Logo
Aktuell Kommunalpolitik

Carmen Haberstroh zur Oberbürgermeisterin Metzingens gewählt

Mit 77,7 Prozent der abgegebenen Stimmen wird Carmen Haberstroh neue Metzinger Oberbürgermeisterin.

Blumen für Metzingens neue Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh, überreicht von CDU-Fraktionschef Eckart Ruopp stellvertretend
Blumen für Metzingens neue Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh, überreicht von CDU-Fraktionschef Eckart Ruopp stellvertretend für den ganzen Gemeinderat. Foto: Meyer
Blumen für Metzingens neue Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh, überreicht von CDU-Fraktionschef Eckart Ruopp stellvertretend für den ganzen Gemeinderat.
Foto: Meyer

METZINGEN. Sonntag, kurz nach halb acht abends. Gespannte Stille im Metzinger Ratssaal. Nervös zucken die Finger der wenigen eingeladenen Gäste und Presseleute zu den Smartphones. Auf der Leinwand fahren alle paar Sekunden bunte Balken auf und ab. Mitten in der Schar der Beobachter und immer wieder in kleinen Gesprächen: Carmen Haberstroh, die längst weiß, dass sie Metzingens neue Oberbürgermeisterin ist. 77,7 Prozent oder 4.745 abgegebene Stimmen vereint sie am Ende auf sich. Still am Rand steht ihr Gegenkandidat Patrick Roth, der zwar verloren hat, aber doch gewonnen: 1.092 oder fast 18 Prozent der abgegebenen Stimmen, so viele hatten ihm nicht allzu viele Wahlkampfbeobachter zugetraut. Spekulation bleibt, ob der 30-Jährige von der umstrittenen frühen Ermunterung der FWV-, CDU- und FDP-Fraktionen an Haberstroh, sich um Ulrich Fiedlers Nachfolge zu bewerben, und einer unschönen Leserbriefnachlese hierzu profitiert hat.

Zurück in den Sitzungssaal. Die Ergebnisse des letzten Briefwahlbezirks lassen über eine halbe Stunde auf sich warten, vorher ging alles ruckzuck. Mit 40 Minuten Verspätung tritt die Erste Bürgermeisterin Jacqueline Lohde um 20.10 Uhr ans Mikro. »Ich bitte um Entschuldigung, wir hatten technische Probleme.« Die Wahl ist hingegen »störungsfrei verlaufen«. Genau 6.214 oder 34,6 Prozent der 17.956 Stimmberechtigten sind zur Urne gegangen oder haben ihr Kreuz per Brief gemacht.

»Mit überzeugender Mehrheit ist Frau Carmen Haberstroh zur Oberbürgermeisterin gewählt worden«, wertet Lohde nach Verkündung des vorläufigen Endergebnisses. Applaus im Saal. »Sie übernehmen mit Ihrer Wahl große Verantwortung für die Stadt – viel Erfolg!«, gibt die Erste der bisherigen Zweiten Bürgermeisterin mit auf den Weg. Diese spricht von einem »tollen Ergebnis, das motiviert, mich mit zusätzlicher Power für Sie einzusetzen.« Für alle, die sie gewählt, sie nicht gewählt oder gar nicht gewählt haben. »Ich werde mich immer für Sie einsetzen und alles daran setzen, Sie nicht zu enttäuschen.«

Gefeiert wird später

Gerne hätte die 49-Jährige an Ort und Stelle mit vielen Verwandten gefeiert. »Alle wollten kommen.« Corona hat auch das verhindert. Kein Tusch der Stadtkapelle, kein Sekt, keine Umarmungen, es bleibt bei Blumensträußen aus den Händen von Jacqueline Lohde und den Gemeinderäten Peter Rogosch und Eckart Ruopp, doch das ist nicht das letzte Wort. »Ihr wisst ja, ich kann feiern«, sagt Carmen Haberstroh mit lockerer werdendem Lächeln in Richtung derer, die sie kennen, »das holen wir irgendwann nach.« Noch persönlichere Worte gehen an ihren Partner Norbert Echle: »Du hast mir den Rücken freigehalten und ertragen, dass ich für gar nichts mehr Zeit hatte.« Mit vielen anderen Menschen aus der Stadt hatte Haberstroh in ihrem pandemischen Ausnahmewahlkampf, den 150 Helfer mitbestritten haben, online oder real Kontakt. Und mit Patrick Roth einen Gegenkandidaten, der einen fairen Wahlkampf geführt hat. »Wir haben miteinander und nicht übereinander gesprochen.«

»Als Unterlegenen sehe ich mich eigentlich nicht«, sagt Gegenkandidat Patrick Roth, »es war eine wunderschöne Erfahrung.«
»Als Unterlegenen sehe ich mich eigentlich nicht«, sagt Gegenkandidat Patrick Roth, »es war eine wunderschöne Erfahrung.« Foto: Jürgen Meyer
»Als Unterlegenen sehe ich mich eigentlich nicht«, sagt Gegenkandidat Patrick Roth, »es war eine wunderschöne Erfahrung.«
Foto: Jürgen Meyer

»Es war ein guter und schöner Wahlkampf«, sagt auch Roth, ein Mann, mit dem man schnell warm werden kann, »ich hoffe, Sie machen das Beste draus.« Applaus im Sitzungssaal auch für ihn. Als Unterlegenen sieht er sich anders als Bürgermeisterin Lohde nicht, »es war eine wunderbare und schöne Erfahrung«. Die sich in Zahlen ausgedrückt am schönsten in Glems niederschlägt, wo der Versicherungssachbearbeiter 26,7 Prozent der abgegebenen Stimmen holt, Haberstroh 61,4 Prozent. Die Finanzbürgermeisterin hat im ehemaligen Gemeindezentrum Neugreuth ihr stärkstes Wahlergebnis, mit 82,4 Prozent, während Roth hier auf 16,1 Prozent kommt.

In ihr Amt eingesetzt wird Metzingens erste Oberbürgermeisterin in der Gemeinderatssitzung am 1. Juli. (GEA)