ENINGEN. Es ertönt ein helles Klackern, wenn die Scheibe die eisernen Ketten trifft und in den metallenen Korb fällt. Was von Ferne aussieht wie ein Frisbee, ist bei genauerer Betrachtung eine kleiner und schwerer - eine Disc. Bei gutem Wetter zischen sie auf der Eninger Weide zwischen alten Bäumen und über offene Lichtungen: Jung und Alt kommen zusammen, um Discgolf zu spielen. Anfänger, die ihre Würfe noch mit konzentriertem Stirnrunzeln begleiten und Fortgeschrittene, deren Bewegungen fast beiläufig wirken und doch präzise sind. Zu letzteren zählen sich Maren Moßig und Jens Fröhlich vom Discgolfclub Achalm (DGCA), einer Gruppe des Schwäbischen Albvereins Eningen. Sie sind dieses Jahr in ihrer jeweiligen Kategorie Deutsche Meister geworfen. Mit dem GEA haben Moßig und Fröhlich über die Freude an ihrem Sport, Disziplin und die Wettkämpfe gesprochen.
Moßig spielt seit sie 14 Jahre alt ist im Verein, den ihre Familie 2012 gegründet hatte. »Das ist eine lustige Geschichte«, erinnert sich die heute 27-Jährige. »Der Hund meines Onkels spielte früher gerne mit Frisbees und hatte dabei mal eine Scheibe kaputt gemacht.« Auf der Suche nach Ersatz sei ihr Onkel dann auf die Discs und den dazugehörigen Sport gestoßen, sei hängengeblieben und habe die ganze Familie mit einbezogen. Auch Moßig und Fröhlich haben schon früher gerne Frisbee gespielt. »Bei mir war es dann tatsächlich so, dass 2015 ein 70-Jähriger auf mich zugekommen ist und erzählte, dass er da etwas Besonderes gefunden habe«, sagt Fröhlich. Neugierig geworden testete der heute 43-Jährige Discgolf auf der Eninger Weide aus und trat noch im selben Jahr dem Verein bei.
Alleine aber auch im Team
Dass man draußen in der Natur ist, dass die Spieler auf sich alleine gestellt sind, aber ihn auch im Team spielen können, das sind alles Punkte, die Fröhlich von Anfang an gefallen haben. »Ich bin frei, brauche niemanden und bin für meine Fehler verantwortlich.« Der Ehrgeiz habe ihn gepackt, er wollte sich immer weiter voranbringen und sich selbst herausfordern. »Ich mag auch die Gemeinschaft, die der Sport mit sich bringt«, ergänzt Moßig. Die Eninger Truppe sei wie eine zweite Familie, nach Spielen werde oft noch beisammen gesessen, um den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen.

»Außerdem gibt es keine Schiedsrichter«, sagt die 27-Jährige mit einem Schmunzeln. Trotzdem werde immer fair gespielt, jeder schaue nach jedem und jeder freue sich mit jedem - egal ob Gegner oder nicht. »Diese Kameradschaft, die es im Discgolf gibt, obwohl wir vor allem bei Wettkämpfen ja alle Gegner sind, kenne ich so aus keinem Sport. Da macht das Spielen einfach noch mehr Spaß.«
Konzentration und Fitness
Wichtig beim Discgolfen sei der Kopf: »Mental muss man einfach präsent sein, sonst wird's nichts mit dem Gewinnen«, sagt Fröhlich. Er spricht aus Erfahrung: Bei der Deutschen Meisterschaft 2023 habe er das ganze Turnier über geführt, »am Ende war ich aber nicht mehr so konzentriert und bin zweiter geworden«. Auch die körperliche Fitness spiele eine wichtige Rolle beim Discgolfen, ergänzt Moßig. Nur hinstellen und werfen, so einfach sei das Ganze nicht. »Um präzise spielen und die Discs lenken zu können, muss der ganze Körper angespannt sein.«
Die beiden Deutschen Meister trainieren ganz unterschiedlich: »Ich habe Zuhause einen Korb in der Garage und putte, also werfe, meine Discs aus relativ kurzer Distanz«, sagt die 27-Jährige. Mit einem Schmunzeln gibt sie zu, dass sie öfter trainieren könnte, der Alltag und ihre Arbeit als Bauleiterin das jedoch nicht immer zulassen. Fröhlich hat seinen Korb im Garten. »Ich versuche jeden Tag mindestens 100 Mal in den Korb zu werfen und 30 Minuten am Tag zu trainieren«, sagt der Finanzberater. Außerdem nimmt er seinen Korb auch oft einfach mit auf den Sportplatz, um längere Strecken werfen zu können. Auf der Eninger Weide übt Fröhlich - wenn möglich - zweimal die Woche. »Das schaffe ich gar nicht, weil ich unter der Woche so gut wie nie in Eningen bin«, sagt Moßig.
Unterschiedliche Discs zum Werfen
Die Discs, mit denen geworfen wird, sind unterschiedlich. Drei Kategorien gibt es: Der »Driver« wird für die langen Strecken genutzt, die »Midrange« für mittellange Strecken und mit dem »Putter« wird der letzte Wurf in den Korb gemacht. »Eigentlich ist das ähnlich wie beim Golfen«, sagt Fröhlich. Rechts- oder Linkshänder Scheiben gibt es nicht. Dafür kann mit der Rück- oder der Vorderhand geworfen werden: »Das macht schon einen Unterschied, die Discs rotieren dann ganz anders.«
Mitmachen kann jeder. »Es ist wirklich egal, welches Alter oder Geschlecht man hat«, sagt Fröhlich. Der Eninger Verein trifft sich dienstagabends. Dann kommen alle »egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene« zusammen und trainieren. Fröhlich freut sich: »Die Discgolf-Gemeinschaft wird immer größer.« Der Sport erfreue sich in anderen Ländern schon einer größeren Bekanntheit, in Deutschland werde er aber auch immer beliebter.
Kurs im Biosphärengebiet
Trotzdem musste der Verein um seinen Kurs auf der Eninger Weide kämpfen. »Lange war nicht klar, ob es überhaupt einen geben wird«, sagt Moßig. Die Frage nach der Finanzierung stand im Raum und auch der Naturschutz und die Instandhaltung spielten bei der Entscheidung eine große Rolle. Letzteres sei wohl kein großes Problem gewesen. »Den Kurs zu pflegen kostet so gut wie kein Geld.« Und auch die Frage nach dem Naturschutz, die Körbe stehen immerhin innerhalb des Biosphärengebiets, wurde geklärt.
Wer Discgolf einmal ausprobieren möchte, kann dies ganz einfach, kostenlos und das ganze Jahr über auf der Eninger Weide machen. Im Wanderheim gibt es Discs zum Ausleihen und einen Plan für den Discgolf-Kurs und schon kann's auf 18 Bahnen losgehen. Zusätzlich bietet der Discgolfclub Achalm (DGCA) Workshops an, bei denen jeder, egal welchem Alter oder Geschlecht, teilnehmen kann. (GEA)
Moßig und Fröhlich sind Mitglieder im Nationalkader. An großen Wettkämpfen wird die 27-Jährige 2026 jedoch nicht teilnehmen. »Das ist schade, hat aber einen schönen Grund«, sagt sie und erwähnt ihre nahende Hochzeit. Außerdem sei es zeitintensiv und manchmal auch kostspielig, zu den Turnieren zu reisen und somit immer eine Abwägungssache. »Weil der Sport dann doch noch so unbekannt ist, müssen wir alles selber zahlen«, erklärt Moßig. Sponsoren seien da sehr wichtig, ergänzt Fröhlich. Er möchte im kommenden Jahr an großen Wettkämpfen teilnehmen. Unter anderem bei der Europameisterschaft (EM) der Männer, die im niedersächsischen Salzgitter stattfindet. Die EM der Frauen ist in Norwegen. (GEA)
Locker vom Hocker
Platz nehmen und losplaudern – das dürfen die Gesprächspartner, die wir in der Serie »Locker vom Hocker« auf unseren weißen Plüschsitz bitten. Zu Wort kommen Menschen, die etwas zu erzählen haben – über besondere Berufe, Hobbys, Aufgaben oder über ein bewegtes Leben. (GEA)


