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Eine Wirtin, drei Jäger und ein Hase als Vorlage

Münsingens Hungerberg-Hexa erwarten zum großen Umzug mit 3 500 Hästrägern am Sonntag viele Besucher

Hungerberg-Hexen führen den Umzug am Sonntag in Münsingen an. ARCHIV-FOTO: IN
Hungerberg-Hexen führen den Umzug am Sonntag in Münsingen an. ARCHIV-FOTO: IN Foto: Maria Bloching
Hungerberg-Hexen führen den Umzug am Sonntag in Münsingen an. ARCHIV-FOTO: IN
Foto: Maria Bloching

MÜNSINGEN. Drei Jäger erlegen einen Hasen. Bekommen davon mächtig Kohldampf und ziehen mit dem frisch geschossenen Tier in eine Wirtschaft, um es dort von der Wirtin zubereiten zu lassen. Zwar dauert ein guter Hasenbraten tatsächlich eine gute Weile. Doch wird den hungrigen Jägern das Warten irgendwann zu lang. Und was sehen sie, als sie nachschauen in der Küche? Die Wirtin: die ist dabei, dem armen Tier das Fell zu rupfen, als wäre es ein Huhn oder eine Gans.

Ob was dran ist an dieser kuriosen Geschichte? Egal, sie ist jedenfalls ein klasse Stoff für die Fasnet. Mehr noch: So eine Story eignet sich hervorragend als »historischer Hintergrund«, den jede traditionelle oder auch neu gegründete Fasnetsgruppe nun mal braucht.

An die Hasenrupfer-Geschichte, durch die die Münsinger zu ihrem Spitznamen gekommen sind, haben sich auch die Münsinger Hungerberghexen erinnert, als sie vor 25 Jahren ihre junge Narrenzunft gegründet haben: Am 11.11.1994 wurde der von acht Fasnetsbegeisterten im halb protestantisch, halb katholischen Münsingen ins Leben gerufene Verein im Vereinsregister aufgenommen und zählte damals schon 23 Hästräger. Heute sind es längst über 250 Männer und Frauen in Häs und Masken und fast noch einmal so viele Mitglieder, die im Hintergrund des Vereins mitwirken, dessen Vorsitzender Winfried Leichtle aus Magolsheim ist.

Hexenmeister hat Hosen an

Zum Namenspaten des Narrenvereins, der jetzt am Sonntag quasi zum »Geburtstag« mehr als 3 500 Hästräger und Musikanten in 81 Gruppen zum großen Umzug durch die Münsinger Innenstadt erwartet – und natürlich mindestens so viele begeisterte Besucher, die trotz des auf der Alb heftigen Wintereinbruchs am Straßenrand stehen werden – wählten die Narren Münsingens Hausberg und Naherholungsgebiet, den Hungerberg. Und als Figuren natürlich Hexen mit nicht gar zu grausligen Masken, die alle geringelte Socken tragen sowie rote Röcke unter den blau-weiß gestreifte Schürzen mit an der rechten Seite verknotetem Zipfel: Nur der Hexenmeister, der hat Hosen an und den Knoten an seiner Schürze links. Er sticht also kraft Amtes aus der Masse heraus. Dennoch wird ihm meist vom »Täfelesbua« die Schau gestohlen, der auch dem um 13.30 Uhr beginnenden Umzug am Sonntag in Münsingen mit der geschnitzten Vereinstafel vorangehen wird. Seine Besonderheit: Er ist von Kopf bis Fuß halb Hex’, halb Has’. Und zu seinem kuriosen Hasen-Hexen-Outfit gehört auch noch eine Hasen-Hexen-Maske.

Ja, und dann gibt es noch einen (einzigen) Hasen in der Laufgruppe, eine Wirtin und die drei Jäger aus der Hasenrupfer-Geschichte. Erwähnenswert auch die »Hexa-Kabell«, also die vereinseigene Musikgruppe der Hungerberghexen, die sich vor 22 Jahren der Münsinger Narrengruppe angeschlossen hat. Zuvor machte sie schon als »Lombakabell« entsprechende Musik. Dem Erzählen nach gab es an Fasnet in Münsingen bereits Anfang des 19. Jahrhunderts Umzüge, doch waren sie nicht allzu gerne gesehen. In den 1950er- Jahren zog der »Paradies-Gustel« mit der Drehorgel durch die Stadt und wohl schlossen sich auch Kinder dem lustigen Zug an. (oel)