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Aktuell Bildung

In der Region werden deutlich mehr Lehrer eingstellt

Auch für das Regierungspräsidium Tübingen waren die 1.440 unbesetzten Lehrerstellen, die aufgrund eines IT-Fehlers als besetzt gegolten haben, ein Schock. Das Missgeschick wird indes nach und nach behoben: Es werden deutlich mehr Lehrer eingestellt. Davon soll die gesamte Region Neckar-Alb profitieren.

Für knapp 2.600 Schüler im Landkreis Reutlingen heißt es am Montag: Herzlich willkommen zum ersten Schultag.
Für knapp 2.600 Schüler im Landkreis Reutlingen heißt es am Montag: Herzlich willkommen zum ersten Schultag. Foto: Peter Kneffel/dpa/dpa
Für knapp 2.600 Schüler im Landkreis Reutlingen heißt es am Montag: Herzlich willkommen zum ersten Schultag.
Foto: Peter Kneffel/dpa/dpa

TÜBINGEN. »Ich leite die Abteilung für Schule und Bildung seit 19 Jahren, aber sowas habe ich noch nicht erlebt«, sagt Susanne Pacher. Für die Abteilungspräsidentin am Tübinger Regierungspräsidium (RP) war es ein Schock, als bekannt wurde, dass 1.440 Lehrerstellen in Baden-Württemberg laut IT-System zwar als besetzt galten, aber in Wahrheit fehlten. Und dann kam die Nachricht auch noch im Juli - zu einem Zeitpunkt, an dem die Einstellungsverfahren für neue Lehrer schon zum größten Teil durch sind.

Von diesen plötzlich offenen Stellen wurden dem Bezirk des RP, das neun Landkreise und darunter auch den Landkreis Reutlingen umfasst, 282,5 Stück zugewiesen: 69,5 für Grundschulen, 27 für die Sekundarstufe I und 119 für die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ). Der Rest entfällt auf die Gymnasien und die Beruflichen Schulen, in dessen Bereich weitere 54 Stellen geschaffen wurden, die bereits auf den wiedereingeführten, neunjährigen Gymnasialzug abzielen.

G9 braucht erstmal wenige Lehrer

»Da G9 nur für die Klassen 5 und 6 startet, brauchen wir erstmal weniger Lehrer«, erklärt Pacher. In fünf Jahren sei der Bedarf aber umso größer, weshalb Lehrer, die gymnasiales Lehramt studiert haben und in diesem gesonderten Stellenpool eine Anstellung finden, für die kommenden Jahre in der Sekundarstufe I eingesetzt werden - verpflichtend, bis alle Schüler flächendeckend im G9 angekommen sind. Danach wechseln sie schließlich an eine Schule, an der eine Oberstufe integriert ist. »Von diesen Stellen haben wir aber erst zwölf Stück besetzt«, gibt die Abteilungspräsidentin zu.

Dabei ist zu bedenken: Die Stellen konnten erst Mitte August ausgeschrieben werden. Wenig Zeit also, um geeignete Bewerber zu finden - weshalb die Einstellungsfrist erstmals auf den 31. Oktober verlängert wurde. In den kommenden Jahren sollen so genug Lehrkräfte eingeschult werden, dass das zusätzliche Schuljahr abgedeckt werden kann.

543 Stellen unbefristet vergeben

Insgesamt wurden knapp 150 Lehrer mehr eingestellt, als es in den vergangenen Jahren üblich war: zusammengerechnet 774. Davon sind 534 Stellen unbefristete Arbeitsverhältnisse, der Rest sind befristete Stellen. Die Neueinstellungen verteilen sich nach Schulart unterschiedlich: Von den unbefristeten 534 Stellen entfallen 182 auf den Bereich der öffentlichen Grundschulen und Primarstufen, 99 auf die Haupt- und Werkrealschulen, 65 auf die SBBZ und 58 auf die Gymnasien. An den Beruflichen Schulen konnten 130 Stellen unbefristet besetzt werden.

»Das ist eine gute Situation für die Schulen«, stellt Pacher fest. Das RP erreiche eine »nahezu hundertprozentige Abdeckung« der benötigten Lehrerstellen. Dass es nicht über hundert Prozent sind, ist kein Grund zur Sorge: »Wir sind ja noch nicht am Ende.«

Eine genaue Versorgungslage könne man erst dann bieten, wenn die Einstellungen Ende Oktober abgeschlossen sind. 42 Stellen für gymnasiale Bewerber und für den Bereich SBBZ sind indes noch offen. Insbesondere sei es wieder schwierig, Lehrer für die Landkreise Zollernalb, Alb-Donau und Reutlingen (Alb) zu finden. »Die Menschen zieht es eher in die Städte«, fasst Pacher die Lage zusammen. Mangel herrsche an Lehrkräften in den MINT-Fächern und der Informatik.

Nur ein leichter Zuwachs bei den Schülerzahlen

Die Zahl der Schüler hingegen stagniert, ähnlich wie zum Vorjahr. Das RP vermeldet lediglich einen leichten Anstieg von 0,7 Prozent, was rund 1.600 Schülern entspricht. Insgesamt werden in diesem Schuljahr knapp 239.000 Schüler unterrichtet. Auf den Landkreis Reutlingen entfallen dabei zirka 27.400 Schüler - die größte Gruppe sind die Grundschüler mit 10.520 Lernenden.

Zudem vermeldete Pacher die Einführung eines neuen Fachs: Informatik und Medienbildung. »Das war bislang in andere Fächer integriert«, so Pacher. Die aktuellen Herausforderungen - rund 60 Prozent der Schüler nutze jüngsten Zahlen nach Künstliche Intelligenz, um die Hausaufgaben erledigen zu lassen - erfordern allerdings einen stärkeren Fokus auf diesen Bereich. »Es ist eine Reaktion auf die digitale Komplexität.«

Für die frischen Gymnasiasten der Klassen 5 und 6 hatte Pacher abschließend eine gute Nachricht: »Es wird weniger Nachmittagsunterricht geben.« Da der Unterricht auf neun anstatt auf nur acht Jahre verteilt werden kann, reduziere sich auch die Stundenzahl der einzelnen Klassenstufen. (GEA)

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