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Aktuell Luftreinhaltung

19,2 Millionen Euro für die Reutlinger Umweltprojekte

Reutlingen und vier andere Modellstädte präsentieren in Berlin ihre Projekte für saubere Luft

Neue RSV-Flotte, kürzlich präsentiert auf dem Kreuzeicheparkplatz:  Auch das geplante Stadtbuskonzept wird vom Bund gefördert.FO
Neue RSV-Flotte, kürzlich präsentiert auf dem Kreuzeicheparkplatz: Auch das geplante Stadtbuskonzept wird vom Bund gefördert. Foto: Stadt Reutlingen
Neue RSV-Flotte, kürzlich präsentiert auf dem Kreuzeicheparkplatz: Auch das geplante Stadtbuskonzept wird vom Bund gefördert.
Foto: Stadt Reutlingen

REUTLINGEN/BERLIN. Gestern haben sich erneut die Bürgermeister der Modellstädte für saubere Luft – neben Reutlingen Mannheim, Herrenberg, Bonn und Essen – in Berlin getroffen. In Vertretung von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch, die in Urlaub ist, reiste Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz nach Berlin, um die Projektvorschläge aus der Achalmstadt zu präsentieren. Unter anderem ist ein 365-Euro-Jahresabo für den Reutlinger Stadttarif vorgesehen. Wie berichtet, will der Bund die Maßnahmen in den fünf Modellkommunen bis 2020 mit 130 Millionen Euro fördern. Für die Reutlinger Umweltprojekte gibt es 19,2 Millionen Euro.

Ticketvergünstigungen, verdichtete Takte, erweiterte Liniennetze, Radwegeausbau – so versuchen die fünf Modellstädte, den ÖPNV attraktiver zu machen und die Bürger zum Umsteigen vom Auto in Busse, Bahnen oder aufs Rad zu bewegen. Die Projekte sollen bei Erfolg auch mögliche Modelle für andere Kommunen mit hoher Luftverschmutzung sein. Den fünf Städten stehen für die schnelle Umsetzung der Verkehrsmaßnahmen Lotsen im Bundesumwelt- und Bundesverkehrsministerium mit fachlicher Expertise zur Seite, heißt es in einer Pressemitteilung beider Ministerien. Der Bund trage im Durchschnitt 95 Prozent der Gesamtkosten der Projekte.

Auch eine wissenschaftliche Begleitung ist vorgesehen – inklusive einer Auswertung, inwieweit sich die Stickstoffdioxidwerte mit den Maßnahmen senken lassen. Eine erste Zwischenbilanz zur Wirksamkeit der Modellprojekte ist für Sommer 2019 geplant.

»Wir unterstützen die Modellstädte dabei, den öffentlichen Personennahverkehr vor Ort noch attraktiver zu machen und die Luftqualität in den Innenstädten zu verbessern«, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bei dem Treffen. Neuerungen wie beispielsweise verbilligte Tickets seien Anreiz, das Auto auch mal stehen zu lassen. Mit den jetzigen Maßnahmen leiste der Staat zwar einen Beitrag zum Schutz von Umwelt und Verbrauchern, so Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Es sei aber an der Zeit, dass »die Autohersteller ihrer Verantwortung nun auch endlich gerecht werden«.

»Die Luftreinhaltung bleibt weiterhin eine Herausforderung«

»Wir freuen uns darüber, dass der Bund uns bei unseren Bemühungen unterstützt, den Umweltverbund beschleunigt voranzubringen und dadurch das Mobilitätsverhalten der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig zu verändern«, sagte Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz nach dem Treffen. Dennoch seien weitere Anstrengungen erforderlich, denn mit der Wirkung der jetzt vom Bund geförderten Projekte sei erst im Jahr 2020 zu rechnen: »Die Luftreinhaltung bleibt weiterhin eine Herausforderung, die die Städte alleine nicht meistern können.«

Weder die kommunale Verkehrspolitik noch die kurzfristig geförderten Maßnahmen von Bund und Land allein könnten Dieselfahrverbote im Jahr 2020 ausschließen, so Hotz. Alle Akteure seien gefragt – auch die Autoindustrie. »Zu einer breit angelegten Strategie gehört neben der Softwarenachrüstung eben auch die kurzfristige Hardwarenachrüstung, denn immerhin sind von einem Fahrverbot im Landkreis Reutlingen entweder 47 000 Fahrzeuge (ab Euro 5) oder 23 000 Fahrzeuge (ab Euro 4) betroffen«.

In einer ersten Projektskizze hatte sich Reutlingen auf Maßnahmen konzentriert, die – wie vom Bund gefordert – schnell umsetzbar sind und noch in diesem Jahr Wirkung zeigen. Mittlerweile ist aber klar, dass auch längerfristige Projekte gefördert werden. Deshalb wurde das neue Stadtbuskonzept und der Masterplan Radverkehr in die Liste aufgenommen. Dafür taucht beispielsweise das »Blaue Umweltpaket« nicht mehr auf: Halter von Dieselfahrzeugen schlechter als Euro 6 sollten ihren Fahrzeugschein abgeben und hätten dafür ein Gratis-Jahresabo für den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau bekommen. Nach einer Prüfung hatte der Bund aber rechtliche Bedenken, dass die Stilllegung des Diesels zu einer rechtlichen Hürde werden könnte.

Die in der Projektskizze für Reutlingen vorgeschlagenen Maßnahmen:

- Tarifpreissenkungen

Neues 365-Euro-Jahres-Abo für Erwachsene, gültig in der Wabe 220 und zusätzliche Preissenkung für Tagestickets für den gleichen Tarifbereich (um 20 Prozent Erwachsene, 31 Prozent Kinder).

- ÖPNV-Angebotsausweitung

Betriebszuschüsse für das neue Stadtbusnetz Reutlingen mit zehn neuen Buslinien, 100 neuen Haltestellen,Taktverdichtungen, Linienverlängerungen und neue Tangentiallinien. Außerdem Bau- und Anpassungsmaßnahmen zur Einführung einer neuen zentralen Nahverkehrstrasse (Gartenstraße) zwischen der Altstadt und der Oststadt sowie der Bau neuer Haltestellen.

- Förderung Radverkehr

Umwandlung der ehemaligen Honauer Bahntrasse zu einem Radschnellweg, Umgestaltung der Radhauptachse Konrad-Adenauer-Straße sowie Umbau der Hindenburgstraße zwischen Alteburgstraße und Lindachstraße zur Fahrradstraße. (GEA)

 

 

MASSNAHMEN DER ANDEREN MODELLSTÄDTE

Vergünstigte Tickets und »Micro-Hub«

Im Folgenden einige der vorgeschlagenen Maßnahmen der vier anderen Modellkommunen:

Mannheim errichtet ein »Micro-Hub«, also einen Umschlagsplatz für Logistiker. Damit werden Paketzustellungen durch E-Fahrzeuge in der Innenstadt klimaneutral.

Herrenberg setzt auf Digitalisierung. Eine dynamische Steuerung verbessert den Verkehrsfluss und damit die Vernetzung der Bereiche Verkehrsinfrastruktur und Digitales.

Bonn führt wie Reutlingen das »365-Euro-Ticket« ein. Damit können Bürger für einen Euro pro Tag auf den ÖPNV umsteigen und das Auto stehen lassen.

Essen tut das, was auch die Reutlinger machen: Das ÖPNV-Netz wird ausgebaut. Höhere Taktung von Bussen und Bahnen sorgen für kürzere Wartezeiten und bessere Anbindung. (pm)