REUTLINGEN. Familiäre Atmosphäre und großartige Leistungen schließen sich nicht aus: Beides war beim Schülervorspiel des Deutschen Tonkünstlerverbands Reutlingen am Samstagnachmittag im Dominohaus zu erleben.
Beim Jahreskonzert üben sich die jungen Musizierenden im öffentlichen Auftreten, sie lernen, mit Lampenfieber umzugehen und sich auf das Publikum einzustellen, auch wenn es vergleichsweise klein ist. Auch die Zahl der Musizierenden wurde kurzfristig auf 13 reduziert; gut, dass sie sich im Vorfeld so zahlreich hatten anmelden lassen. Bedauerlich war der kältebedingte Ausfall der beiden Sängerinnen, denn eine von ihnen hatte vor, eine eigene Liedkomposition vorzutragen; vielleicht dürfen wir sie ein andermal hören.
Viele musizierten auswendig
Der Flötist Peter Eberl, der nunmehr den Reutlinger Tonkünstlerverband leitet, moderierte in sympathischer Weise. Nebenher betreuten er und seine Verbandskolleginnen Katja Riedel (Flöten) und Angela-Charlott Linckelmann (Klavier) ihre Zöglinge im Alter ab neun Jahren. Abgesehen von kleinen Fehlgriffen boten diese insgesamt ausgesprochen gute Leistungen – vom sauberen Abspielen bis zur nuancierten Gestaltung; viele musizierten auswendig.
Die Jüngsten machten den Anfang: Lina Jin und Chengyin Yu präsentierten ganz locker eine kleine Choreografie mit großen Flötenköpfen sowie ein barockes Duo. Nach ihnen kamen die jungen Pianisten an die Reihe: Katharina Schyschka mit einer frisch und klangvoll gestalteten Händel-Sonate, ihre jüngere Schwester Valeria mit sicher angeschlagenen, modernen Stücken von Muczynski und Slawicky´, nicht einmal der »Wechseltakt« warf sie aus der Bahn. Aufgrund einer kurzfristigen Programmänderung ging es weiter mit Klaviermusik; Alexandra Anoumou überzeugte auswendig und selbstbewusst mit zwei der Bagatellen op. 5 von Tscherepnin. Durchweg bei allen war ein schöner Anschlag zu hören.
Stamitz und Mozart
Dann wechselten die Instrumente: Adelina Aleksandrov stellte sich auf der Querflöte mit einem sauber gespielten Rondo von Stamitz vor, nach ihr der Fabian-Wettstein-Schüler Hugo Leander Krivec mit dem Kopfsatz des Violinkonzerts Nr. 5 von Mozart, begleitet von Friedemann Treutlein am Flügel. Seine solistische Präsenz und sein gestalterisches Können wurden zu Recht bejubelt.
Exotische Klänge brachte Luise Janovsky an der Querflöte mit »Toan-Yan – La fête du Double-Cinq« von Ferroud ins Spiel. Dabei geht es um das chinesische Drachenbootfest, das am »doppelten Fünften« (dem 5. Tag des 5. Monats) gefeiert wird. Fast zu kurz erschien danach das »Rock Prelude No. 1« von Norton, mit dem Jun An Han am Flügel kraftvolles Rhythmus-Feeling bewies.
Mit deutlicher Artikulation
Wieder tief eintauchen konnte man mit Charlotte Wippel in zwei der drei Sätze aus Poulencs Flötensonate, begleitet von Fabian Rudolf am Klavier. Auch wenn sie sich anders als die übrigen Auftretenden erst noch auf den Raum einstimmen musste, arbeitete sie mit deutlicher Artikulation den kapriziös-melancholischen Charakter des Werks heraus.
Einen großartigen Abschluss bot der 18-jährige Levin Hagmaier aus der Klavierklasse Lydia Gleim (Metzingen) mit Liszts »Mephisto-Walzer«. Er hat sich schon etliche Preise erspielt; hier konnte man hören, warum: Komplett auswendig, hoch konzentriert und scheinbar mit Löwenpranken meisterte er das Virtuosenstück, mal lyrisch, mal als Geisterspuk, am Ende gesteigert zu ekstatischem Klangzauber. Großer Jubel für den Pianisten und lächelnde Gesichter, als sich am Ende alle zum Gruppenfoto zusammenfanden. (GEA)

