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Aktuell Begegnungsstätte

Ein Ort in Reutlingen gegen einsame Sonntagnachmittage

Das Kontaktcafé für Menschen mit psychischen Erkrankungen sucht ehrenamtliche Helfer.

Mitarbeiter-Duo: Sybille Kiefer-Kapelle (Leiterin der Tagesstätte) und Bruno Richter (Ehrenamtlicher).foto: VSP
Mitarbeiter-Duo: Sybille Kiefer-Kapelle (Leiterin der Tagesstätte) und Bruno Richter (Ehrenamtlicher). Foto: VSP
Mitarbeiter-Duo: Sybille Kiefer-Kapelle (Leiterin der Tagesstätte) und Bruno Richter (Ehrenamtlicher). Foto: VSP

REUTLINGEN. Einen neuen Blick auf den Alltag gewinnen und Menschen kennenlernen: Das bietet ein Ehrenamt im »Kontaktcafé«. Die Begegnungsstätte im Reutlinger Friedrich Naumann-Haus ist Anlaufstelle für Menschen mit psychischer Erkrankung. Um das Café regelmäßig auch sonntags öffnen zu können, sucht der Verein für Sozialpsychiatrie (VSP) zurzeit Ehrenamtliche.

Herzliche Begrüßung

»Schön, dass Du da bist!«, diesen Satz hört man in einem Café selten. Im »Kontaktcafé«, das der VSP seit fast 40 Jahren betreibt, gehört eine herzliche Begrüßung dazu. Nach mehreren Umzügen befindet es sich jetzt im Friedrich Naumann-Haus (Gustav-Werner-Straße 8).

Für Menschen, denen soziale Kontakte fehlen oder die auf eine Struktur in ihrem Tagesablauf besonders angewiesen sind, kann sich das Wochenende spätestens am Sonntagnachmittag einsam und quälend lang anfühlen. Daher wünschen sich viele Besucher zusätzlich zur Öffnung unter der Woche regelmäßig offene Türen am Sonntag. Seit einem halben Jahr können sie zumindest einmal im Monat am Sonntag ins Kontaktcafé: zum Kaffeetrinken, Kuchenessen, Austausch, Bekanntschaften knüpfen. Um das Café regelmäßig sonntagnachmittags öffnen zu können, bräuchte es jedoch mehrere Ehrenamtliche.

Derzeit ermöglicht Bruno Richter durch sein Engagement den monatlichen Sonntagsbetrieb. »Die Atmosphäre ist sehr entspannt und jeder ist hier willkommen«, sagt Richter, der an der Uni Tübingen als Promovend im Bereich Sozialpsychologie arbeitet.

Offenheit und Verständnis

Ein fachlicher Hintergrund ist für die ehrenamtliche Arbeit im Café nicht nötig. Wichtig sind hingegen Offenheit, Verständnis und die Freude am Umgang mit Menschen. Vorurteile, die mancher gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen hegen mag, würden ganz schnell abgebaut, sobald man in Kontakt kommt, sagt Richter.

»Für mich gab es hier ganz viel Therapie, alltagspraktische Übungen, die ich in dieser Form sonst nirgendwo bekomme«, sagt Birgit Eisele als Betroffene: »Hier kann man herkommen, wie man ist, ohne blöd angeguckt zu werden. Vor allem kann man viel lernen und mit in den Alltag nehmen – vom Selbstbewusstsein bis hin zur Leistungserprobung.« Mittlerweile ist Eisele nicht nur Tagesstätten-Sprecherin, sondern auch Beisitzerin im Vorstand des VSP. Aus ihrer Sicht bietet Engagement im Kontaktcafé Entschleunigung und die Chance auf einen frischen, positiveren Blick auf das eigene Leben. Der VSP unterstützt seine Ehrenamtlichen durch eine Einarbeitungsphase, regelmäßige Gespräche und Austausch untereinander. Das inklusive Projekt wird vom Land gefördert. Wer das Kontaktcafé unterstützen möchte, ist bei der Leiterin der Tagesstätte, Sybille Kiefer-Kapelle, richtig. (eg)

 

07121 384011

tagesstruktur-rt@vsp-net.de