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Vor Luftverkehrs-Gipfel: Mehr Rechte bei Verspätungen?

Nach einem Sommer voller Probleme im europäischen Luftverkehr wollen Verkehrsminister aus Bund und Ländern, Flughäfen und Airlines über Verbesserungen beraten. Verbraucherschützer fordern mehr Rechte für Fluggäste.

Ein Lufthansa-Jumbo startet in Frankfurt. Foto: Boris Roessler
Ein Lufthansa-Jumbo startet in Frankfurt. Foto: Boris Roessler
Ein Lufthansa-Jumbo startet in Frankfurt. Foto: Boris Roessler

HAMBURG. Vor dem Luftfahrt-Gipfel an diesem Freitag in Hamburg haben Verbraucherschützer, Gewerkschaften und Oppositionspolitiker energische Schritte gegen zunehmende Verspätungen und lange Wartezeiten an Flughäfen gefordert. »Zu unpünktlichen Zügen und kilometerlangen Staus ist in den vergangenen Monaten noch das Chaos im Flugverkehr hinzugekommen«, sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). »So kann es nicht weitergehen.« Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) müsse die Missstände an den deutschen Flughäfen und in der Luft schnellstmöglich in den Griff bekommen. Die Verbraucher müssten ihre Rechte leichter durchsetzen können.

Nach einer Übersicht des kommerziellen Internet-Portals AirHelp sind in Deutschland seit Beginn des Jahres mehr als 14 000 Flüge ausgefallen, mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. 28,8 Prozent aller Flüge in Deutschland waren entweder verspätet oder wurden ganz gestrichen und lösten so Ansprüche der Passagiere an die Fluggesellschaften in Höhe von 823 Millionen Euro aus, heißt es in einer Mitteilung des Portals. »In diesem Jahr gab es in Europa ein Flugchaos wie nie zuvor, und deutschen Reisenden wurde der Urlaub besonders häufig vermiest«, sagte Laura Kauczynski von AirHelp.

Zu den Ursachen für die Probleme zählen überlastete Infrastruktur in der Luft und am Boden, Nachwehen der Insolvenz von Air Berlin, Streiks in verschiedenen Ländern Europas sowie mehr Gewitter und schwierige Wetterlagen. Die Gewerkschaft Verdi forderte wegen der Streiks beim Billiganbieter Ryanair entschlossenes Handeln von Bundes- und Landespolitik. »Ryanair hält sich auf mehreren Ebenen nicht an die in Deutschland geltenden Spielregeln«, sagte Vorstandsmitglied Christine Behle. »Hier ist die Politik gefragt.«

Nach einem Entwurf für die Abschlusserklärung des Treffens im Hamburger Rathaus will sich die Bundesregierung dafür einsetzen, mehr Kurzstrecken- und Zubringer-Flugverkehr auf die Schiene zu verlagern und die Anbindung der wichtigen internationalen Flughäfen an andere Verkehrsträger zu verbessern. Zudem solle der Flugverkehr stärker gebündelt und standardisiert und die Verkehrsströme so auf »Autobahnen der Lüfte« gelenkt werden, heißt es in dem Entwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Fluglotsen sollen von Sonderaufgaben entlastet und flexibler eingesetzt werden können. Das System der Sicherheitskontrollen soll auf den Prüfstand, um die Kontrollen effizienter zu gestalten.

Die Abschlusserklärung für den Luftfahrt-Gipfel wird gegenwärtig zwischen den Teilnehmern aus Politik und Wirtschaft abgestimmt und am Freitag nach dem Treffen veröffentlicht. Die Einzelheiten können sich während der Beratungen noch verändern, wie zu hören war. An dem Treffen nehmen neben dem Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Scheuer der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der Chef des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und der Deutschen Flugsicherun,g Klaus-Dieter Scheurle, der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr und der Chef des Frankfurter Flughafens, Stefan Schulte, teil.

Aus der Opposition kamen schon vor dem Gipfel kritische Anmerkungen. »Scheuer hangelt sich von Gipfel zu Gipfel«, sagte der FDP-Abgeordnete Bernd Reuther. »Ich habe auch diesmal die Befürchtung, dass durch kleinteilige Regulierungen, wie der Reduzierung von Handgepäck, das große Ganze vernachlässigt wird. Um Flugverspätungen spürbar zu mindern, nützt es nichts, wenn die Beteiligten sich gegenseitig verantwortlich machen.« (dpa)