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Pfullinger Rathaus wächst pro Monat um ein Stockwerk

Der Rathausergänzungsbau in Pfullingens Mitte wächst und wächst. Pro Monat kommt ein Stockwerk des gemauerten Rohbaus hinzu. Der Termin fürs Richtfest steht schon.

Das Besondere liegt im Detail: Architekt Stephan Straush zeigt die Bögen am Fenster. Dafür braucht es eine besondere Technik, di
Das Besondere liegt im Detail: Architekt Stephan Straush zeigt die Bögen am Fenster. Dafür braucht es eine besondere Technik, die nicht mehr viele beherrschen. Foto: Dieter Reisner
Das Besondere liegt im Detail: Architekt Stephan Straush zeigt die Bögen am Fenster. Dafür braucht es eine besondere Technik, die nicht mehr viele beherrschen.
Foto: Dieter Reisner

PFULLINGEN. Stephan Straush blickt auf das gerade entstehende Rathaus in der Griesstraße und strahlt wie ein Honigkuchenpferd. »In meinem Projektzeiten-Plan habe ich vor einem halben Jahr für den 26. November‚ Betonieren der Decke im ersten Stock‘ eingetragen. Und was haben wir am 26. November gemacht? Genau betoniert. Punktlandung«, freut sich der Architekt, der die Bauleitung für das Planungsbüro e w Architekten, zu der er, Eberhard Wurst und Dominik Weitbrecht gehören, ausführt. Alles im Plan also. Auch die Kosten?

In Pfullingen entsteht ein neues Rathaus beziehungsweise der Ergänzungsbau zum bestehenden Rathaus II. Das ist auch für eine Stadt wie Pfullingen kein Alltagsgeschäft. Seit dem Spatenstich im Mai wächst der eindrucksvolle Bau. Nachdem das Kellergeschoss bis zur Bodendecke fertiggestellt worden ist – »zu Anfang sieht man wenig Fortschritt«, so Straush – wächst der Rohbau.

Richtfest im Mai

Er reicht bis an die Ecke Klemmenstraße und Griesstraße. »Pro Monat ein Stockwerk«, gibt der Architekt das Tempo an, was ihn zu einer leicht erstellbaren Vorhersage des Richtfesttermins führt. Bis März wird die große Giebelwand Richtung Griesstraße betoniert sein, im April richtet der Zimmermann den Dachstuhl auf. Im Mai oder noch günstiger Ende April soll dann der Abschluss des Rohbaus sowie des Dachstuhls mit dem Richtfest gefeiert werden.

Die Decke des ersten Stocks ist betoniert. Die Größe des Ergänzungsbaus lässt sich leicht erahnen.
Die Decke des ersten Stocks ist betoniert. Die Größe des Ergänzungsbaus lässt sich leicht erahnen. Foto: Dieter Reisner
Die Decke des ersten Stocks ist betoniert. Die Größe des Ergänzungsbaus lässt sich leicht erahnen.
Foto: Dieter Reisner

Spätestens dann kann eine breitere Öffentlichkeit das neue Verwaltungsgebäude, in dem 63 Arbeitsplätze entstehen, besichtigt werden. Der GEA durfte schon jetzt eine Runde über die Baustelle drehen. Der Architekt sowie Carolin Veith als Projektleiterin der Gruppe Hochbau und Oliver Polzin, Leiter Fachbereich 5 Infrastruktur, beide von der Stadtverwaltung, haben sich für die Presse Zeit genommen.

Segmentbögen an den Fenstern

Eines fällt auf: Der Bau hebt sich nicht nur farblich von herkömmlichen langweiligen grauen Quaderbauten ohne Firstdach ab, die massenweise in Stadt und Land wie Pilze aus dem Boden schießen. Die Wände sind aus Ziegelsteinen gemauert mit einer Breite von rund 40 Zentimeter, die im Innenraum ihre Dämmung haben. Auch die Fensterformen sind nicht gewöhnlich. Das obere Ende bilden sogenannte Segmentbögen, die ebenfalls gemauert sind. »Wir haben das Glück, dass die Zwiefalter Rolo-Bau Maurer aus der Ukraine beschäftigt, die es verstehen, solche selbsttragenden Bögen, wie es auch schon die Römer vorgemacht haben, zu erstellen«, so Straush. In der Gründerzeit sei das üblich gewesen, »heute macht das fast niemand mehr«.

Viele Sprieße und drei Verantwortliche:  von links Oliver Polzin Fachbereich 5 Infrastruktur, Polier Sven Haug, Carolin Veith Gr
Viele Sprieße und drei Verantwortliche: von links Oliver Polzin Fachbereich 5 Infrastruktur, Polier Sven Haug, Carolin Veith Gruppe Hochbau. Foto: Dieter Reisner
Viele Sprieße und drei Verantwortliche: von links Oliver Polzin Fachbereich 5 Infrastruktur, Polier Sven Haug, Carolin Veith Gruppe Hochbau.
Foto: Dieter Reisner

Auch die Fensterbänke sind nicht von der Stange. »Unser Rohbauer aus Zwiefalten unterhält ein eigenes Betonfertigteilwerk. Er kann individuell auf Knopfdruck produzieren, was für Flexibilität sorgt. So auch die Fenstersimse«, schwärmt der Architekt und streichelt den sandgestrahlten Sichtbeton, der pigmentiert ist mit Weißzement. Die obere Form der Fenster passt sich den Rundbögen im Rathaus II an. Im altehrwürdigen Bestandsgebäude sind die Garagentore so gestaltet.

Barrierefreier Eingang

Die Räume dahinter wurden in den vergangenen Jahren als Lager oder Garage genutzt. Einst befand sich da auch das Gefängnis. In Zukunft sind hier die Technik, ein Besprechungsraum und das Backoffice für den Bürgerservice untergebracht. Dessen Eingang befindet sich im rechten Winkel zum Bestandsgebäude, ist großzügig gehalten und wie alles im künftigen Rathaus barrierefrei. Raumhohe Fenster sorgen auf beiden Seiten für viel Helligkeit im Eingangsbereich. Das Foyer ist nach oben offen bis zur Decke zum zweiten Stock. »Im Eingangsbereich findet viel Publikumsverkehr statt. Er soll hell und freundlich gestaltet sein, damit sich die Menschen wohlfühlen – Mitarbeiter wie Bürger«, sagt Oliver Polzin.

Doch noch sind Handwerker im vollen Einsatz. Zwei Drittel der Arbeiten spielen sich im Neubau ab, ein Drittel im Bestand, erklärt der Leiter des Fachbereichs 5. Dort liegt das »Herz des Gebäudes«, wie Architekt Straush liebevoll den Sitzungssaal nennt. Dort ist momentan auch der Schreiner beschäftigt. Bertram Wetzel entfernt die Holzvertäfelung, um sie später wieder - als Reminiszenz an den altehrwürdigen Saal - wieder so einzubauen.

Schreinermeister Bertram Wetzel entfernt die Holzvertäfelung.   Später bringt er sie wieder an.
Schreinermeister Bertram Wetzel entfernt die Holzvertäfelung. Später bringt er sie wieder an. Foto: Dieter Reisner
Schreinermeister Bertram Wetzel entfernt die Holzvertäfelung. Später bringt er sie wieder an.
Foto: Dieter Reisner

Der Sitzungssaal ist bis auf das Fachwerk ausgebeint, das die Trennungswand zu zwei Büros gebildet hat. Die Holzbalken werden entfernt, der Saal wächst um etwa die Hälfte und bleibt komplett im Bestandsgebäude. Das unterschied den Entwurf von e w Architekten, die den Zuschlag im Wettbewerb für den Bau des Ergänzungsgebäudes bekommen hatten. »Damit kann man wirtschaftlich bleiben«, so Straush, der in dessen Team den Ergänzungsbau vom Plan in die Wirklichkeit holt.

Rund 14 Millionen Euro investiert die Stadt in das Projekt – 8 Millionen entfallen auf den Neubau, weitere 6 Millionen Euro auf die Sanierung des Bestandsgebäudes. Auch bei den Kosten sei man im Plan, sagt Oliver Polzin. Die Kosten seien niedriger, die Konjunktur drücke die Preise. Man bekommt günstige Angebote, vor allem von lokalen Firmen, sagt Carolin Veith. (GEA)

Der Sitzungssaal wächst um etwa die Hälfte. Dafür muss die Wand zu den beiden Büros weichen.
Der Sitzungssaal wächst um etwa die Hälfte. Dafür muss die Wand zu den beiden Büros weichen. Foto: Dieter Reisner
Der Sitzungssaal wächst um etwa die Hälfte. Dafür muss die Wand zu den beiden Büros weichen.
Foto: Dieter Reisner