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Pfullinger Interessengemeinschaft hakt in Sachen Stadtbahn nach

Professor Dr. Tobias Bernecker vom Zweckverband RSB und Pfullingens Bürgermeister Stefan Wörner stellen sich der Initiative, die sich gegen eine Regional-Stadtbahn (RSB) auf der alten Bahntrasse ausspricht.

Planer Marius Strähle (dritter von rechts) erläutert, wie die Regional-Stadtbahn am alten Bahnhof  vorbeikommen würde.
Planer Marius Strähle (dritter von rechts) erläutert, wie die Regional-Stadtbahn am alten Bahnhof vorbeikommen würde. Foto: Sautter
Planer Marius Strähle (dritter von rechts) erläutert, wie die Regional-Stadtbahn am alten Bahnhof vorbeikommen würde.
Foto: Sautter

PFULLINGEN. Die Interessengemeinschaft Regional-Stadtbahn hat sich klar positioniert. Für die rund sechzig Mitglieder ist klar: Wenn die Stadtbahn kommt, darf sie in Pfullingen keinesfalls über die alte Bahntrasse fahren. Viele ihrer Mitglieder haben sich schon beim GEA-Mobil-Treff und dem GEA-Forum zu Wort gemeldet. Jetzt stellten sich der Geschäftsführer des Zweckverbands Regional-Stadtbahn, Professor Dr. Tobias Bernecker, und Marius Strähle, der beim Zweckverband für die Straßenbahnstrecken die Planung macht, ihren Fragen. Mit dabei war auch Pfullingens Bürgermeister Stefan Wörner. Es ging um Lärmschutz, Engstellen, Radfahrer, die Sicherheit von Kindern und vieles mehr.

Los ging's mit kurzen Stippvisiten am Lindenplatz und am alten Bahnhof, in diesen beiden Bereichen geht es besonders eng zu. Bernecker und Strähle machten deutlich, beide Stellen sind eine Herausforderung, aber sie können bewältigt werden. Nicht möglich ist es, erklärte Strähle auf eine entsprechende Frage, eine Haltestelle am Lindenplatz unterzubringen. Maximal eine Gerade von 35 Meter Länge gebe es dort, erklärte der Planer, aber für eine Haltestelle braucht es minimal 70 Meter. »Wir haben da lange herumgemacht.«

Thema in der kommenden Gemeinderatssitzung

Der Verkehr werde in der Innenstadt nicht zusammenbrechen, selbst wenn die Stadtbahn zweispurig durch die Marktstraße fährt, versicherte Bernecker den Teilnehmern. Das habe ein Gutachten ergeben, das der Zweckverband ausführlich in der kommenden Sitzung des Pfullinger Gemeinderats am Dienstag, 7. Oktober, um 17 Uhr im Kulturhaus Klosterkirche präsentiert. Es werde aber Ausweichverkehr geben, etwa in die Römerstraße oder die Nebenstraßen der Innenstadt, wenn die Stadt nicht gegensteuere. Ob es dafür schon Pläne gebe? Nein, erklärte Bürgermeister Wörner: »Wir können nicht parallel für beide Trassenvarianten planen.« Erst wenn feststehe, wo die Tram-Trains fahren, mache sich die Stadtverwaltung daran. Aber es sei klar, mit der Stadtbahn werde sich viel verändern, auch für den Fuß - und Radverkehr.

Marius Strähle machte gleich mehrfach deutlich, dass man die Regional-Stadtbahn in vielen Dingen nicht mit einer Eisenbahn vergleichen könne. »Unser Fahrzeug ist extrem schmal.« Deshalb kommt es auch an der Engstelle zwischen altem Bahnhof und Friedhof durch. Der Abstand zur Gastwirtschaft wird etwa zwei Meter betragen. An dieser Stelle sowie im gesamten Verlauf der Strecke bleibe der Radweg erhalten. Breiter kann er keinesfalls werden.

Das hatte Michael Jasch von der Projektgruppe Radverkehr Pfullingen angeregt. Die intensive Nutzung des Radwegs gebe das her. Er plädierte auch, Rad- und Fußverkehr auf einem insgesamt 6,5 Meter breiten Streifen zu trennen. Um das möglich zu machen, könne man seiner Meinung nach die Regional-Stadtbahn ab dem Bahnhof in Richtung Hortense eingleisig im Tunnel führen. Viel teurer als das jetzt geplante Betonkonstrukt könne das auch nicht sein. Ist es schon: Zwei bis dreimal teurer sogar, erklärte Bernecker. Der Zweckverband sei bei den Planungen von einem Erhalt des Rad- und Fußwegs ausgegangen. »Einen Ausbau bekommen wir dort nicht unter. Dann ist diese Trassenvariante tot.«

Sicherheit der Fußgänger

Vor Ort ging es dann auch um die Sicherheit der Fußgänger, etwa im Bereich des Kindergartens an der Schulstraße oder am Seniorenheim. Viele besonders schutzbedürftige Menschen seien dort unterwegs. Planer Strähle, der ursprünglich mal Straßenbahnen gefahren ist und das bis heute noch ab und zu macht, hat keine Bedenken, wenn etwa die Querung der Schulstraße nur per Lichtzeichen geregelt wird. Eine physische Sperre, sprich eine Schranke, gaukele oft eine Sicherheit vor, die es so nicht gebe, da diese auch oft umgangen würde. Thematisiert wurden auch die Bäume. Rund 600 Stück müssen weichen. Wo der Ersatz dafür gepflanzt wird, sei bei diesem Planungsstand noch nicht Thema. »Wir sind bemüht, es so nah wie möglich am ursprünglichen Standort zu machen, wenn das möglich ist«, versicherte Bernecker.

Aufgabe künftiger Planungen ist auch der Lärmschutz, erläuterte Strähle. Die dafür notwendigen Untersuchungen seien sehr aufwändig. Diese für zwei Trassen zu machen, deshalb unwirtschaftlich. Erst wenn die Entscheidung für eine Variante gefallen sei, werde daher geprüft, welche Maßnahmen wo sinnvoll seien. Dafür gebe es klare gesetzliche Vorgaben. Klar sei, Lärmschutz fange immer am Fahrzeug an und die Tram-Trains seien da schon sehr gut. Im zweiten Schritt gehe es dann um Dinge wie Lärmschutzwände und erst im dritten Schritt um Veränderungen an den Gebäuden.

ÖPNV neu denken

Wenn die Stadtbahn käme, würde die Linie 2 der RSV eingestellt. »Wie kommen dann beispielsweise die Bewohner des Hägle zur Bahnhaltestelle?«, war eine Frage aus den Reihen der Initiative, als die Versammlung schon ins Rathaus umgezogen war. »Wir müssen den ÖPNV neu denken«, erklärte Bürgermeister Wörner, doch dafür gebe es nach der Trassenentscheidung noch reichlich Zeit. »Wir sind ja hier alle pro Innenstadt«, bilanzierte Wörner nach gut zwei Stunden regem Austausch. Der Bürgermeister ist sich außerdem sicher: »Wir kriegen das so hin, dass jeder am Ende sagt, das ist eine gute Sache.« (GEA)