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Wilhelm-Hauff-Realschule feiert ihr 50-jähriges Bestehen

Mit einem großen Festakt feierte die Wilhelm-Hauff-Realschule ihr 50-jähriges Bestehen in den Pfullinger Hallen

Lehrerinnen erinnerten an einen Schulprotest im Jahr 1971. Foto: Gabriele Böhm
Lehrerinnen erinnerten an einen Schulprotest im Jahr 1971.
Foto: Gabriele Böhm

PFULLINGEN. »Die WHR ist eine sehr gute Schule.« Was Schüler, Eltern und Lehrer schon lange wissen, ist jetzt auch wissenschaftlich belegt. Der Vortrag von Prof. Dr. Thorsten Bohl war Teil des Festabends zum 50-jährigen Bestehen der Wilhelm-Hauff-Realschule. Unter den sehr zahlreich erschienenen Gästen in den Pfullinger Hallen waren am Donnerstagabend Landtagsabgeordneter Thomas Poreski, Dekan Hermann Friedl und der frühere Bürgermeister Rudolf Heß. Die Moderation übernahmen die Schülerinnen Lea-Maria Brändle und Jule Glück.

Bürgermeister Michael Schrenk überbrachte die Glückwünsche der Stadt und erinnerte in seinem Rückblick an das Jahr 1977, als die Schule ihren heutigen Namen erhielt. Zuvor sei »Echazschule« im Gespräch gewesen, wobei die Schule selbst am liebsten die schlichte Bezeichnung »Realschule« beibehalten hätte. Schrenk regte an, ein Bildnis von Wilhelm Hauff in der Schule aufzuhängen.

Mit Taustücken wurde die funktionierende »Seilschaft« zum Ausdruck gebracht. Foto: Gabriele Böhm
Mit Taustücken wurde die funktionierende »Seilschaft« zum Ausdruck gebracht.
Foto: Gabriele Böhm
»Es freut mich, dass wir Eltern eine feste Säule im Schulalltag sind«

»Man sollte nie versäumen, in die WHR zu schauen«, sagte Bernd Sitzler vom Schulamt mit einem abgewandelten Zitat von Hauff. »Es wird dort mit stabilen Wurzeln gearbeitet, um den Schülerinnen und Schülern Halt zu geben, aber trotzdem flexibel zu bleiben.« Als Amt sei es eine Freude, die Schule zu begleiten, die sowohl bilingualen Unterricht (Bili) als auch Lernangebote (LeA) anbiete. Lehrermangel, neue Abschlussprüfungsformate und Veränderungen in der Zusammensetzung der Schülerschaft seien Herausforderungen.

Hans-Anton Maier von pro juventa betonte die gute Zusammenarbeit. »Wir fühlen uns zugehörig und brauchen uns gegenseitig.« Von Anfang an habe die Schule der Jugendhilfegesellschaft den »roten Teppich« ausgerollt. Die Spannbreite der Schülercharaktere sei enorm. »Dem müssen wir gerecht werden.«

»Es freut mich, dass wir Eltern eine feste Säule im Schulalltag sind«, sagte die Elternbeiratsvorsitzende Yvonne Hagmaier. »Ich wünsche mir weiterhin diese kooperative Arbeit, um einen Ort zu schaffen, an dem Lernen Spaß machen kann.« Man lerne lebenslang, aber der Grundstein dafür werde in der Schule gelegt. Sie verwies auf das Schulfest am 24. Juli im Rahmen des Jubiläums.

»Der Abschied fällt mir schwer«, sagte Schulsprecher Marco Winder, dessen Schulzeit demnächst endet. Er habe vor allem in der Bläserklasse viele Freunde gefunden. »Musizieren schafft Gemeinschaft.« Auch Schulsprecherin Alea Onnembo sprach von der »freundlichen Atmosphäre« an der Schule, an der viele Kulturen zusammen lernen könnten und an der man sich gegen Diskriminierung zur Wehr setze.

Lehrerinnen erinnerten an einen Schulprotest im Jahr 1971, mit Taustücken wurde die funktionierende »Seilschaft« zum Ausdruck ge
Sänger Marko Budja lieferte eine mitreißende Rock ’n’ Roll-Einlage beim Festakt in den Pfullinger Hallen. Foto: Gabriele Böhm
Sänger Marko Budja lieferte eine mitreißende Rock ’n’ Roll-Einlage beim Festakt in den Pfullinger Hallen.
Foto: Gabriele Böhm

In einer Spielszene griffen Lehrerinnen die »rebellische« Seite der Schule auf. So gab es 1971 den Protest »Gläserne Schule« der Lehrer gegen die Verleumdung, »faul« zu sein. Im selben Jahr streikte die SMV gegen die Preiserhöhung bei Brezeln auf 20 Pfennig. 2003 gab es eine Demo gegen den Sudankrieg, am 9. November 2018 gegen Hass, Hetze und Rassismus.

In den »WHR-News« wurde unter anderem der Einsatz der Schüler für einen Bolzplatz oder der lange Weg zum Doppelstundenmodell thematisiert.

Schulleiter Jochen Wandel, der schon vor seiner Ansprache Applaus erhielt, verglich die WHR mit einem Segelschiff, das mit den Kindern die »denkbar kostbarste Fracht« an Bord habe. »Wir umsegeln die Untiefen des G-Niveaus, haben gehörigen Respekt vor den Strömungen der Inklusion und bieten einen ständig erweiterten Bordservice an«, sagte er.

Man versorge diejenigen Kinder gut, die »munter auf den Planken turnen können«, aber auch alle, die »fast seekrank« seien. Ohne ein Kollegium, das diesen Kurs mitsegle und ohne durchdachtes Konzept hätte man »längst die Rettungsboote klarmachen« müssen. Man brauche kräftige Segel des Schulamts, stabile Masten vom Schulträger, verlässliche Leuchtfeuer vom Kultusministerium, Eltern in einer konstruktiven Erziehungspartnerschaft, viele anpackende Helfer und mutige Visionäre. Als Symbol für diese »Seilschaft«, die an einem Strang ziehe, erhielten die Vertreter der Institutionen und Gruppierungen ein Stück Tau.

»Die WHR ist attraktiv für engagierte Lehrer«

In seinem Festvortrag »50 Jahre Schulforschung – und was bedeutet das für die WHR?« griff Professor Dr. Thorsten Bohl, der die WHR als eine der größten Realschulen des Landes seit vielen Jahren begleitet, vier Aspekte auf. »Immer wieder ist das ein-, zwei- oder dreigliedrige Schulsystem in der Diskussion«, so der Experte. Jedes habe Vor-und Nachteile. »Die WHR hat Formate aus unterschiedlichen Systemen aufgegriffen und die Strukturfrage souverän gelöst.« Die Schule sei »gewappnet für alle denkbaren Schulsysteme der nächsten Zeit.«

Charakteristisch für die WHR sei ein hoher Anspruch an die Schülerschaft bei gleichzeitiger Sorge, dass das Pensum auch erreicht werden könne. Dies werde unter anderem durch eine »geordnete Lernatmosphäre« und die professionelle Kooperation mit dem Kollegium erreicht. Freiarbeit, LeA, Methodentraining, der AK Schulentwicklung, die Offenheit für Referenten von außen und wissenschaftlichen Input zeigten, dass bei einer hohen Reflexion »die Entwicklungsprozesse auf insgesamt sehr hohem Niveau qualitätvoll und umsichtig gestaltet« würden. Mit Blick auf das Personal hielt Bohl fest: »Die WHR ist attraktiv für engagierte Lehrer und weniger geeignet für solche, die es ruhig angehen lassen.« Sein Fazit: »Die WHR ist eine sehr gute Schule.«

Dies nahm auch der WHR-Song auf, den der Schüler- und Lehrerchor zusammen sangen. Musikalisch wurde das Publikum sehr verwöhnt. So begeisterte das virtuose Spiel von Hannah Blind auf ihrer Blockflöte und der wunderschöne Beitrag der Schwestern Galina und Zina Dabidova an Violine und Klavier. Satten Rock 'n' Roll gab es von Marko Budja. (GEA)