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Stößt Münsingen an seine Grenzen?

Münsinger Gemeinderat stimmt Etat mit einem Volumen von 62 Millionen Euro zu. Fraktionsvorsitzende richten Blick auf bestehende und künftige Engpässe

FOTO: FOTOLIA Foto: Gea
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MÜNSINGEN. Mit einem Volumen von knapp 62 Millionen hat der Gemeinderat Münsingen den bisher umfangreichsten Haushaltsplan verabschiedet. Die Vorstellung in der Münsinger Zehntscheuer war geprägt von großen Zahlen und der Umstellung auf die »Doppelte Buchführung in Kommunen« (Doppik). Kämmerer Jürgen Oettinger führte die Räte in einer dreistündigen Tour de Force durch die wesentlichen Positionen des 426 Seiten starken Zahlenwerks. Der Entwurf der Verwaltung wurde einstimmig angenommen, nachdem die Vorsitzenden der im Gemeinderat vertretenen Fraktionen ihre Positionen dargelegt hatten.

- SPD

Adolf Lamparter stimmte mit den anderen Fraktionschefs überein: Die Mannschaft des Kämmerers habe bei der Umstellung auf Doppik höchsten Einsatz gezeigt. Der Transparenz der Doppik zollte er Lob: »Hier wird auf einen Blick klar, wie viel Geld wir in die Hand nehmen müssen. Bisher war das immer ein bisschen versteckt.« Die im Haushalt geplanten 12,3 Millionen Euro an Investitionen zeigen Lamparter, dass die Stadt auch als Auftraggeber ein Wachstumsmotor in der Region sei. Die elf neuen Stellen bei der Stadt hält er für gerechtfertigt: »Auf die Stadt kommen immer mehr Aufgaben zu.« – »Das Ende der Fahnenstange« sieht er hier noch lange nicht erreicht.

 

- FWV

Gottlob Dangel schloss sich Lamparters Urteil über die Doppik an. »Die neue Darstellung bringt eine neue Sicht.« Trotz Zustimmung zum Entwurf zeigte er sich besorgt über die jährlich wiederkehrenden Rekordsummen. »Im Haushalt ist zu lesen, Lebensqualität hängt von Infrastruktur ab. Wohlfühlen kann man sich aber auch ohne goldene Wasserhähne«, mahnte er mehr Bescheidenheit an. »Wir dürfen nicht aufhören, zu sparen.«

- Liberale Bürger

Walter Stärk zeigte sich vom Rekordhaushalt »beeindruckt und ernüchtert« zugleich. In dem ständigen Wachstum sieht er ein »Zeichen, dass Bund und Land immer mehr Aufgaben auf die Kommunen abwälzen«. Stärk sieht auch in der besonderen Struktur der Stadt einen Grund für das stetige Wachstum des Haushaltvolumens und mahnte zu einem kritischen Blick: »Eine Flächengemeinde hat eine aufwendige Infrastruktur, kompakte Gemeinden haben es da leichter.« Trotzdem: Die hohen Investitionen in die »Schulstruktur mit breit angelegtem Bildungsangebot« seien gut angelegt.

- CDU

Die CDU habe zwar keine Änderungsanträge gestellt. Das bedeute aber nicht, dass die Fraktion mit dem Entwurf zufrieden sei. Gunter Wagler kritisierte die schleppende Realisierung von Projekten: »Wir bekommen unsere Planungen nicht mehr umgesetzt.« Ursachen sieht er in der überhitzten Konjunktur in der Baubranche. Aber auch darin, dass die Verwaltung schlicht überlastet sei: »Die Verwaltung soll mit der Mitarbeiterzahl von 2010 das Dreifache der Investitionstätigkeit bewältigen.« Kritik setzte es daher an der Personalpolitik: Zwei Stellen in den Kernressorts Kämmerei und Bauamt seien innerhalb eines Jahres nicht besetzt, »ja nicht einmal ausgeschrieben worden«. (wu)