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Vergewaltigungsprozess beginnt im Heulager

Verhandlung gegen 46-jährigen Reiterhofbetreiber wegen Vergewaltigung einer 16-Jährigen fortgesetzt

Justitia.
Justitia. Foto: Dpa Foto: Deutsche Presse Agentur
Justitia. Foto: Dpa
Foto: Deutsche Presse Agentur

REUTLINGEN. Das Reutlinger Amtsgericht hat am Freitag den Vergewaltigungsprozess gegen einen 46-jährigen Betreiber eines Reiterhofes in einer Kreisgemeinde fortgesetzt. Die Verhandlung begann dabei nicht im Gerichtssaal, sondern auf dem Reiterhof, am mutmaßlichen Tatort. Die Prozessbeteiligten nahmen dabei vor allem das Heulager, die Türen dieses großen Scheunengebäudes und die Sattelkammer in Augenschein. Im Heulager soll sich laut Anklage der Reiterhofbetreiber an der damals 16-jährigen Jugendlichen vergangen haben. Bei dem Gerichtstermin vor Ort ging es unter anderem um die Frage, ob etwaige Hilferufe des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers aus dem Scheunengebäude heraus zu hören gewesen wären.

Anschließend wurde der Prozess im Gebäude des Amtsgerichts in Reutlingen fortgesetzt. Dabei machten insgesamt fünf Zeuginnen ihre Aussage. Zu ihnen gehörte auch eine 42-jährige ehemalige Lebensgefährtin des Angeklagten. Die Frau gab an, sechs Jahre mit dem Reiterhofbetreiber liiert gewesen zu sein. Dabei sei ihr keine Verhaltensveränderung an ihm aufgefallen. Von den Anschuldigungen gegen ihren Ex-Freund habe sie erst ein Jahr nach der mutmaßlichen Tat erfahren. Sie könne sich diese schwer vorstellen.

Auch die anderen Zeuginnen, darunter eine Reitlehrerin, die 10 Jahre im Reitstall tätig war, sowie Pferdebesitzerinnen, die ihre Tiere im Stall untergebracht hatten, hatten von den Anschuldigungen gegen den Angeklagten erst durch Dritte und auch erst Monate später erfahren.

Eine 50-jährige Zeugin erinnerte sich daran, dass der Angeklagte im November 2016 – also etwa einen Monat nach der mutmaßlichen Vergewaltigung – einen auffällig hohen Gesprächsbedarf ihr gegenüber gehabt habe. Wörtlich habe er gesagt: »Mit fliegt hier alles um die Ohren.« Sie habe es so verstanden, dass er Beziehungsprobleme und wirtschaftliche Schwierigkeiten mit dem Reiterhof gehabt habe. Es habe zudem eine katastrophale Stimmung auf dem Hof geherrscht.

Wie zum Auftakt schwieg der Angeklagte auch an diesem zweiten Prozesstag beharrlich.

Der Prozess wird am Mittwoch, 12. Dezember mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt.