PFULLINGEN. Vor vier Jahren, am 1. August 2021, hat Pfullingens Bürgermeister Stefan Wörner sein Amt angetreten - die Hälfte seiner Amtszeit herum. Grund genug für den GEA bei Wörner einmal nachzufragen, wie es ihm bisher so als Rathauschef ergangen ist, wie es um verschiedenste Pfullinger Projekte steht und was er sich für die 2030er-Jahre für die Echazstadt wünscht. Denn: Wörner hat schon verraten, dass er sich für eine zweite Amtszeit aufstellen lassen möchte.
GEA: Herr Wörner, die Hälfte Ihrer Amtszeit ist herum. Sind Sie mit diesen vier Jahren zufrieden?
Stefan Wörner: Ich bin sehr zufrieden. Die Jahre sind, wenn ich so zurückdenke, wie im Fluge vergangen. Ich kann es selbst kaum glauben, aber wenn man detaillierter zurückblickt, dann hat sich über diese Zeit doch einiges verändert. Meine Amtseinsetzung und die Anfangsmonate waren noch während Corona, das war schon ein komisches Gefühl. Als wieder Normalität einkehrte, kam der Krieg Russlands gegen die Ukraine und durch ihn viele Flüchtlinge auch zu uns nach Pfullingen. In der Folge des Krieges haben uns die steigenden Energiekosten als Kommune stark gefordert. Trotzdem, glaube ich, ist es uns allen gemeinsam gelungen, einiges zu überstehen und Neues in Bewegung zu setzen. Da bin ich auch auf uns als Team, bestehend aus Bürgerschaft, Gemeinderat und der gesamten Stadtverwaltung mitsamt ihrer Einrichtungen, stolz.
Glauben Sie, dass die Pfullingerinnen und Pfullinger mit Ihrer Arbeit zufrieden sind?
Wörner: Ich hoffe, dass sie zufrieden sind. Ich gebe jedenfalls mein Bestes, dass es so ist. Ich weiß aber auch, dass ich es nicht allen recht machen kann. Demokratie lebt ja auch davon, dass Minderheiten Mehrheitsentscheidungen akzeptieren. Ich kann verstehen, wenn der ein oder andere auch mal enttäuscht ist. Ein Spruch, den ich gerne sage, lautet: »Es geht nicht immer alles und das schon gar nicht immer gleich.« Ich glaube, dass die allgemeine Stimmung schon positiv ist, das bekomme ich so auch meistens zurückgemeldet.
»Wir machen aus der Situation alle gemeinsam das Beste«
Gibts es in Ihrem Arbeitsalltag ernüchternde Momente?
Wörner: Solche Tage gibt es sicher in jedem Beruf. Aber die überwiegen bei mir auf keinen Fall. Ich habe eine optimistische Grundeinstellung, die ernüchternde Momente auch schnell wieder erhellt. Ich glaube, dass wir aus jedem Tief auch einen Nutzen ziehen konnten. Ein Beispiel: Als die Flüchtlingswelle kam, haben wir schnell einen Krisenstab eingerichtet und die Schönberghalle als Unterbringung hergerichtet. Da haben natürlich nicht alle »Hurra« geschrien. Zeitgleich haben wir aber auch riesigen Rückhalt aus der Bürgerschaft und aus den Vereinen erhalten und konnten wirklich Gutes bewirken. Aus dem scheinbar unüberwindbaren Berg, der da vor uns lag, wurde dann zurückblickend doch etwas, das absolut positiv gelaufen ist.
Da spielt wahrscheinlich auch wieder Ihr Grundoptimismus eine Rolle. Nach dem Motto: »Es wendet sich doch alles zum Guten.«
Wörner: Ja, das stimmt. Eine solche Einstellung braucht man als Bürgermeister. Wenn man diesen Optimismus nicht hat, dann ist man wohl fehl am Platz. Klagen kann man viel, aber letztendlich ist es so, wie es ist, und wir müssen das Beste draus machen. Wenn man das relativiert und schaut, wie es anderen Menschen in anderen Ländern geht, dann haben wir bei uns allen Grund optimistisch zu sein. Dass ich Pragmatiker bin, prägt mich da wahrscheinlich auch sehr.
»Wenn man diesen Optimismus nicht hat, dann ist man wahrscheinlich auch fehl am Platz«
Das Klima in der Gesellschaft ist schroffer geworden. Beamte und Angestellte auf der kommunalen Ebene sind oft der Sündenbock für alles, was in der Politik schiefläuft. Wie kann man das aushalten?
Wörner: Wir sind auf kommunaler Ebene die unterste staatliche Ebene und die, die vor Ort immer ansprechbar ist. Da verstehe ich es dann auch in Teilen, dass der Frust der Bürgerschaft über Entscheidungen, die von EU, Bund oder Land kommen, bei uns angesprochen wird. Ich habe da aber nur soweit Verständnis, wie die Anliegen sachlich vorgetragen werden. Eine Grenze wird für mich dann überschritten, wenn es unsachlich und beleidigend wird. Da stehe ich auch hinter allen städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir bringen auch konsequent alles zur Anzeige, was in diese Richtung geht. Insgesamt kommt das aber sehr selten vor.
Zur Person
Stefan Wörner wurde 1974 in Bad Urach geboren, ist verheiratet und hat zwei Töchter. In Ludwigsburg schloss er ein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt (FH) ab, außerdem ist er Betriebswirt und systemischer Coach. Seit dem 1. August 2021 ist Wörner Chef im Pfullinger Rathaus, zuvor war er Finanz- und Verwaltungsbürgermeister in Kirchheim unter Teck. (GEA)
Gibt es etwas, dass Sie sich zu Beginn Ihrer Amtszeit vorgenommen haben, das bisher noch nicht umgesetzt ist? Hinkt ein Projekt in Pfullingen hinterher?
Wörner: Ein 'Nein' klingt jetzt vielleicht etwas überheblich, aber auf die Schnelle fällt mir keines ein. Ich bin ein Stratege und gerne konzeptionell unterwegs. Ich schaue die Dinge umfassend an und rechne schon von Anfang an damit, dass gewisse Schritte einfach ihre Zeit brauchen. Außerdem bin ich ein Freund umfassender Bürgerbeteiligungsformate. Das hilft uns, die breite Meinung einzubinden, und es macht es einfacher, Entscheidungen zu treffen und Projekte umzusetzen. Das braucht aber eben auch Zeit.
»Die Stadtbahn sehe ich klar als eine Chance für Pfullingen«
Die Regional-Stadtbahn, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, der kommende Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung: Sie beschäftigen sich mit den unterschiedlichsten Projekten. Welches ist Ihnen besonders wichtig?
Wörner: Da gibt es mehrere Themen, die mir am Herzen liegen. Das ist unter anderem die Wohnraumversorgung. Da haben wir mit der Gründung des städtischen Eigenbetriebs »Wohnbau Pfullingen« schon die ersten Weichen gestellt und für das große Bauprojekt in der Großen Heerstraße mit insgesamt 40 Wohnungen den Baubeschluss gefasst. Ebenso hat der Gemeinderat beschlossen, ein Objekt mit weiteren 13 Wohnungen in der Marktstraße zu erwerben. Das ist mir ein wichtiges Anliegen, weil wir sehr viele Anfragen von Familien, von Alleinerziehenden und auch von älteren Menschen nach bezahlbarem Wohnraum bekommen. Wir werden es zwar nicht schaffen, allen gerecht zu werden, aber durch den städtisch geschaffenen Wohnraum können wir positiv Einfluss nehmen. Die Regional-Stadtbahn ist auch ein großes Thema für mich, das war sie schon während meines Wahlkampfes. Die Stadtbahn sehe ich klar als eine Chance für Pfullingen. Wir haben das Glück, dass wir Teil der Kulisse der Regionalstadtbahn sind und können so das Beste für Pfullingen herausholen. Klar, die Trassenentscheidung ist nicht einfach, aber wir sind jetzt so weit, dass wir aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr eine Entscheidung treffen können.
Sie haben bereits angekündigt, dass Sie für eine zweite Amtszeit als Pfullinger Bürgermeister zur Verfügung stehen. Was sind für Sie die großen Projekte für die 2030er-Jahre?
Wörner: Das Projekt Bundesgartenschau 2039 finde ich wichtig und auch persönlich spannend. Das interkommunale Vorhaben bietet eine herausragende Gelegenheit – wie auch die Regionalstadtbahn, die ja Teil einer Gartenschau sein kann – dass sich Pfullingen modern und nachhaltig weiterentwickeln kann. Das Projekt ist dabei mehr als nur das halbjährige Ausstellungskonzept. Ein weiteres Großvorhaben ist die Umsetzung der Schulentwicklungsplanung. Mit der Burgwegschule, der Uhlandschule und den Veränderungen der Schullandschaft durch gesetzliche Vorgaben wissen wir klar, wo wir hinwollen. Die Grundschulstandorte Burgweg- und Uhlandschule sollen zum Burgwegcampus vereint werden. Später könnte dann die Volkshochschule in das Uhlandschul-Gebäude und damit nach weiter ins Stadtzentrum umziehen und sich dort im wahrsten Sinne ausbreiten. Mit ihr würde auch die Bezirksschule, die den Verwaltungsnachwuchs ausbildet, von dem neuen, großzügigeren Standort profitieren. All das werden wir in den kommenden vier Jahren noch nicht komplett umgesetzt haben, daher die Perspektive bis in die 2030er-Jahre. Vor allem auch deswegen, weil wir die Projekte nicht mittels teurer Interimsbauten, sondern in Rochaden angehen wollen.
»Ich bin niemand, der als Rampensau bekannt ist«
Was haben Sie in Ihrer Amtszeit Neues gelernt?
Wörner: Ich lerne täglich Neues dazu. Das passiert im Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen und auch im Dialog mit der Bürgerschaft. Mit jedem Tag, den ich älter werde, sammele ich auch weitere Lebens- und Berufserfahrungen und kann aus diesen schöpfen. Aber vermutlich lernt man nie aus. Konkret würde ich sagen, dass ich gelernt habe, wenn notwendig, mich in die erste Reihe zu stellen. Auch wenn ich nach wie vor niemand bin, der als Rampensau bekannt ist. Ich mag es gerne, einfach auch mal zuzuhören.
Gibt es im Gegensatz dazu etwas, dass Sie noch lernen wollen?
Wörner: Wir hatten ja gerade schon darüber gesprochen, dass man sich laufend weiterentwickelt und den Anspruch habe ich tatsächlich auch an mich selbst. Ich möchte aus jeder Begegnung, die ich als Bürgermeister habe, etwas mitnehmen und mein Spektrum erweitern. Wenn ich abends meinen Tag Revue passieren lasse, dann staune ich manchmal, was ich alles erleben durfte. Der Job des Bürgermeisters ist wahrscheinlich so vielseitig wie kaum ein anderer.
»Ich möchte mich mehr um die Anliegen der älteren Bürgerinnen und Bürger kümmern«
Ist das auch ein Grund, warum Sie den Job gewählt haben?
Wörner: Auf jeden Fall. Ich habe gerne mit Menschen zu tun. Und ich bin, das behaupte ich zumindest, ein Teamplayer, der alle Kolleginnen und Kollegen gerne einbindet. Klar, wenn es darauf ankommt, bin ich in der Lage zu entscheiden, aber mag doch auch den Austausch.
Zu Beginn Ihrer Amtszeit äußerten Sie einmal, dass Sie gerne nach Pfullingen ziehen würden. Noch pendeln Sie aber zwischen der Echazstadt und Römerstein. Hat sich an dem Vorhaben etwas geändert?
Wörner: Das habe ich damals so gesagt und auch so gemeint. Wir haben aber noch nichts Geeignetes gefunden. Auch wenn ich nicht in Pfullingen wohne, beeinträchtigt das meine Arbeit als Bürgermeister in keiner Weise – im Gegenteil: Ich bin präsent, ansprechbar und bei allen wichtigen Themen zuverlässig vor Ort. Das spiegelt sich auch in der Rückmeldung aus der Bürgerschaft wider, die mir immer wieder bestätigt, dass mein Engagement und meine Nähe zur Stadt voll und ganz wahrgenommen werden. (GEA)

