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Junge Reutlinger werkeln für gute Zwecke

Seit zehn Jahren nähen, kochen, hämmern und sägen drei junge Reutlinger zugunsten der Clowns im Dienst und des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizes. Ihre handgefertigten Unikate verkaufen sie seit 2016 auf einem ganz besonderen Herbstbasar. Dessen Türen öffnen sich wieder am Samstag in der Unteren Gerberstraße 19.

Hoffen einmal mehr auf reges Publikumsinteresse bei ihrem nunmehr zehnten gemeinnützigen Herbstbasar (von links): Jule und Kalle
Hoffen einmal mehr auf reges Publikumsinteresse bei ihrem nunmehr zehnten gemeinnützigen Herbstbasar (von links): Jule und Kalle Hornemann sowie Fabia Schmidt. Foto: Steffen Schanz
Hoffen einmal mehr auf reges Publikumsinteresse bei ihrem nunmehr zehnten gemeinnützigen Herbstbasar (von links): Jule und Kalle Hornemann sowie Fabia Schmidt.
Foto: Steffen Schanz

REUTLINGEN. Jule (18) und Kalle (16) Hornemann sowie Fabia Schmidt (18) sind ziemlich beste Freunde. Seit Kita-Tagen sind sie das und können darob mit Fug und Recht als unzertrennliches Trio bezeichnet werden. Umso mehr, als die drei Jugendlichen eine gemeinsame Leidenschaft verbindet: das Handarbeiten und Heimwerken.

Während andere Teenager oft weite Teile ihrer Freizeit mit Social Media, Gamen und Chillen verbringen oder frühzeitig an der Optimierung ihrer Work-Life-Balance feilen, sind Jule, Fabia und Kalle überwiegend kreativ-schaffig unterwegs. Und dies sehr erfolgreich. Denn ihre handgefertigten Produkte können sich nicht nur sehen und schmecken lassen, sondern haben binnen der zurückliegenden zehn Jahre eine vielköpfige Fangemeinde gefunden.

In einem Fotobuch sind Erinnerungen an zehn Jahre karitatives Wirken vereint.
In einem Fotobuch sind Erinnerungen an zehn Jahre karitatives Wirken vereint. Foto: Steffen Schanz
In einem Fotobuch sind Erinnerungen an zehn Jahre karitatives Wirken vereint.
Foto: Steffen Schanz

Darunter Freunde und Verwandte, darunter aber auch Nachbarn und Menschen, die via Mundpropaganda von der kleinen Hobby-Manufaktur erfahren haben, die seit 2016 einmal jährlich zum Herbstbasar bittet und dann allerlei Schönes und Nützliches zu kleinem Preis verkauft. Taschen und Kerzen beispielsweise, Marmeladen, Grußkarten, Sirups und Schmuckanhänger, Weihnachtsdeko und Seifen: Jedes Stück ein Unikat und jedes Stück einem wohltätigen Zweck gewidmet. Zumal die jungen Reutlinger stets zwei Drittel ihrer Erlöse an den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst sowie an den Verein Clowns im Dienst spenden. Und das verbliebene Drittel? Das wird mitnichten auf den Kopf gehauen, sondern in Material wie Holz oder Stoffe investiert.

Motiviert, am Ball zu bleiben

4.000 Spendeneuros haben Jule, Fabia und Kalle innerhalb der vergangenen zehn Jahre erwirtschaft. Was sie durchaus ein bissle stolz macht. Vor allem aber motiviert sie's dazu, am Ball zu bleiben. Denn die 5.000er-Marke würden die drei Teenager gerne noch knacken. Weshalb sie auch in diesem Herbst einen Basar mit exklusiven Erzeugnissen made by Jule, Fabia und Kalle ausrichten.

Steigen wird das gemeinnützige Verkaufsevent am kommenden Samstag, 8. November, von 11 bis 17 Uhr im Wechselnden Wilhelm (Untere Gerberstraße 19). Hier erwartet Besucher einmal mehr eine breite Produktpalette, die großteils auf nachhaltiges Up-Cycling setzt und Aussortiertem, das andernfalls im Müll gelandet wäre, zu einem zweiten Frühling verhilft: Unter geschickten Fingern werden aus alten Jeans Taschen, aus Teelicht-Hülsen Christsterne und aus Holzresten Vesperbrettchen, um nur drei Beispiele zu nennen. Denn Nachhaltigkeit ist dem Trio mindestens genauso wichtig wie die Unterstützung der genannten Hilfsvereine.

Tätige Hilfe für Gleichaltrige

Dass der Löwenanteil der Basar-Einnahmen von Anbeginn karitativen Zwecken zugeflossen ist, hat übrigens einen berührenden Hintergrund, der auf das Jahr 2015 zurückgeht. Deutschland hatte damals Hunderttausende vor allem syrischer und afghanischer Flüchtlinge aufgenommen, die in Behelfsunterkünften lebten. Darunter viele Kinder, die unter anderem im Telekom-Gebäude an der Karlstraße provisorisch untergebracht waren und - meist nur für wenige Wochen - die Begerschule besuchten. Hier erfuhren Jule, Fabia und Kalle, zu diesem Zeitpunkt selbst Grundschüler, dass es eine Menge Gleichaltriger gibt, denen es am Nötigsten fehlt. Weshalb sie helfen wollten.

Kalle, Fabia und Jule haben für ihre Kundschaft ein buntes Sortiment handgefertigter Unikate zusammengestellt.
Kalle, Fabia und Jule haben für ihre Kundschaft ein buntes Sortiment handgefertigter Unikate zusammengestellt. Foto: Steffen Schanz
Kalle, Fabia und Jule haben für ihre Kundschaft ein buntes Sortiment handgefertigter Unikate zusammengestellt.
Foto: Steffen Schanz

Kurz und durchaus wild entschlossen, stürzten sie sich daraufhin in die Arbeit. Natürlich mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Eltern, aber eben doch eigeninitiativ. Kleine Basteleien entstanden, die in den Charity-Verkauf gelangen sollten und dies auch taten. Gleich der erste Basar - er ging am 12. November 2016 im Hornemann'schen Privatgarten über die Bühne - war ein voller Erfolg. »Wir hatten bei damals noch kleinem Sortiment fast 200 Euro eingenommen«, entsinnt sich Jule. Geld, dass das Trio an die Flüchtlingskinder im Telekom-Gebäude überreichen wollte.

Die Früchte fleißiger Handarbeit und kreativer Kopfarbeit können sich sehen - und natürlich kaufen - lassen.
Die Früchte fleißiger Handarbeit und kreativer Kopfarbeit können sich sehen - und natürlich kaufen - lassen. Foto: Steffen Schanz
Die Früchte fleißiger Handarbeit und kreativer Kopfarbeit können sich sehen - und natürlich kaufen - lassen.
Foto: Steffen Schanz

Indes: Die Spende durfte beziehungsweise konnten nicht angenommen werden. Da nämlich war der unheilige Bürokratius vor. Und Jule, Fabia und Kalle begriffen, dass hemdsärmelig-spontane Hilfe an behördlichen Vorschriften scheitern kann. Doch, nun? Was tun? »Um das Geld trotzdem bedürftigen Kindern zugutekommen zu lassen, haben wir an der Aktion Sternenfunkeln in der Citykirche teilgenommen und Weihnachtswünsche erfüllt.« Später waren es dann die Clowns im Dienst und das Ambulante Kinder- und Jugendhospiz, die Jahr um Jahr einen Spendenscheck erhielten und dies bis heute tun. Denn »da stehen wir voll dahinter.«

Reges Publikumsinteresse erhofft

Ob das auch für die Zukunft gilt? Prinzipiell ja. Wiewohl die Jugendlichen heute noch nicht wissen, wo für sie die Reise hingeht. Erst in diesem Sommer haben Jule Hornemann und Fabia Schmidt ihr Abitur gemacht und befinden sich nun in einer lebensläufigen Orientierungsphase. Jule liebäugelt mit einem Modedesign-Studium an der Reutlinger ESB, Fabia will »entweder BWL oder Soziale Arbeit« studieren und Elftklässler Kalle Hornemann muss noch ein bissle die Schulbank drücken, eher er sich »vermutlich im handwerklichen Bereich selbstständig« macht.

Im Augenblick freilich denken die Teenager vor allem an eines: an ihren zehnten Herbstbasar, für den sie sich reges Publikumsinteresse erhoffen. Vielleicht wird's diesmal sogar voller denn je. Warum? Weil das Trio jüngst zum Preisträger der Kreissparkassen-Jugendstiftung erkoren wurde, was der guten Sache zusätzlichen Schwung geben könnte. (GEA)