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Aktuell Kirchenmusik

Weihnachtschöre zum Harfenklang: Britten und Saint-Saëns in der Kreuzkirche

Mit zwei Raritäten der Chormusik gestaltete die Kantorei Reutlingen Süd unter der Leitung von Wolfhard Witte ein Adventskonzert in der Kreuzkirche. Wie ihnen Brittens »Ceremony of Carols« und Saint-Saëns‘ »Weihnachtsoratorium« gelungen sind.

Sylvia Dieter, Dorothee Ruoff, Antje Doms, Alexander Dannecker und Wojciech Latocha (v.r.n.l.) im harmonieseligen Quintett von S
Sylvia Dieter, Dorothee Ruoff, Antje Doms, Alexander Dannecker und Wojciech Latocha (v.r.n.l.) im harmonieseligen Quintett von Saint-Saëns‘ Weihnachtsoratorium. Foto: Riedlbauer
Sylvia Dieter, Dorothee Ruoff, Antje Doms, Alexander Dannecker und Wojciech Latocha (v.r.n.l.) im harmonieseligen Quintett von Saint-Saëns‘ Weihnachtsoratorium.
Foto: Riedlbauer

REUTLINGEN. Er ist ein fordernder Ensembleleiter, der Dirigent Wolfhard Witte, der für sein Konzert zum Vierten Advent in der Kreuzkirche ein außergewöhnliches Programm mit seiner Kantorei Reutlingen Süd einstudiert hat. Er scheute sich auch nicht davor, den spürbar engagierten Chor an die Grenzen dessen zu führen, was mit Laiensängern möglich ist. Bisweilen auch darüber hinaus.

So in Benjamin Brittens »A Ceremony of Carols«, ein von tiefer Humanität durchzogenes Werk. Der Komponist besann sich darin auf Traditionen seines Herkunftslandes. Konkret auf John Dowlands Ausprägung englischer Madrigalkunst der Renaissance, die er mit der bei Alban Berg studierten Zwölf-Ton-Technik zu einem ausgeklügelten Tonsystem verband. Bei drastischer Reduktion der Instrumentalbegleitung: keine Orgel, kein Orchester, nur eine zarte Harfe.

Anspruchsvolle Harmonik

Genau das macht das Stück so schwer. Im Changieren zwischen Kirchentonarten, Dur-Moll-System und Polytonalität die Intonation zu halten, ist selbst für Profis nicht einfach. Der Kantorei Süd ist hoher Respekt zu zollen, sich diesem Werk in mühevoller Arbeit verschrieben zu haben. Sich dabei aktiv mit britischer Musik des 20. Jahrhunderts zu befassen. Und vieles, was Brittens Carols ausmacht, mit Klarheit umzusetzen. Die mittelenglischen Texte etwa. Die dynamischen Kontraste. Die anspruchsvolle Rhythmik.

Im zweiten Chorwerk, Camille Saint-Saëns‘ Weihnachtsoratorium, war man trittsicherer unterwegs. Konnte sich auf die von Elisabeth Roser solide ausgeführte Orgelbegleitung stützen. Und auf das sorgfältig einstudierte 20-köpfige Projektorchester, dem Witte weit gespannte romantische Bögen und Vibrato satt gönnte. Hier kamen auch die weiteren Tugenden der Kantorei Süd zur Entfaltung. So die Vielfalt bei der Ausdrucksgestaltung, im andachtsvollen »Domine, ego credidi«, im kämpferischen »Quare fremuerunt gentes« oder im gut gesteigerten »Alleluja«-Schlusssatz. Dem ein von Saint-Saëns harmonieselig gesetztes Quintett voranging, das die blühende Sopranistin Sylvia Dieter, die schon bei Britten mit ihrer Kollegin Dorothee Ruoff wunderbar zum Duett verschmolz, mühelos überstrahlte. Und in das sich Antje Doms, Alexander Dannecker wie auch Wojciech Latocha diszipliniert einfügten.

Brillanter Harfenist

Gleichwohl sollte gemäß dem Motto »Zauber der Harfe« der erst im dritten Semester an der Würzburger Musikhochschule studierende Florian Hillienhoff im Mittelpunkt stehen, der nicht nur die Britten-Carols virtuos begleitete, sondern auch als Solist in Debussys »Danse sacrée et danse profane« für Harfe und Streichorchester brillierte, von Witte und dem Orchester mit viel Gespür für die impressionistische Tonsprache begleitet. (GEA)