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Aktuell Einsatz

Großfeuer in Mittelstadt: Inhaber musste mitansehen, wie sein Betrieb abbrennt

Das T&K Reifencenter in Mittelstadt brennt komplett ab. 8.000 Reifen fangen Feuer, Gasflaschen explodieren. Zwischenzeitlich drohte ein Millionenschaden. Beim Ausbruch des Feuers ist der Inhaber im Gebäude. Dass er unverletzt bleibt, tröstet ihn nicht.

Foto: Markus Niethammer
Foto: Markus Niethammer

REUTLINGEN-MITTELSTADT. Das T&K Reifencenter war ein Lebenswerk. Mehr als 20 Jahre Arbeit hat Emil Thumm (Name geändert) in seinen Betrieb in Mittelstadt investiert. Zerstört wird er am Mittwoch innerhalb von Minuten. Der Inhaber muss alles mit ansehen. Wie sich das Feuer ausbreitet, wie mehrere Gasflaschen explodieren und wie die rund 8.000 brennenden Reifen für eine riesige Rauchsäule sorgen. Sie ist kilometerweit zu sehen. Für Dutzende Schaulustige, die auf Brücken über der B312 und auf der Wiese neben dem Gelände stehen, ist das ein spektakuläres Fotomotiv. Für Thumm ist es ein Desaster.

Mit hängenden Schultern und ausdruckslosem Blick steht er am Nachmittag auf dem Gehweg. Vor ihm die kokelnden Überreste seines Betriebs, der aus einer Montage- und einer Lagerhalle bestand. Hinter ihm läuft ein Bach aus weißem Schaum die Straße hinunter. Von oben regnet es Asche und Löschwasser, Qualm brennt in Nase und Augen. Überall wimmelt es von Einsatzkräften. Ihre Funksprüche unterbrechen hier und da das monotone Knattern der Maschinen.

Als das Feuer ausbricht, ist Thumm in der Halle, sein Sohn steht davor. Er erinnert sich wie folgt an den Beginn des Infernos: »Ein Auto stand auf der Hebebühne, weil wir Räder abmontieren wollten. Mein Vater hat sie abgeschraubt, ich habe sie entgegengenommen.« Als er sich das nächste Mal zum Auto umdreht, habe es gebrannt. Warum, das kann er sich nicht erklären. Auch Reutlingens Stadtbranddirektor Harald Herrmann nicht. Der Sohn habe rasch einen Feuerlöscher geholt. Doch schnell sei klar gewesen, dass das nicht hilft. »Wenn ein Auto brennt, dann hast du keine Chance«, sagt der Vater. Also rufen sie die Feuerwehr. Die habe jedoch ewig auf sich warten lassen.

Millionenschaden drohte

»Um 14.59 Uhr wurde die Feuerwehr Reutlingen über den Brand informiert«, sagt Herrmann. Laut Einsatzprotokoll trifft das erste Fahrzeug aus Reutlingen um 15:13 Uhr ein, das von der Freiwilligen Feuerwehr Mittelstadt soll sogar etwas früher da gewesen sein. »Schneller geht’s nicht«, betont Herrmann. Insgesamt sind rund 200 Einsatzkräfte mit mehr als 30 Fahrzeugen vor Ort, darunter die Berufsfeuerwehr Reutlingen, alle Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehren in Reutlingen sowie Polizei, DRK und Malteser.

Am Einsatzort bietet sich ihnen ein dramatischer Anblick. Das Gebäude brennt lichterloh. Die Flammen drohen auf einen Stellplatz mit rund 30 Wohnmobilen überzugreifen. Ein Millionenschaden wäre die Folge gewesen. »Zuerst haben wir geschaut, ob Menschen in Gefahr sind«, sagt Herrmann. Das sei nicht der Fall gewesen. Dann habe man eine Riegelstellung gebildet – ein Wasservorhang, der verhindert, dass sich das Feuer ausbreitet.

Eine Gefahr geht zwischenzeitlich vom Qualm aus, der teilweise nur langsam in Richtung Kreis Esslingen abzieht. Anwohner werden deshalb über die Warnapp Nina informiert, dass sie zuhause bleiben und Fenster geschlossen halten sollen. Ein Hubschrauber beobachtet den Rauch aus der Luft und sucht mit einer Wärmebildkamera nach Brandnestern auf dem Areal. Gegen 18 Uhr hat sich der meiste Qualm verzogen, die Warnung wird wieder zurückgenommen. Mit dem Brand der Firma Reiff 1995 in Reutlingen sei die Situation in Mittelstadt laut Herrmann aber nicht vergleichbar: »Damals brannten 54.000 Lkw-Reifen.«

Für die Feuerwehrleute ist der Einsatz noch lange nicht beendet. Weil Stahlträger, die das Dach der Halle befestigten, einstürzten und über den brennenden Reifen liegen, kann das Feuer nicht gelöscht werden. Mit schwerem Gerät versuchen die Einsatzkräfte die Reste vom Dach zu entfernen. Bis das Feuer komplett eingedämmt ist, könnte es bis zum Morgen dauern, so Herrmann.

Thumm hofft unterdessen, dass er gut schlafen und für einen Moment alles vergessen kann. Er will seinen Betrieb wieder aufbauen, aber das wird nicht so einfach sein. »Bis der wieder steht, dauert es vielleicht ein halbes Jahr. Wie viele Kunden ich dann noch habe, bleibt abzuwarten.« (GEA)