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Regional-Stadtbahn soll Reutlinger Echazhafen nicht gefährden

Beim Rundgang der SPD auf möglichen Trassen der Regionalstadtbahn wurden Ängste zur Zukunft des Reutlinger Echazhafen aufs Abstellgleis geschoben.

Fahren alle gemeinsam auf die Bahn ab (von links): Mit Karte Lena Hönes neben Geschäftsführer Professor Dr. Tobias Bernecker vom
Fahren alle gemeinsam auf die Bahn ab (von links): Mit Karte Lena Hönes neben Geschäftsführer Professor Dr. Tobias Bernecker vom Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb, die Sozialdemokraten Helmut Treutlein und Mert Akkeceli sowie Stadtplaner Stefan Dvorak. Foto: Stephan Zenke
Fahren alle gemeinsam auf die Bahn ab (von links): Mit Karte Lena Hönes neben Geschäftsführer Professor Dr. Tobias Bernecker vom Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb, die Sozialdemokraten Helmut Treutlein und Mert Akkeceli sowie Stadtplaner Stefan Dvorak.
Foto: Stephan Zenke

REUTLINGEN. »Personen im Gleis« bedeuten bei der Deutschen Bahn meist nichts Gutes. Ganz anders sah das beim Trassenspaziergang in Sachen Regionalstadtbahn aus. Auf Einladung der SPD-Fraktion im Reutlinger Gemeinderat spazierten rund 50 Interessierte vergnügt dort, wo in Zukunft mal Gleise liegen könnten. Alle fanden das eine gute Sache. Insbesondere die Menschen vom Kulturzentrum franz.K, deren Ängste um die Zukunft des Echazhafen offenbar unbegründet sind.

Vorbehaltlich einer Entscheidung des Reutlinger Gemeinderates gaben zwei führende Köpfe des Zukunftsprojektes eindeutig zu verstehen, dass Bahn und Kultur sich freundschaftlich begegnen sollen. »Es gibt keine neuen Trassenvarianten, aber wir schauen uns von den vier nur noch zwei an«, sagte Stadtbahngeschäftsführer Professor Dr. Tobias Bernecker am Startpunkt des Rundgangs der Sozialdemokraten vor dem Kulturzentrum franz.K. Auf Nachfrage bestätigte Bernecker: Keine dieser beiden Varianten durchschneide das Gelände des Echazhafen.

»Der Echazhafen muss der Bahn auf keinen Fall weichen«

Noch deutlicher ist die Prophezeiung von Stadtplaner Stefan Dvorak: »Der Echazhafen muss der Regionalstadtbahn auf keinen Fall weichen.« Womit der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung keinesfalls einer noch in diesem Jahr zu erwartenden Entscheidung des Reutlinger Gemeinderates für eine Innenstadttrasse des zukünftigen Schienenverkehrs vorgreifen möchte. Allerdings sieht die Faktenlage, mithin die Entscheidungsgrundlage für die Räte, wohl entsprechend aus. Die Frage, welchen Weg die Bahn nehmen soll, was technisch machbar sowie in Bezug auf die Fahrgäste sinnvoll ist, prägte den Rundgang.

»Wir unterhalten uns über die Bahn und die Kultur«, beschrieb Helmut Treutlein als Fraktionsvorsitzender der SPD im Gemeinderat die Veranstaltung, »und wir sagen Ja zur Kultur und Ja zur Stadtbahn«. Herumgesprochen hat sich allseits, dass für die Innenstadt drei Varianten untersucht werden. Aus früheren Diskussionen im Gemeinderat ist die Lederstraße als Favorit hervorgegangen. Jedoch bleiben die Gartenstraße und die Honauer Trasse als Alternativen weiterhin im Gespräch. Insgesamt scheint die Vielfalt von möglichen, denkbaren oder machbaren Gleisverläufen, so wie sie auf einer Karte des Zweckverbandes Regional-Stadtbahn-Neckar-Alb öffentlich sichtbar sind, reichlich verwirrend.

Trassen im Netz

Der Zweckverband hat die Ergebnisse der Vorplanung zur Regional-Stadtbahn im Landkreis Reutlingen fürs Internet aufbereitet. Interessierte können sich mithilfe einer interaktiven Karte auf der Website des Zweckverbands zum aktuellen Planungsstand der Bahnstrecken im Landkreis Reutlingen informieren. Die Karte stellt alle Trassenvarianten von Ohmenhausen über Betzingen, Reutlingen, Pfullingen und Lichtenstein bis Engstingen übersichtlich dar, die während der Vorplanung genauer untersucht werden. (GEA)
http://www.regional-stadtbahn.de/echaztalbahn

Gerade die Gleisführung rund um das Kulturzentrum franz.K in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hauptbahnhof ist planungstechnisch höchst spannend. Was wäre, wenn die Schienen in direkter Nachbarschaft verlegt würden, mit dem zu erwartenden Schallpegel? Bezeichnenderweise ging diese Frage im Lärm des tosenden Autoverkehrs fast unter. Eine Steilvorlage für Stadtbahn-Geschäftsführer Bernecker: »So laut ist die Stadtbahn nicht«. Als ein Beispiel wird die berühmte Semper-Oper in Dresden genannt, um die herum zahlreiche Straßenbahnen fahren. Bleiben aber andere Herausforderungen.

Die Unterführung bei der alten Eisenbahnbrücke, bekannt geworden vor allem durch den Kampf gegen die Taubenplage, wäre selbst für die modernen Tram Trains zu niedrig und zu schmal. Vor allem, wenn man die gewünschte innige Verbindung der verschiedenen Verkehrsträger im Blick hat. Denn dann braucht es Platz für Fußgänger, Radfahrer und Bahnkunden. »Selbstverständlich kann es gelingen, Bahnen gut in Städte einzupflegen«, verbreitete Planer Stefan Dvorak Optimismus. Hängen bleibt die Botschaft: Hier müsste eine Brücke neu gebaut werden.

Zwischen den Containern des Echazhafen endete der Trassenspaziergang der SPD. Fazit: Kultur und Bahn sollen freundschaftlich mit
Zwischen den Containern des Echazhafen endete der Trassenspaziergang der SPD. Fazit: Kultur und Bahn sollen freundschaftlich miteinander verbunden werden. Foto: Stephan Zenke
Zwischen den Containern des Echazhafen endete der Trassenspaziergang der SPD. Fazit: Kultur und Bahn sollen freundschaftlich miteinander verbunden werden.
Foto: Stephan Zenke

Einige Meter weiter oben machte der Spaziergang Station an der ehemaligen Briefpost, um sich über mögliche Kurvenradien, aber auch einen eventuell notwendigen Abriss von Teilen der Alten Paketpost zu unterhalten. Ganz andere Probleme müssen direkt vor den Wandelhallen in Sichtweite der Stiftung für Konkrete Kunst gelöst werden. Die dortige Senke ist dafür bekannt, bei Hochwasser vollzulaufen, auch die engen Kurven und Wellen schmecken einer Bahn überhaupt nicht. Bernecker machte deutlich, dass angesichts des Klimawandels jegliche Trassenführung auch dann noch trocken bleiben müsse, wenn das nächste »Jahrhundertwasser« komme - was bekanntlich mittlerweile häufiger als alle 100 Jahre vorkommt.

»Wir brauchen Klarheit, um planen und kalkulieren zu können«

Als der sozialdemokratische Trassenspaziergang nach 90 Minuten zwischen den Containern des Echazhafens endete, war das Fazit von Sarah Petrasch vom Kulturzentrum franz.K eindeutig: »Wir brauchen Klarheit, um planen und kalkulieren zu können«. In Zukunft sollten sich die Verantwortlichen bitte besser überlegen, welche »zerschneidenden Trassenvarianten« sie veröffentlichen, wenn über derlei gar nicht mehr ernsthaft gesprochen werde. (GEA)