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Diese bekannten Künstler kommen aus Eningen

HAP Grieshaber ist der wohl bekannteste Künstler aus Eningen. Hermann Walz vom Verein Kunstwege verrät im GEA-Interview, welche Kunstschaffenden noch mit der Achalmgemeinde verbunden sind.

HAP Grieshaber auf dem Dach seines Ateliers.
HAP Grieshaber auf dem Dach seines Ateliers. Foto: Stadtarchiv Reutlingen
HAP Grieshaber auf dem Dach seines Ateliers.
Foto: Stadtarchiv Reutlingen

ENINGEN. Eningen als Sommerresidenz für Reutlinger Fabrikanten? »Das liegt zwar schon etwas zurück, aber früher war Eningen ein Erholungsort und hat dementsprechend auch viele Menschen angelockt«, erklärt Hermann Walz vom Verein Kunstwege. »Die Fabrikanten-Familien bauten am Fuße der Achalm große Häuser und Villen, die wiederum Künstler nach Eningen zogen.« Das Erholungsgebiet, die imposanten Gebäude und die Nähe zur Natur sei für die Kunstschaffenden die »perfekte Inspirationsquelle« gewesen, um neue Werke zu schaffen. Walz verrät im GEA-Interview, welche bekannten Künstler mit der Achalmgemeinde verbunden sind und was sie auszeichnet. Eine Auswahl.

- Helmut Andreas Paul (HAP) Grieshaber

Der wohl bekannteste in der Region ist und bleibt Helmut Andreas Paul Grieshaber, besser bekannt als HAP Grieshaber. Geboren wurde er am 15. Februar 1909 in Rot an der Rot, gestorben ist er am 12. Mai 1981 in Eningen. »Eigentlich war er gelernter Schriftsetzer«, erklärt Walz. »Irgendwann widmete er sich dann dem Holzschnitt und kam so zur Kunst.« Seit 1947 lebte der Kunstschaffende am Fuße der Achalm in einem Haus, das er - ganz der Künstler, der er war - mit eigenen Anbauten stetig erweiterte. Ob für den Porzellan-Hersteller Rosenthal oder die Textilfabrik Pause in Mössingen: Zu seinen Lebzeiten entwarf Grieshaber verschiedene Muster für die unterschiedlichsten Unternehmen.

Der Reutlinger Hausberg wie auch die Schwäbische Alb inspirierten Grieshaber in seinem Schaffen maßgeblich. »Seine Reihe 'Rettet die Wacholderalb' ist eine sehr bekannte«, sagt Walz. »Allgemein äußerste Grieshaber durch seine Kunst immer wieder Protest über verschiedene Dinge.« Meistens ging es dabei um den Erhalt der Natur. »Man kann schon sagen, dass Grieshaber ein politischer Künstler war«, sagt Walz. »Einer, der heutzutage wahrscheinlich ziemlich links gewesen wäre.« Auch heute noch sind seine Themen aktuell. Der HAP-Grieshaber-Weg macht mit 14 Stationen auf das Schaffen des Künstlers und seine Beziehung zu Eningen aufmerksam.

Bleistiftzeichnung »Am Achalmhang« von Paul Jauch.
Bleistiftzeichnung »Am Achalmhang« von Paul Jauch. Foto: Pfeiffer
Bleistiftzeichnung »Am Achalmhang« von Paul Jauch.
Foto: Pfeiffer

- Paul Jauch

Paul Jauch war ein Bleistiftzeichner, der am 10. September 1870 in Schwenningen geboren wurde. »Seine Mutter war gebürtige Eningerin und weil er ein sehr introvertierter Mensch war und spät heiratete, lebte er lange Zeit mit ihr zusammen«, erklärt Walz. Gestorben ist der Kunstschaffende am 22. Juni 1957 an einer Hirnblutung. Jauch war ein »Mörike-Verehrer« und illustrierte die Texte des Lyrikers. »Inspiration holte er sich immer von Orten, an denen er selbst gewesen war.«

Die Eninger Künstlerin Gudrun Krüger bei der Arbeit an einer Grafik bei sich zu Hause.
Die Eninger Künstlerin Gudrun Krüger bei der Arbeit an einer Grafik bei sich zu Hause. Foto: Privat
Die Eninger Künstlerin Gudrun Krüger bei der Arbeit an einer Grafik bei sich zu Hause.
Foto: Privat

Einer davon: die Achalm, die Paul Jauch gerne auch als »Zauberberg« bezeichnete. »Er ist einfach los gewandert, hat sich unter dem freien Himmel niedergelassen und hat angefangen gemalt«, sagt Walz. Verschiedene Paul-Jauch-Sichten machen in Eningen auf das Schaffen des Bleistiftkünstlers aufmerksam und zeigen Hintergründe zu seinen Zeichnungen.

- Gudrun Krüger

»Gudrun Krüger ist bekannt für ihre Plastiken aus Stahl und Holz. Das ist schon sehr typisch für sie«, sagt Walz. Die Künstlerin wurde am 11. Februar 1922 in Tübingen geboren und ist am 25. Mai 2004 in Eningen gestorben. Krüger war stark in Eningen verwurzelt. »Ihr Vater war mal Bürgermeister der Gemeinde. Nach der Familie wurde auch der Krügerpark genannte, da das Grundstück einmal in ihrem Besitz stand«, erklärt Hermann Walz.

Von Henry Moore inspiriert: Raach-Döttingers »Urmutter« aus dunklem Granit beim Eninger »Türmle«.
Von Henry Moore inspiriert: Raach-Döttingers »Urmutter« aus dunklem Granit beim Eninger »Türmle«. Foto: Knauer
Von Henry Moore inspiriert: Raach-Döttingers »Urmutter« aus dunklem Granit beim Eninger »Türmle«.
Foto: Knauer

Die Bildhauerin und Zeichnerin ist bekannt für ihre klaren Linien und schaffte es mit ihrer Kunst über die Grenzen Eningens hinaus bis nach London. Von kleinen bis großen Figuren schuf Gudrun Krüger Werke, die vor allem aus geometrischen Formen bestehen und die durch pflanzliche Elemente aufgelockert werden. »Ihr Atelier in Eningen ist komplett erhalten und in sehr gutem Zustand.«

- Eduard Raach-Döttinger

Einer, der »wunderschöne Arbeiten geschaffen hat«, ist Eduard Raach-Döttinger (geb. Raach). Der Künstler hat mit Meißel und Hammer aus eckigen und kantigen Steinen Figuren mit Rundungen geschaffen. »Der weibliche Körper hat es ihm definitiv angetan«, erklärt Hermann Walz. Der Bildhauer wurde am 16. November 1919 in Reutlingen geboren und ist 1991 dort gestorben. Er hatte ein Atelier in Eningen, in dem er auch zahlreiche Auftragsarbeiten schuf.

Ein Gemälde des Künstlers Uli Huber.
Ein Gemälde des Künstlers Uli Huber. Foto: Privat
Ein Gemälde des Künstlers Uli Huber.
Foto: Privat

Raach-Döttinger kommt aus einer Künstlerfamilie, die sich der Bildhauerei widmete. Um sich von seinem Bruder Richard Raach abzugrenzen, nahm er daher den Geburtsnamen seiner Mutter an, und war seitdem unter dem Doppelnamen bekannt. Der Bär am Bärenbrunnen und die »Urmutter« beim Eninger »Türmle«: In der Achalmgemeinde verstecken sich viele Werke des Bildhauers. »Den Kindern dürfte wahrscheinlich der Seehund im Freibad bekannt sein. Auch der ist von Raach-Döttinger.«

- Uli Huber

Ein wahrscheinlich eher unbekannter Künstler, aber »einen, den man nicht außer Acht lassen darf«, ist Uli Huber. Der Maler wurde am 10. September 1942 in Nagold geboren und starb 1991 in Reutlingen. »Seine Werke sind sehr abstrakt«, erklärt Walz. »Das liegt wahrscheinlich vor allem daran, dass er viel Alkohol getrunken hat und die Welt so malte, wie sie für ihn im Rausch aussah.« Huber hatte ein Atelier in Eningen und war Mitgründer der Ateliergemeinschaft »Werkstattgalerie Georgenstr. 6« in Reutlingen. (GEA)

Künstler in Eningen: Ein Ort für Kreative

In Eningen gab und gibt es weitere Künstler, die erwähnt und gewürdigt werden sollten. Sie alle angemessen zu würdigen, ist an dieser Stelle aus Platzgründen leider nicht möglich. Über manche ist bereits berichtet worden, andere werden bei Gelegenheit ebenfalls vorgestellt.

Verstorbene Künstler: Slavko Radisic, Erich Laun, Hermann Emmert, Horst Seeling

Lebende Künstler (vorwiegend nebenberuflich als Künstler tätig): Friedrich Palmer, Zeichnungen, Radierungen, Holzschnitte; MarEl Schaefer, Glaskunst; Wolfgang Huckauf-Schwarz, Acryl; Inge Niethammer, Kleinskulpturen, Acryl, Öl; Kunstschaffende des Ateliers 7 in der Reutlinger Straße 7; Gerhard Bertele, Metallskulpturen; Bubeck Arnold; Dr. Zawadzki; Carola Frasch; Werner Köhnlein; Christa Schuster-Salach; Edeltraud Willjung. (GEA)