kollege Thorsten Zenner) leiten das Projekt an der Reutlinger Hochschule, mit dem per Elek
Professor Gernot Schullerus (und sein Kollege Thorsten Zenner) leiten das Projekt an der Reutlinger Hochschule, mit dem per Elektrolyseur (wie im Hintergrund) in Miniaturformat Wasserstoff produziert, gespeichert und transportiert werden kann. Foto: Norbert Leister
Professor Gernot Schullerus (und sein Kollege Thorsten Zenner) leiten das Projekt an der Reutlinger Hochschule, mit dem per Elektrolyseur (wie im Hintergrund) in Miniaturformat Wasserstoff produziert, gespeichert und transportiert werden kann.
Foto: Norbert Leister

REUTLINGEN. Noch ist die Produktion von Wasserstoff teuer. »Aber Photovoltaikmodule waren auch mal extrem teuer«, erläutert Professor Gernot Schullerus und verweist auf einen kleinen, exemplarischen Elektrolyseur, mit dem genau dieser energetische Stoff der Zukunft an der Hochschule Reutlingen produziert wird: Es ist ein Elektrolyseur in Miniaturformat. »Wir forschen an dezentralen Energiesystemen, an Energieeffizienz und Klimaneutralität«, erklärt Professor Sabine Löbbe, Präsidentin der Reutlinger Hochschule. Bei einem Festakt am Montag gratulierte dort Dr. Andre Baumann, Staatssekretär des Landesministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, dem Reutlinger Energiezentrum (REZ) »zu der neuen Aufgabe«.

Bei der Forschung an »kleinen Elektrolyseuren, die aber ein großes Projekt für Baden-Württemberg sind«, handle es sich um eine »segensreiche Aufgabe«, so Baumann. »Hier wird ein Meilenstein für die neue Energiewelt ausgetestet.« Denn um die Klimaziele zu erreichen, werde Wasserstoff (H2) dringend gebraucht. Und obendrein »mehr Intelligenz in den Energiesystemen«, wie der Staatssekretär in Vertretung von Thekla Walker, der Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, betonte.

»Die nachhaltige Transformation vor Ort kann gelingen«

Leiter der neunköpfigen Forschungsgruppe an der Reutlinger Hochschule sind die Professoren Thorsten Zenner und Gernot Schullerus. In ihrem "Leuchtturmprojekt" soll "dezentral und netzdienlich grüner Wasserstoff erzeugt werden", so Löbbe. Das Konzept dahinter heiße "H2-Grid", damit werde der grüne Wasserstoff verstromt und an Abnehmer wie Industrie, ÖPNV oder Wasserstoff-Tankstellen vertrieben.

Kein Wunder, dass die Forschung viel Aufmerksamkeit und auch viel Zuspruch erlebt? Greta Schirmer-Förster, Erste Landesbeamtin beim Landkreis Reutlingen, meint: »Die Region bietet hervorragende Voraussetzungen für nachhaltige Technologien.« Allerdings sei der Aufbau einer neuen Energieinfrastruktur sehr komplex: »Das ist nur im Schulterschluss mit anderen möglich«, so Schirmer-Förster. Sie zeigte sich aber auch überzeugt, dass »die nachhaltige Transformation vor Ort gelingen kann«.

»Auf der Schwäbischen Alb kann man einfach einen Elektrolyseur neben die Windräder stellen«

Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck freute sich ebenfalls über die Einweihung der Wasserstoff-Infrastruktur an der Hochschule. Quasi in Miniaturformat wird dort nun weiter geforscht, was später in großem Maßstab gelingen soll. Vorteilhaft ist das laut Schullerus auch, weil bereits Gasleitungen vorhanden sind, die dann den gasförmigen Wasserstoff weitertransportieren könnten. Doch zahlreiche Probleme und Herausforderungen seien noch nicht gelöst. Etwa, dass der dezentrale Ansatz in ländlichen Regionen deutlich leichter falle als in Städten. »Auf der Schwäbischen Alb kann man einfach einen Elektrolyseur neben die Windräder stellen«, so Schullerus. In den Kommunen sei das nicht so einfach möglich.

Dringend vonnöten sei die Forschung in dem Bereich, befand OB Keck. »Immerhin waren die vergangenen drei Jahre in Baden-Württemberg die wärmsten, die es jemals gab.« Um den Kohlendioxid-Ausstoß zu senken, seien die kommenden Jahre entscheidend, so Reutlingens Rathauschef. Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sei dabei zentral – so wie sie in dem Projekt nun auch praktiziert werde.

»Ohne Wasserstoff werden wir nicht klimaneutral«

Die Grundidee: Bei der Nutzung von Photovoltaik und Windenergie wird viel Überschussenergie produziert. Mit dieser Energie kann über Elektrolyse Wasserstoff produziert werden. Allerdings gelte es dazu (unter anderem) die Frage zu lösen, wie H2 möglichst effektiv gespeichert und transportiert werden kann – und zwar dezentral. Gernot Schullerus zeigte sich überzeugt: »Ohne Wasserstoff werden wir nicht klimaneutral.« (GEA)