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Bürger im Dialog über die Zukunft der Ermstalklinik

Die Menschen in Bad Urach konnten ihre Ideen zur künftigen Nutzung der weitgehend leerstehenden Ermstalklinik äußern. Ein Wunsch wurde vielfach geäußert: Das Gebäude soll nicht abgerissen werden.

Etwa 40 Bad Uracher haben beim Bürgerdialog ihr Wünsche oder Ideen zur Zukunft der Ermstalklinik geäußert.
Etwa 40 Bad Uracher haben beim Bürgerdialog ihr Wünsche oder Ideen zur Zukunft der Ermstalklinik geäußert. Foto: Kirsten Oechsner
Etwa 40 Bad Uracher haben beim Bürgerdialog ihr Wünsche oder Ideen zur Zukunft der Ermstalklinik geäußert.
Foto: Kirsten Oechsner

BAD URACH. Es ist nicht einfach nur ein Gebäude, dessen Zukunft am Samstag bei einem Bürgerdialog im Fokus stand: Die zum großen Teil leerstehende Ermstalklinik ist für die Bad Uracher mit vielen Emotionen verbunden. Hier kamen Kinder auf die Welt, starben aber auch Menschen. Man war Patient oder Besucher, Freud und Leid lagen oft eng beisammen. Kein Wunder, dass eine Forderung von den rund 40 Teilnehmenden an der Veranstaltung immer wieder genannt wurde: Das Gebäude solle erhalten bleiben.

»Das überhaupt über einen Abriss nachgedacht wird, macht mich wütend« hatte eine Seniorin gemeint und stand mit dieser Ansicht nicht alleine da. »Kein Abriss!« war auf einem der Zettel zu lesen, der an die Themenwand gepinnt war. »Das Gebäude unbedingt erhalten« stand auf einem weiteren. »Umnutzung statt Abriss« hieß es auch.

»Dass überhaupt über einen Abriss nachgedacht wird, macht mich wütend«

Zwei Bereiche kristallisierten sich beim genauen Anschauen der vielen bunten Zettel eindeutig heraus. Zum einen benötige Bad Urach dringend ein Gesundheitszentrum - das wurde auch in den Gruppen diskutiert, die sich im Foyer der Ermstalklinik immer wieder spontan bildeten. Die verbliebenen Bad Uracher Hausärzte seien schwer zu erreichen, weil ohne Aufzug. Und Fachärzte würde es in der Stadt ebenso wenig geben wie Logopäden oder Psychiater – sie alle könnten unter einem Dach zusammengefasst werden inklusive Physiotherapeuten und andere Dienstleister aus dem Gesundheitssektor.

Oder, so eine ebenfalls viel genannte Idee, die einstige Ermstalklinik könnte als Wohnraum umgenutzt werden – ob fürs betreute oder fürs generationenübergreifende Wohnen. Das habe, so ein Senior, einen weiteren positiven Aspekt: Wenn ältere Bad Uracher ihre großen Wohnungen oder Häuser aufgeben würden, entstünde Wohnraum für Familien.

Um die ehemalige Ermstalklinik ranken sich derzeit nur noch Blumen und Bürgerwünsche.
Um die ehemalige Ermstalklinik ranken sich derzeit nur noch Blumen und Bürgerwünsche. Foto: Markus Pfisterer
Um die ehemalige Ermstalklinik ranken sich derzeit nur noch Blumen und Bürgerwünsche.
Foto: Markus Pfisterer

Denn, das bestätigte Architektin Hannah Reinbold von der LBBW Immobilien – Kommunalentwicklung (KE): Das Gebäude habe eine sehr solide Bausubstanz, zudem seien in den 80er-Jahren hochwertige Materialien verbaut worden seine. Die Haustechnik sei indes veraltet. Die KE wurde von der Stadt mit ins Boot genommen, um laut Bürgermeister Elmar Rebmann ein Konzept für dieses 3,5 Hektar große innerstädtische Areal auszuarbeiten.

Finanziert werde der Prozess von dem Förderprogramm Flächengewinnung durch Innenentwicklung. In einer ersten Runde hätten sich die Stadtverwaltung Gedanken um die Zukunft des Parks und Gebäudekomplexes gemacht, dann die Gemeinderäte und bei einem weiteren Treffen Vertreter der Ärzte, von Gesundheitsberufen und der Industrie. Keiner habe laut Rebmann erfahren, was sich die anderen Gruppen überlegt hätten. Auch nicht die Bad Uracher, die am Samstag der Einladung zum Bürgerdialog gefolgt waren.

Alle Ergebnisse, auch die vom Samstag, werden, so Franziska Lücke von der KE, in den Entscheidungsprozess eingebunden: »Heute stehen Sie im Mittelpunkt«, machte sie deutlich. »Sie sind die Experten vor Ort«. An drei Themenstationen – Nutzung des Bestandes, Nutzung bei Neuordnung und die Bedeutung des Areals für die Identität - konnten die Teilnehmenden ihre Ideen formulieren und auf Zettel notieren. Ein Aspekt stand dabei im Vordergrund: »Was passt zu Bad Urach?«.

»Wir werden nicht mehr erleben, dass die Ideen des Bürgerdialogs umgesetzt werden «

Beim Blick in die Runde wurde jedoch eines deutlich: Es waren überwiegend Senioren zum Meinungsaustausch gekommen – dabei betreffe das Thema doch die jüngeren Bad Uracher, hieß es vielfach. Der Schock über das Aus der Klinik sitzt nach wie vor tief, das wurde am Samstag deutlich: 2020 hatte der Kreistag das Ende der Ermstalklinik für das Jahr 2025 beschlossen, Mitte 2023 war sie jedoch bereits Geschichte.

Die über 2.000 Quadratmeter Nutzfläche stehen seither weitgehend leer, im Gebäude befindet sich eine Kindertagesstätte sowie eine orthopädische Praxis, ein Allgemeinarzt zieht im Januar ein. Angedacht ist auch, das Gebäude bei einer Sanierung des Graf-Eberhard-Gymnasiums als Interimsschulgebäude zu nutzen. Bis die Ideen des Bürgerdialogs überhaupt umgesetzt werden, gehen wahrscheinlich noch viele Jahre ins Land: »Wir werden das nicht mehr erleben«, brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt. (GEA)