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Aktuell Siebtechnik

Reutlinger Firma Villforth investiert Millionen

Der Reutlinger Traditionsbetrieb Villforth Siebtechnik investiert 3 Millionen Euro in eine neue Webmaschine und erhöht damit seine Kapazität. Wie die Leitung das aktuelle Geschäft bewertet und die Aussichten einschätzt.

Thomas Villforth (rechts), geschäftsführender Alleingesellschafter, und sein Sohn und Geschäftsführer Lukas Villforth schätzen d
Thomas Villforth (rechts), geschäftsführender Alleingesellschafter, und sein Sohn und Geschäftsführer Lukas Villforth schätzen die Aussichten für die Reutlinger Traditionsfirma Villforth Siebtechnik positiv ein. Foto: Pieth
Thomas Villforth (rechts), geschäftsführender Alleingesellschafter, und sein Sohn und Geschäftsführer Lukas Villforth schätzen die Aussichten für die Reutlinger Traditionsfirma Villforth Siebtechnik positiv ein.
Foto: Pieth

REUTLINGEN. Seit 1870, also seit 155 Jahren, gibt es den Betrieb in Reutlingen. Seit 1925, also seit 100 Jahren, ist sein Sitz an der Betzenriedstraße in der Ost-Stadt. In diesem Jahr sind im Traditionsunternehmen Villforth Siebtechnik wichtige Entscheidungen für die Zukunft gefallen. Thomas Villforth, 61, geschäftsführender Alleingesellschafter in vierter Generation, hat seinen Sohn Lukas Villforth, 27, im April zum weiteren Geschäftsführer berufen. Im Gespräch mit dem GEA gibt er nun eine Investition über 3 Millionen Euro für eine neue Webmaschine bekannt – und damit den Ausbau der Kapazität. Er sagt: »Ich schätze unsere Geschäftsaussichten positiv ein und setze weiter auf den Standort und meine Belegschaft in Reutlingen.«

Bei einem Rundgang durch den Betrieb zeigt Thomas Villforth die laufenden baulichen Vorbereitungen im Hinblick auf die erwartete neue Webmaschine von der Firma Jürgens aus Emsdetten (bei Münster). Im Dezember solle die Installation beginnen, erklärt er. Für März 2026 sei der Produktionsanlauf geplant. Die Anlage mit einer Webbreite von 10,90 Meter sei eine Weiterentwicklung der Maschine, die Villforth vor zehn Jahren, ebenfalls von Jürgens, gekauft habe. »Das ist die modernste und schnellste Webmaschine dieser Art«, stellt Thomas Villforth fest. Sein Sohn Lukas freut sich sichtbar und fügt hinzu: »Es ist der Maybach unter den Webmaschinen.«

11 Millionen Euro Jahresumsatz

Generell ist der Geschäftsgegenstand der Villforth Siebtechnik GmbH die Entwicklung, die Herstellung und der Vertrieb von Sieben und Geweben aller Art, insbesondere für die Papierindustrie. Dies mache etwa 80 Prozent des Geschäfts aus, weiß Thomas Villforth. Diese Siebe seien Verschleißteile von Papiermaschinen.

Im Hauptgeschäft von Villforth ist demnach die Digitalisierung Fluch und Segen zugleich. Denn grafische Papiere sind den beiden Geschäftsführern zufolge rückläufig. Dagegen explodierten Verpackungspapiere (Kartonagen) durch den elektronischen Handel. Der in vielen Nationen gestiegene Wohlstand erhöhe auch den Bedarf an Hygienepapieren. Aus Reutlingen kämen zudem Siebe für die Produktion von Spezialpapieren, zum Beispiel für Banknoten, Teebeutel, Möbel- und Fußbodenoberflächen. Das weitere Fünftel des Geschäfts entfalle auf Siebe für Anwendungen in anderen Wirtschaftszweigen (Beispiele: Lebensmittel-, Leder-, Holz- und Pulverindustrie). »Mancher Käse schmeckt ein bisschen nach unseren Sieben«, merkt der Firmeninhaber an und lacht.

In den beiden vergangenen Geschäftsjahren 2024 und 2023 habe Villforth Siebtechnik bei einer Exportquote von 50 Prozent jeweils Umsätze von 11 Millionen Euro erreicht, berichtet er. Im zu Ende gehenden Jahr 2025 könnte es ein leichtes Plus geben. Der aktuelle Auftragsbestand laste die Produktion etwa ein halbes Jahr lang aus. Dies sei im historischen Vergleich prima.

90 Beschäftigte

Das Unternehmen wirtschafte profitabel und schaffe gewöhnlich die angepeilte Umsatzrendite vor Steuern von drei bis fünf Prozent. »Unsere konservative Politik, Gewinne im Unternehmen zu belassen, hat sich ausgezahlt«, weist er auf eine Eigenkapitalquote von 80 Prozent bei einer Bilanzsumme von 6 Millionen Euro hin und ergänzt: »Mein Ziel bleibt es, diese engagierte Belegschaft gut in die Zukunft zu führen.«

Für Villforth Siebtechnik arbeiten seit Jahren ziemlich konstant 90 Menschen. »Aktuell haben wir fünf offene Stellen«, sagt Thomas Villforth. Sein Unternehmen sei daher – vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlich schwachen Situation – nicht nur mit der großen Investition antizyklisch unterwegs. Er erhalte im Übrigen regelmäßig Angebote, seine Firma zu verkaufen, erzählt er und kommentiert dazu: »Ich verkaufe doch meine Mitarbeiter nicht. Mit fast allen bin ich per du, ich liebe meinen Job.«

Allerdings habe er vor, sich allmählich aus dem Tagesgeschäft in Reutlingen zurückzuziehen »und mich mehr dem Verkauf, meiner Stärke, zu widmen und mein internationales Netzwerk zu pflegen«, kündigt der Ingenieur an. Villforth habe knapp 1.200 breit gestreute Kunden in allen Erdteilen. Sein Sohn, Wirtschaftsingenieur Lukas Villforth, solle zunehmend die Betriebsleitung in Reutlingen übernehmen. »Lukas hat schon als Kind und während seines Studiums in Karlsruhe im Betrieb mitgearbeitet und in jüngster Zeit viele unserer Produkte in wochenlanger Arbeit durch Anpassungen optimiert«, teilt Thomas Villforth stolz mit.

David gegen Goliath

Sein Unternehmen bewege sich in einem insgesamt kleinen Markt und habe weltweit einen Marktanteil von circa 5 und in Deutschland von vielleicht etwas über 20 Prozent, beantwortet er eine GEA-Frage. Die Wettbewerber seien Konzerne. »Wir sind ein kleiner Einzelkämpfer. Es ist wie David gegen Goliath. Wir leben von der Zufriedenheit unserer Kunden«, erläutert er.

Lukas Villforth will daher unbedingt die Strategie eines »lösungsorientierten Hightech-Anbieters« fortsetzen. »Was uns ausmacht: Wir verkaufen unseren Kunden Maßanzüge. Ziel ist es, unsere Risiken und die der Kunden klein zu halten, um Ausfallzeiten zu vermeiden«, verdeutlicht er. Sein Vater zieht einen Vergleich zum Automobilsport: »Unsere Siebe sind in der Papierproduktion wie die Reifen in der Formel 1. Gemessen an den auf den Sieben produzierten Papiermengen machen sie nur einen geringen Kostenanteil aus.« (GEA)