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Aktuell Jubiläum

Buttenhausen feiert seine 750-jährige Dorfgeschichte

Vor 750 Jahren wurde Buttenhausen zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Das Ortsjubiläum soll vom 12. bis 14. September mit einem bunten Programm gefeiert werden.

Arbeitsgruppen haben die Feierlichkeiten zum 750-Jahr-Jubiläum von Buttenhausen vorbereitet: Sybille Zoels (von links), Christel
Arbeitsgruppen haben die Feierlichkeiten zum 750-Jahr-Jubiläum von Buttenhausen vorbereitet: Sybille Zoels (von links), Christel Schneider, Heiner Mayer und Ortsvorsteherin Bettina Last. Foto: Maria Bloching
Arbeitsgruppen haben die Feierlichkeiten zum 750-Jahr-Jubiläum von Buttenhausen vorbereitet: Sybille Zoels (von links), Christel Schneider, Heiner Mayer und Ortsvorsteherin Bettina Last.
Foto: Maria Bloching

BUTTENHAUSEN. Südlich von Münsingen liegt mitten im landschaftlich schönen Lautertal der Ort Buttenhausen mit heute rund 500 Einwohnern. Er hat eine bewegte und bewegende Geschichte in den 750 Jahren seines Bestehens hinter sich. Die unterschiedlichen Facetten dieser Historie haben das Leben der Menschen hier nachhaltig geprägt. Im Ort wohnten Ritter und Adlige, Juden und Christen, es gab Handwerk, Handel, Dienstleistung und eine sogenannte Bewahranstalt. Der Ort ging durch die Hände mehrerer Grafschaften und Kommunen, wurde immer wieder verkauft oder getauscht. Es gab eine Burg und zwei Schlösser, eine Synagoge und zwei Kirchen, mehrere Friedhöfe und Schulen.

Den Gasthaus Adler gibt es heute noch in Buttenhausen.
Den Gasthaus Adler gibt es heute noch in Buttenhausen. Foto: Privat
Den Gasthaus Adler gibt es heute noch in Buttenhausen.
Foto: Privat

Buttenhausen ist wohl noch deutlich älter als 750 Jahre, Wasserreichtum und die Lage am Ausgang des Seitentals ließen hier früh ein Bauerndorf entstehen, dessen Anfänge vermutlich in der Alemannenzeit liegen. Davon zeugen mehrere Grabhügel aus der Bronzezeit. Einschneidend in der Geschichte war die Ansiedlung einer jüdischen Gemeinde, die auf den Erlass eines »Judenschutzbriefes« durch Philipp Freiherr von Liebenstein im Juli 1787 zurückgeht. Der reichsritterliche Ort gehörte damals weder zur Grafschaft noch zum späteren Herzogtum Württemberg. So konnte Liebenstein zunächst 25 jüdischen Familien die Ansiedlung rechts der Lauter erlauben. In den folgenden Jahrzehnten kamen immer mehr Juden nach Buttenhausen, sodass Mitte des 19. Jahrhunderts – in der Blütezeit der jüdischen Landgemeinde - rund die Hälfte der etwa 800 Einwohner jüdisch war.

Eineinhalb Jahrhunderte lebten Juden gemeinsam mit Christen in dem kleinen Albdorf, das ein kultureller und wirtschaftlicher Mittelpunkt der Region war. Als Händler und Unternehmer brachten Juden einen gewissen Wohlstand und technische Neuerungen in den Ort. Dem bereitete die Machtergreifung der Nationalsozialisten ein Ende, sie zerstörten die jüdisch-christlichen Gemeinsamkeiten. Wer nicht auswanderte, wurde in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Kein jüdischer Buttenhausener kehrte nach 1945 ins Lautertal zurück. Heute sind noch zahlreiche Spuren jüdischen Lebens sichtbar: der jüdische Friedhof mit zahlreichen Gräbern, die ehemalige Bernheimer'sche Realschule, die nach dem Willen des Stifters für Kinder beider Religionen offenstehen sollte und in der heute das Jüdische Museum untergebracht ist, die frühere Volksschule, die jüdische und christliche Schüler unter einem Dach vereinte. Dank einer fortdauernden Erinnerungsarbeit können Interessierte diesen Spuren im Rahmen eines Ortsrundgangs nachgehen.

Eine Fotoausstellung zeigt Bilder aus vergangenen Zeiten.
Eine Fotoausstellung zeigt Bilder aus vergangenen Zeiten. Foto: Privat
Eine Fotoausstellung zeigt Bilder aus vergangenen Zeiten.
Foto: Privat

Buttenhausen ist zum Museumsdorf geworden, das außerdem seinem berühmten Sohn Matthias Erzberger mit einer Erinnerungsstätte im Geburtshaus des Zentrumspolitikers gedenkt. Auch die Visionen des Flugradbauers Gustav Mesmer sind hier entstanden. Die frühere Ortsvorsteherin Sybille Zoels ist dabei, die Geschichte Buttenhausens aufzuarbeiten, sie will diese nun anlässlich des Jubiläums einem interessierten Publikum näherbringen. In einer Ausstellung im Sportheim zeigt sie Fotos aus vielen Jahrzehnten. Zoels gehört zu den vielen Engagierten, die sich in Arbeitsgruppen zusammengefunden haben, um die Jubiläumsfeier vom 12. bis 14. September auf die Beine zu stellen. »Buttenhausen ist mit keinem Dorf im Lautertal zu vergleichen. Es gab einen steten Wechsel in der Bürgerschaft durch Zu- und Wegzug, das hat die Dorfgemeinschaft ständig verändert und geprägt.« Darüber hinaus wohnten in der Einrichtung der BruderhausDiakonie bis zu 300 psychisch kranke Menschen und Menschen mit Behinderungen, mit denen es immer wieder Berührungspunkte gab.

Durch die Deportation der Juden habe es viele leere Häuser gegeben, manche davon wurden geplündert. Dass aber selbst heute noch Historiker bei Rundgängen davon sprechen, über Generationen hinweg hätten Buttenhausener auf Teppichen ehemaliger jüdischer Mitbürger gesessen, entbehre jeglicher Grundlage. Heiner Mayer wehrt sich gegen diesen Generalverdacht: »Natürlich hat es in Buttenhausen wie in jedem Ort Nazis gegeben, die sich am Leid der Juden bereicherten. Aber dies zu verallgemeinern ist einfach nicht richtig.«

Für Ortsvorsteherin Bettina Last ist es wichtig, dass der Ort und seine Einwohnerschaft zur bewegten Historie stehen, dass aber der Blick nicht nur in die Vergangenheit gerichtet wird, sondern auch in die Zukunft. »Wir haben sehr viele leerstehende Häuser und müssen uns bemühen, dass der Ortskern lebendig bleibt.« Auch die Infrastruktur gelte es zu verbessern, zumindest aber zu erhalten. Umso wichtiger sei dieses Jubiläumsfest: »Das soll ein Fest von und für Buttenhausener sein. Wir wollen die Menschen zusammenbringen und Möglichkeiten für Begegnungen schaffen.« Alle sieben örtlichen Vereine beteiligen sich an den Feierlichkeiten, die ein buntes Programm bieten. Darunter eine Lichtkunst-Projektion zum Motto »Miteinander Füreinander« des Künstlerduos Detlef Hartung und Georg Trenz als künstlerische Performance, die die Geschichte Buttenhausens würdigt und erlebbar macht. (GEA)

Festprogramm:

Freitag, 12. September: 18.30 Uhr Dämmerschoppen im Zelt bei der Sportanlage; 20 Uhr bis 24 Uhr Interaktive Lichtkunst-Projektion der Künstler Hartung I Trenz Welten »Miteinander Füreinander«; 21 Uhr Partyabend Laut an der Lauter mit DJ Brause und Barbetrieb.

Samstag, 13. September: 15 Uhr Fotoausstellung im Erdgeschoss der Bernheimerschen Realschule bis zum Festende; 15.30 Uhr "Das Rittergut der Freifrau Frederica von Liebenstein und ihr diakonisches Testament" mit der Theatergruppe "einzigartig" der BruderhausDiakonie in der Bernheimerschen Realschule; 17 Uhr Eröffnung der Feierlichkeiten im Festzelt mit Festansprache von Bürgermeister Mike Münzing, Grußworten von Ortsvorsteherin Bettina Last und Ausführungen zur Geschichte Buttenhausens von Sybille Zoels; 19 Uhr Kabarettistische Einlage "LauterNachrichten" von Udo Schmid und Gesang vom Projektchor; 20.15 Uhr Interaktive Lichtkunst-Projektion der Künstler Hartung I Trenz Welten "Miteinander Füreinander" bis 24 Uhr; 21 Uhr Musik und Tanz mit Gerhard & Friends sowie Barbetrieb.

Sonntag, 14. September: 9.15 Uhr Gottesdienst in der Michaelskirche; 10.30 Uhr Geschichtlicher Rundgang durch Buttenhausen sowie Frühschoppen; 11 Uhr Living Museum mit Gustav Mesmers Kunst bis 16.30 Uhr; 11.30 Uhr Mittagessen im Festzelt mit musikalischer Unterhaltung von Alb7; 13 Uhr Kaffee und Kuchen sowie »Historische Bilder Buttenhausens« mit Sybille Zoels in der Bernheimerschen Realschule. (in)