Logo
Aktuell Gesellschaft

Nichts los in Hausen? Doch, der Bürgerverein ist seit 21 Jahren aktiv

Viel scheint im 240-Einwohner-Ort Hausen nicht los zu sein. Stimmt nicht: Es gibt Feuerwehr, Kindergarten, Kirchengemeinde, Ortschaftsrat. Und den Bürgerverein, der seit 21 Jahren Veranstaltungen im kleinen Trochtelfinger Stadtteil und mehr organisiert.

Längst den Kindertagen und dem Jugendraum entwachsen: Die Nutzer von damals benötigen den Jugendtreff nicht mehr, für dessen Umb
Längst den Kindertagen und dem Jugendraum entwachsen: Die Nutzer von damals benötigen den Jugendtreff nicht mehr, für dessen Umbau der Bürgerverein Hausen als Trägerverein Verantwortung übernahm. Foto: Joachim Baier
Längst den Kindertagen und dem Jugendraum entwachsen: Die Nutzer von damals benötigen den Jugendtreff nicht mehr, für dessen Umbau der Bürgerverein Hausen als Trägerverein Verantwortung übernahm.
Foto: Joachim Baier

TROCHTELFINGEN. Hausen an der Lauchert hatte und hat so einiges zu bieten. Sehenswürdigkeiten wie den Bröller, die Hausemer Karsthöhle. Gasthäuser. Heute nicht mehr so viele wie einst. Bis 1988 gab's eine Molke. 1971 wurde ein Skilift gebaut - der allerdings liegt brach. Die Feuerwehr tut nach wie vor ihren Dienst. Schule gibt's freilich keine mehr. Und auch Musik- und Turnverein sind Geschichte. In Hausen scheint die Welt stillzustehen - und tut es doch nicht. Denn es gibt seit 2004 wieder einen Verein, der sich ums Sozialleben der circa 240 »Hausemer« kümmert. Im Jahr 2000 initiierte der frühere Ortsvorsteher einen gleichnamigen Arbeitskreis, aus dem bei der Gründungsversammlung am 13. November 2004 der Bürgerverein Hausen hervorging. Erster neu gegründeter und einziger Verein in Hausen, nachdem sich auch der Turnverein in den Nachkriegsjahren aufgelöst hatte.

Auch Skiausfahrten hat der Bürgerverein Hausen organisiert.
Auch Skiausfahrten hat der Bürgerverein Hausen organisiert. Foto: privat
Auch Skiausfahrten hat der Bürgerverein Hausen organisiert.
Foto: privat

Das spricht für Beständigkeit: Vorsitzender des Vereins ist von Beginn an Klaus Klaiber. Der Schriftführer Martin Tschöpe ist ebenfalls seit 2004 als solcher an Bord. 36 Gründungsmitglieder hatte der Bürgerverein, das sind 15 Prozent der Hausener. Gemeinsamkeit und neue Erlebnisse initiieren, Interesse für kulturelle und soziale Belange wecken, gemeinsame Aktivitäten fördern: Hehre Ziele, mit denen die Vereinsgründer angetreten sind. Und sie haben es ziemlich zügig krachen lassen, wollten etwas für Daheimgebliebene anbieten am ersten Sommerferienwochenende, wenn kaum noch ein Festle auf der Alb stattfindet: Eine zweitägige Hockete wurde auf die Beine gestellt, mit Festzelt und allem Pipapo. Für die Bürgervereinler freilich blieb's nicht bei zwei Tagen: Eine Woche rund um den Dorfhock waren sie mit Auf- und Abbau beschäftigt. Ein Hock schien ihnen später zu aufwendig. So wurde mit einem Herbstfest in der Mehrzweckhalle eine neue Idee entwickelt. Zunächst gab's Most und Schmalzbrot, dann wurde Rebensaft ausgeschenkt: Wein statt gepresstes Streuobst. Allerdings wurde im vergangenen Jahr auch wieder die Hockete neu belegt, light, mit Musik unter freiem Himmel, als Open-Air-Frühschoppen. Ziel ist es, Herbstfest und Hockete light im Wechsel auf die Beine zu stellen - oder vielleicht auch jedes Jahr, sagt Klaus Klaiber.

Die Wiwnterwanderung lässt der Bürgerverein am offenen Feuer ausklingen.
Die Wiwnterwanderung lässt der Bürgerverein am offenen Feuer ausklingen. Foto: privat
Die Wiwnterwanderung lässt der Bürgerverein am offenen Feuer ausklingen.
Foto: privat

Auch im Winter gibt's Unternehmungen: 2009 fand zum ersten Mal eine Dreikönigswanderung statt, zum Abschluss kommen alle am offenen Feuer bei Glühwein, Punsch und Berlinern zusammen. Die Teilnehmerzahl stagniert momentan etwas, hat sich bei 15 bis 20 Mitwanderern eingependelt. Vor Jahren gab es auch Skiausfahrten, da war der Bus dann tatsächlich voll, selbst so eine Tour anzubieten, darauf verzichtet der Bürgerverein, beteiligt sich an den Veranstaltungen des Albvereins Mägerkingen-Hausen-Mariaberg. An Fronleichnam wird eine Radausfahrt organisiert, immer ein Rundkurs, immer wechselnde Ziele, immer mit Besichtigungen, wenn's sich anbietet, und Einkehrschwung. Es gab Diavorträge und Filmabende, die Buchpräsentation von Achim Österles Hausen-Werk hat der Bürgerverein ausgerichtet, eine Hinweistafel zum Bröller aufgestellt, lädt zur Adventsfeier ein.

Nach der Radtour an Fronleichnam lassen die Teilnehmer den Ausflug gemütlich ausklingen.
Nach der Radtour an Fronleichnam lassen die Teilnehmer den Ausflug gemütlich ausklingen. Foto: privat
Nach der Radtour an Fronleichnam lassen die Teilnehmer den Ausflug gemütlich ausklingen.
Foto: privat

Einschlafen lassen wollen die Hausener den Bürgerverein nicht, aber wie überall laufen auch hier die jungen Leute nicht gerade die Vereinstüren ein, um mitzumachen. Die wollte der Bürgerverein allerdings gleich nach der Gründung mit in den Blick nehmen. Damals war der Plan entstanden, im ehemaligen Backraum des Rathauses einen Jugendtreff einzurichten. Der Verein »ist als Trägerverein in die Bresche gesprungen«, sagt Klaus Klaiber, erhielt grünes Licht vom Stadtrat, Geld aus der Stadtkasse und einen Zuschuss aus dem Förderprogramm des Landes »der Jugend Räume schaffen«. Die Mitglieder ackerten, viele ehrenamtliche Arbeitsstunden kamen da zusammen, die Jugendlichen taten ebenfalls mit. Und sie stemmten das Projekt: Am 30. April 2006 wurde der Treff mit rund 45 Quadratmetern, ausgestattet mit Bar, Sanitärbereich, Hinterzimmer für den Tischkicker und einem abschließbaren kleinen Getränkelager, eingeweiht. Zehn Jahre lief der Betrieb im Jugendraum, dann wurde die Zielgruppen-Generation flügge. Der neue Nachwuchs, der in Hausen zur Welt kommt - seit etwa fünf Jahren steigt die Geburtenrate -, ist noch nicht alt genug, um einzuziehen. Aber vielleicht gibt's in ein paar Jahren frischen Wind im Jugendtreff.

2024 hat der Bürgerverein einen Open-Air-Frühschoppen organisiert.
2024 hat der Bürgerverein einen Open-Air-Frühschoppen organisiert. Foto: privat
2024 hat der Bürgerverein einen Open-Air-Frühschoppen organisiert.
Foto: privat

Geld, das der Bürgerverein eingenommen hat, hat er zum Beispiel in Besteck investiert, das in der Küche der Mehrzweckhalle zur Verfügung steht. Er hat eine Liegebank gesponsert. Er hat beim Kindergartenjubiläum bewirtet, der Erlös ging an die Einrichtung. Um die 100 Mitglieder hat der Bürgerverein heute. Dabei sind »die Akteure immer die gleichen«, sagt Martin Tschöpe. Und die machen noch weiter, wenn man sie braucht, unterstützen auch die Feuerwehr, beteiligen sich am Sommerferienprogramm und der Markungsputzete. Aber der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 57 Jahren - »wir brauchen junge Leute, die das Ruder übernehmen und mit neuen Ideen weitermachen«, sagen die Vorstandsmitglieder. »Wir wollen für den Ort weitermachen, damit es gesellige Anlässe gibt«, bei denen man sich treffen und schwätzen kann, sagt der zweite Vorsitzende Mike Wolf. »Wir sind offen für jedermann«, sagt Klaus Klaiber, der sich in die Dorfgemeinschaft einbringen will. Ein wenig ist die Aufbruchstimmung von 2004 verpufft, aber noch nicht versiegt. »Ohne Vereine wäre die Gesellschaft viel ärmer«, sagt Martin Tschöpe. Und in Hausen wäre ohne Bürgerverein viel weniger los. (GEA)