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Aktuell Kirche

Ganz Ohr bei den Leuten

Das Dekanat Reutlingen-Zwiefalten hat eine Umfrage in Auftrag gegeben. Hayinger geben Antworten

Wie geht es weiter mit der Kirche? Die Gemeinden im Steinlachtal suchen ihren Weg.
Foto: dpa
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HAYINGEN/ZWIEFALTEN. Der Prozess »Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten« der Diözese Rottenburg-Stuttgart fordert die Kirchengemeinden auf, sich die Lebenswirklichkeiten der Menschen bewusst anzuschauen. Das Dekanat Reutlingen-Zwiefalten hat dazu eine Regionalanalyse beauftragt, die in Kooperation mit der Akademie Junges Land durchgeführt wurde. Eine Gruppe Studierender hat die Bevölkerung in Hayingen, Pfronstetten und Aichelau der Seelsorgeeinheit Zwiefalten befragt.

Die jungen Leute waren dabei fünf Tage lang mittendrin im Geschehen. Das heißt: Vom Projektbüro im Stadtkern von Hayingen aus wurden rund 300 Gespräche mit Jugendlichen, Erwachsenen, beliebigen Passanten, Gruppen, Vereinen und öffentlichen Vertretern geführt. Außerdem gab es eine Malaktion an der Grundschule.

Der Dekanatsrat hat sich jetzt mit den vorläufigen Ergebnissen beschäftigt, eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Analyse ist noch in Arbeit. Erste Erkenntnisse: Es gibt eine hoch ausgeprägte regionale Identität, große Zufriedenheit und eine gute Vereinsstruktur. Gleichzeitig sind auch eine Reihe von Herausforderungen zu sehen, die an die Kirchengemeinde und kommunale Gemeinde adressiert werden. Die Jugendlichen vermissen offene Treffpunkte, Mädchen finden weniger Möglichkeiten für sich, die Vereinsangebote decken nicht alle Interessen ab.

In der Kirche sind außerhalb fester Veranstaltungen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht mehr beheimatet, sodass eine lebendige Begegnung innerhalb der Kirchengemeinde schwierig geworden ist. Im ehrenamtlichen Engagement gibt es vielfach eine alte Rollenverteilung, die von jungen Erwachsenen so nicht mehr mitgetragen wird.

Arbeiten an der Vernetzung

Diese Entwicklung sieht Dekan Hermann Friedl mit großer Besorgnis. Kirche müsse durch glaubhaftes Auftreten auch außerhalb der fixen Kirchenmauern wieder neues Vertrauen gewinnen, die Erwartungen heutiger Menschen ernst nehmen und auch über den eigenen Schatten springen. Dazu brauche es Menschen, die innerlich für die Sache Jesu brennen und so ein spirituelles Feuer entfachen, dem konkrete Taten folgen.

Das Prozessteam der Seelsorgeeinheit greift die Ansätze auf und möchte konkret an der Vernetzung zwischen den Kirchengemeinden und mit der kommunalen Gemeinde arbeiten. Die Bürgermeister, Kevin Dorner, Hayingen, und Reinhold Teufel, Pfronstetten, wollen den Prozess mit ihren Kommunen unterstützen.

Begegnung schaffen, Lebenswirklichkeiten verstehen und respektieren, und aus dieser Perspektive gemeinsame Ziele entwickeln ist ein Auftrag für die »Kirche an vielen Orten«. (GEA)