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Bad Urach verlängert die Ukraine-Solidaritätspartnerschaft unbefristet

Dass der Uracher Gemeinderat die Solidaritätspartnerschaft mit der ukrainischen Stadt Arzys unbefristet verlängert, war klar. Das Gremium will jetzt aber noch ein bisschen mehr.

Nach der Unterzeichnung der Urkunden zur Solidaritätspartnerschaft der Ermstal-Gemeinden  Bad Urach, Dettingen und Metzingen mit
Nach der Unterzeichnung der Urkunden zur Solidaritätspartnerschaft der Ermstal-Gemeinden Bad Urach, Dettingen und Metzingen mit Arzys im Juni 2024. Links Simon Nowotni, 2. von rechts Martin Salzer - die Köpfe von »Ermstal hilft«. Foto: Andreas Fink
Nach der Unterzeichnung der Urkunden zur Solidaritätspartnerschaft der Ermstal-Gemeinden Bad Urach, Dettingen und Metzingen mit Arzys im Juni 2024. Links Simon Nowotni, 2. von rechts Martin Salzer - die Köpfe von »Ermstal hilft«.
Foto: Andreas Fink

BAD URACH.. Am 3. Juni 2024 haben Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh (Metzingen) und ihre Kollegen Elmar Rebmann (Bad Urach) und Michael Hillert (Dettingen) mit Serhii Parpulansky die Solidaritätspartnerschaft der Ermstalgemeinden mit der ukrainischen Stadt Arzys beurkundet. Zuvor hatten die Gemeinderäte der drei Kommunen der Solidaritätspartnerschaft befristet bis zum 31. Dezember 2025 zugestimmt. Weil diese Frist bald abläuft und ein Ende des Kriegs nicht in Sicht ist, hat die Uracher Verwaltung jetzt dem Gemeinderat vorgeschlagen, die Partnerschaft unbefristet zu verlängern.

»Das ist unverzichtbar«, sagt Uthe Scheckel, die das kriegsgebeutelte Land schon besucht hat, »mit wenig Geld kann man dort viel bewirken.« Zustimmen von Michael Schweizer, der im Frühjahr auch schon vor Ort war. »Hilfe ist nötig und wird dankend angenommen«, so der CDU-Chef. Was er in der Ukraine gesehen hat, »nimmt einen schon mit«. Dennoch: Das jetzige Fördermodell sei »noch nicht optimal«, findet Schweizer, der folglich einen Ergänzungsantrag stellte.

»Hilfe ist nötig und wird dankend angenommen«

Zwei Punkte, findet Schweizer, könnten verbessert werden. Zum einen solle die Solidaritätspartnerschaft nicht auf die Stadt Arzys beschränkt, sondern "perspektivisch auf weitere Städte in der Region - wie Ismail und Tarutino - ausgedehnt werden, um eine breitere Wirkung der Hilfen zu erreichen. Zum anderen wünscht sich Schweizer, dass Ermstal hilft ebenfalls in die Solidaritätspartnerschaft eingebunden wird und deren Vorsitzende ebenfalls berechtigt sein sollen, Förderanträge zu stellen.

Was von den Statuten her nicht gehe und eigentlich auch gar nicht nötig sei, wie die Uracher Hauptamtsleiterin Vesna Trost auf GEA-Anfrage sagt: Wenn Ermstal hilft an Fördergelder kommen will, muss die Hilfsorganisation nur auf eine der drei Ermstal-Gemeinden zugehen. Letztlich läuft eh alles über den Schreibtisch von Holger Weiblen. Der frühere Anwalt und Stadtrat aus Metzingen, dazu einer der treibenden Kräfte von Ermstal hilft, ist mit der Koordination der Solidaritätspartnerschaft und der Vorbereitung von Förderanträgen betraut worden. Zusammen mit den Ermstal-hilft-Köpfen Simon Nowotni und Martin Salzer war schon sehr oft in der Ukraine. »Er hat ein immenses Wissen, unter anderem über aktuelle Fördermittel, nimmt an Informationsveranstaltungen dazu teil und hält einen engen Kontakt nach Arzys«, kann man in den Sitzungsvorlagen von Bad Urach, Dettingen und Metzingen lesen, »ohne ihn wäre das alles gar nicht leistbar gewesen.«

Holger Weiblen (Mitte) ist der Koordinator der Solidaritätspartnerschaft Bad Urach-Dettingen-Metzingen mit der ukranischen Stadt
Holger Weiblen (Mitte) ist der Koordinator der Solidaritätspartnerschaft Bad Urach-Dettingen-Metzingen mit der ukranischen Stadt Arzys. Foto: privat
Holger Weiblen (Mitte) ist der Koordinator der Solidaritätspartnerschaft Bad Urach-Dettingen-Metzingen mit der ukranischen Stadt Arzys.
Foto: privat

»Wie weit kann man dort helfen«, will Grünen-Rat Dr. Ulrich Heydasch wissen, »was könnte die Kommune maximal tun?« Klare Antwort von Bürgermeister Elmar Rebmann: »Das liegt an Ihnen, daran also, wie viel Geld Sie in die Hand nehmen wollen. Grundsätzlich gibt's keine Grenzen nach oben.« Die sollen jetzt erst mal so bleiben: Bad Urach will weiterhin 5.000 Euro pro Jahr in die Solidaritätspartnerschaft stecken, die Nachbargemeinde Dettingen spricht kommende Woche über 3.500 Euro. Auch der Gemeinderat der Großen Kreisstadt Metzingen hat das Thema auf der Tagesordnung. Hier geht's ebenfalls um die Verstetigung der Förderung und um 10.000 Euro. Das Geld der Ermstal-Gemeinden ist insbesondere als Komplementärfinanzierung im Rahmen einschlägiger Förderprogramme gedacht sowie zur Deckung von Transportkosten, Spesen und Aufwendungen für die Unterbringung ukrainischer Gäste.

»Ohne Holger Weiblen wäre das alles gar nicht leistbar gewesen«

Ob die Hilfe aus dem Ermstal von Arzys auf Ismail und Tarutino ausgeweitet wird, kann der Uracher Gemeinderat nicht allein beschließen. Den Wunsch muss Bürgermeister Elmar Rebmann erst an seine Amtskollegen Carmen Haberstroh und Michael Hillert herantragen, die damit in ihre Gremien gehen.

Seit der Beurkundung der Solidaritätspartnerschaft wurden in deren Rahmen acht Trinkwasseranlagen in Arzys installiert und ein Feuerwehrauto der Metzinger Feuerwehr nach Arzys überführt. Dazu fand eine Delegationsreise von Vertretern der Ermstalgemeinden nach Arzys statt. Aktuell wird ein Hilfspaket mit Solaranlagen in Angriff genommen. (GEA)