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Aktuell Einsätze

Für die Reutlinger Feuerwehr werden Ampeln grün

Schon lange hatte die Feuerwehr Reutlingen den Wunsch, bei Einsätzen besser und schneller zum Brandort zu gelangen. Jetzt haben erste Einsatzwagen ein »smartes System« an Bord, das die Ampeln auf Grün schalten kann. Wie das funktioniert und wie es weitergehen soll.

Ein Feuerwehrfahrzeug fährt mit Blaulicht zu einem Einsatz. In Reutlingen kommen Löschzüge an den ersten Kreuzungen und Ampeln,
Ein Feuerwehrfahrzeug fährt mit Blaulicht zu einem Einsatz. In Reutlingen kommen Löschzüge an den ersten Kreuzungen und Ampeln, dank neuer Technik, jetzt schneller durch den Straßenverkehr. Foto: Robert Michael/dpa
Ein Feuerwehrfahrzeug fährt mit Blaulicht zu einem Einsatz. In Reutlingen kommen Löschzüge an den ersten Kreuzungen und Ampeln, dank neuer Technik, jetzt schneller durch den Straßenverkehr.
Foto: Robert Michael/dpa

REUTLINGEN. Brandalarm in Reutlingen. Die Berufsfeuerwehr rückt aus. Die Einsatzkräfte auf den roten Löschfahrzeugen wollen so schnell wie möglich zum Brandort kommen, um zu löschen. Doch bis zum Ziel sind Dutzende Kreuzungen und Ampeln zu passieren. Abgesehen vom ganz normalen Straßenverkehr. »Wir kommen wir da mit unserem Löschzug schneller und sicherer durch und ans Ziel? Wäre es nicht besser, wenn wir an allen Kreuzungen automatisch Grün hätten?« Das waren die zentralen Fragen, die sich die Feuerwehrleute stellten.

Mittlerweile ist die Vision Wirklichkeit geworden und die Einsätze laufen mit einer neuen Technik. Knappe zwei Jahre hat es gedauert: »Im November 2023 wurde bei der Feuerwehr die Planung zusammen mit der Verkehrsabteilung intensiviert. Dabei ging es insbesondere um die Frage, an welchen Kreuzungen und mit welchen Fahrzeugen begonnen werden sollte«, so die Antwort aus dem Reutlinger Rathaus.

»Wäre es nicht besser, wenn wir an allen Kreuzungen automatisch Grün hätten?«

Mittlerweile sind die ersten Ampeln und Feuerwehrfahrzeuge mit neuer Elektronik ausgerüstet. »Die Technik funktioniert jetzt auf dem Weg von der Feuerwache in der Hauffstraße zur vierspurigen B28 und weiter in Richtung Innenstadt«, erklärt Feuerwehrkommandant Stefan Hermann. Und weiter: »Die mit der neuen Technik ausgerüsteten Ampeln erkennen, wenn ein Feuerwehrfahrzeug mit der sogenannten Onboard-Unit (OBU) ausgestattet ist und es mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs ist. Genau dann, also wenn die Feuerwehr mit allen Warnsignalen unterwegs ist und das sogenannte Wegerecht einsetzt, schaltet die Ampel für den vorausfahrenden Löschzug im Einsatz auf Grün und für alle anderen Verkehrsteilnehmer auf Rot.« Die neue Ampeltechnik erkenne sogar, wenn das entsprechende Feuerwehrfahrzeug den Blinker setzt und abbiegen kann. Dann schalte die Ampel entsprechend so um, dass der Löschzug nach links oder rechts abbiegen könne.

Nur wenn am Feuerwehrfahrzeug Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet sind, funktioniert die neue Ampeltechnik in Reutlingen.
Nur wenn am Feuerwehrfahrzeug Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet sind, funktioniert die neue Ampeltechnik in Reutlingen. Foto: Patrick Seeger/dpa
Nur wenn am Feuerwehrfahrzeug Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet sind, funktioniert die neue Ampeltechnik in Reutlingen.
Foto: Patrick Seeger/dpa

Das, so der Kommandant, sei auf jeden Fall besser, als wenn sich der Löschzug im Einsatz seinen Weg durch den laufenden Verkehr bahnen muss und mitunter länger darauf warten muss, bis von den Autofahrern eine Gasse auf der Straße gebildet wurde. »Das vorausfahrende Einsatzfahrzeug macht mit der neuen Technik also den Weg frei für alle nachfolgenden Feuerwehrautos des Löschzuges«, so Hermann. Mittlerweile könnten vier Fahrzeuge so vorneweg fahren.

Für Hermann liefen die ersten Einsätze mit neuer Ampeltechnik und OBU vielversprechend: »So haben wir uns das erhofft.« Auch aus dem Rathaus kommen positive Reaktionen: »Die ersten Erfahrungen zeigen bereits deutliche Vorteile der Steuerung.« Die Ampelprogramme würden jetzt noch feinjustiert, um die Umschaltzeiten noch zu optimieren. Verbesserungen seien jedenfalls möglich. Ebenso ein Ausbau: »Die Planung sieht vor, weitere Signalanlagen im Stadtgebiet in Zusammenarbeit mit der städtischen Verkehrsabteilung aufzurüsten«, lautet die positive Prognose.

»Die ersten Erfahrungen zeigen bereits deutliche Vorteile der Steuerung«

Dies könne aber nur der Anfang sein, ist sich Feuerwehrchef Stefan Hermann sicher. »Wir sind weiterhin in Kontakt mit der Verkehrsabteilung der Stadtverwaltung und sind uns einig: Mehr Ampeln und mehr Feuerwehrautos sollen mit dieser Technik ausgerüstet werden.« Er könne sich vorstellen, dass nach der viel befahrenen B28 als Nächstes eine weitere Hauptverkehrsachse von Reutlingen so ausgerüstet wird: die Lederstraße, also die Bundesstraße B464. Wie viele weitere Ampeln im Reutlinger Stadtgebiet und Fahrzeuge der Berufsfeuerwehr aufgerüstet werden, ist noch nicht klar. Sicher ist laut Pressestelle des Rathauses: »Die Umsetzung und weitere Maßnahmen werden besprochen, sobald die Verbesserungen an den bereits umgerüsteten Anlagen abgeschlossen sind.« (GEA)