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Straßenumzug der Narren in Reutlingen

Auf den Zunftmeisterempfang folgte der Zug durch die Stadt: 60 Gruppen mit 2 500 Teilnehmern

Narrenumzug Reutlingen
60 Gruppen und 2500 Teilnehmer begeisterten Hunderte von Zuschauern in der Reutlinger Innenstadt. Foto: Frank Pieth
60 Gruppen und 2500 Teilnehmer begeisterten Hunderte von Zuschauern in der Reutlinger Innenstadt.
Foto: Frank Pieth

REUTLINGEN. Ein lautstarkes dreifaches »Ache lau« und »Schandi Schando« gab es am Sonntagmorgen im Rathausfoyer zu hören. Das bunte Völkchen hatte sich zum Zunftmeisterempfang versammelt. Bürgermeister Robert Hahn hieß zum Auftakt des großen Fasnetumzugs »alle närrischen Narren, alle zünftigen Zunftmeister, alle tollen Tollitäten und alle prallen Prinzenpaare« willkommen.

Ein besonderer Gruß galt dem Prinzenpaar des Reutlinger Männervereins, Seiner Tollität Prinz Martin II von Schönburg und Prinzessin Marianne II von den Weser Auen, das später die Ordensverleihung vornahm. Als Ehrengäste wurden auch Michael Donth MdB und Männerverein-Urgestein Hermann Schaufler begrüßt.

Schwäbisch-alemannische Fasnet

»Einmal im Jahr haben wir eine verkehrte Welt«, sagte Hahn. »Einmal im Jahr gibt die gesamte Narrenschaft den Ton an.« Der Reiz der Fasnet sei, in eine andere Rolle schlüpfen zu können und »Dinge zu tun oder zu sagen, die man sich sonst nicht erlaubt.« Es sei schön, dass im Südwesten die schwäbisch-alemannische Fasnet hochgehalten werde, verbunden mit Prinzenpaar, Garden und Elferräten aus dem Rheinischen Karneval. Hahns Dank galt allen, die zur umfangreichen Vorbereitung der Großveranstaltung beigetragen hatten.

Bereits zum dritten Mal in Folge hatte der Männerverein Reutlingen das Fest organisiert. »Es gibt immer reichlich zu tun«, sagte der Vorsitzende Michael Frank. »S’isch et so, vorna ond henda a Bierdisch na und dr Flecka isch zu.«

Einzeln wurden die Zünfte und ihre Vertreter aufgerufen, die Ansprachen, Lieder, Gedichte über den Reutlinger Feinstaub sowie Schokolade und Schnaps als Stärkung für Frank mitgebracht hatten. Alle erhielten Mutscheln als närrischen Gruß aus Reutlingen.

Natürlich durfte auch die Ordensverleihung für besondere Verdienste nicht fehlen. Bernd Lipa, Präsident des Landesverbands württembergischer Karnevalsvereine, verlieh den Großen Verdienstorden am Bande an Hans Ott.

Pünktlich um 13.11 Uhr bewegte sich der Narrenzug mit rund 60 Gruppen und 2 500 Teilnehmern vom Gartentor aus in die Innenstadt. Die Stimmung war bestens, die Sonne setzte sich sogar gegen teilweise heftige Sturmböen durch. Entlang des Zugs standen Hunderte von Zuschauern, die Musik lockte die Anwohner an die Fenster. Vornweg marschierte die »Guggamusigg Rommdreibr Rechberghausen« in schillernden blauen Meereskostümen, deren Sound sich mit den Trommeln der »Bärafezzer Sonnenbühl« und den Glocken der »NZ Feuerteufel Gerhausen« und der weißen »Krebsfischer« des »Original Steinlachtaler Fasnetsvereins Mössingen« mischte.

Zur unverkennbaren Geräuschkulisse gehörten auch die Ratschen der »Gomaringer Käsperle« und der »Mitteleschenbacher Woldschebberer« aus Mittelfranken dazu, deren gigantisch-schaurige Wesen mit klappernden Zähnen großes Aufsehen erregten. Ganz von selbst machten die Zuschauer Platz, als die »Fasenickl« aus dem Kreis Eichstätt (Bayern) mit großem Schwung ihre Peitschen ohrenbetäubend knallen ließen.

Wie immer waren Hexen im Trend, eine wüster als die andere, die meisten mit einem stilechten Reiseigbesen. Die »Hungerberg Hexen aus Münsingen« hatten ihre Life-Musik mitgebracht und zeigten wie die »Gomaringer Schloßhexa« sportliche und laut beklatschte Pyramiden. Die vielen zotteligen Bären, Füchse, Katzen und Wölfe und die »Burghau-Goischter Wannweil« neckten die Zuschauer, verteilten aber auch Kamelle, nach denen sich vor allem die Kinder in Windeseile bückten. Ganz kleine Fasnetfans machten den Zug schon im Kinderwagen mit.

Blau-weiß aus Sonnenbühl

Etwas friedlicher ging es bei den »Brühlbärbel Mittelstadt« und den »Verhexten Kühen Esslingen« zu. Zu den vielen Gruppen, die von der Alb in die Achalmstadt gekommen waren, gehörte auch die blau-weiße Garde aus Sonnenbühl.

Über die Wilhelmstraße mündete der Zug in den Marktplatz ein, wo sich am meisten Zuschauer eingefunden hatten. Hier gab es Süßes und Deftiges und Musik der befreundeten Gesellschaft Möbelwagen aus Stuttgart. (GEA)