REUTLINGEN. »So was hatten wir in der Form noch nicht - dass wir so nah ans Theater gehen«, sagt Fried Dähn, der zusammen mit Thomas Maos die »Sonic Visions«-Reihe im Reutlinger franz.K kuratiert. Auch in anderer Hinsicht ist das am Freitag, 14. November, um 20 Uhr im franz.K Präsentierte bemerkenswert. 16 Beteiligte reisen aus Berlin an, um Stepha Schweigers interdisziplinäres Musiktheater »The Wats« nach der Kurzgeschichte »The Woman at the Store« (1912) von Katherine Mansfield auf die Bühne zu bringen. Neue Musik, Oper und Sprechtheater, Tanz, Performance, Video und elektronische Musik gehen darin eine Verbindung ein. Das Projekt wird vom Hauptstadtkulturfonds gefördert und von der Neuseeländischen Botschaft in Berlin unterstützt.
Erzählt wird im vom Verein Aktuelle Musik und Musiktheater-Produktion Berlin (AMB) aufgelegten Stück von Reisenden, die im ländlichen Neuseeland einer mysteriösen Frau und ihrem Kind begegnen. Die Berliner Komponistin Stepha Schweiger übersetzt die Motive Mansfields – die Rolle der Frau, zwischenmenschliche Beziehungen und das Verhältnis zur Natur – in einen aktuellen gesellschaftlichen Kontext. Sexualisierte Gewalt, Klimakatastrophe, die Suche nach Selbstbestimmung gehören zu den Themen, die sie mit den Mitteln der Repetition und der Variation zur Sprache bringt. Die Aufführung, an der das Ensemble LUX:NM beteiligt ist, ist auf Englisch, zum besseren Verständnis wird es Übertitel geben. Das etwa 60-minütige Stück ist im Oktober im Berliner Ballhaus Ost uraufgeführt worden. Vor der Aufführung in Reutlingen soll es ein kurzes Einführungsgespräch mit der Komponistin geben.
Aufführungsinfo
Der »Sonic Visions«-Abend mit »Dancing on Oblivion« und »The Wats« startet am Freitag, 14. November, um 20 Uhr im Reutlinger franz.K. (GEA)
Der für die Sonic-Visions-Reihe eher ungewöhnliche Schwerpunkt Sprache und Literatur setzt sich auch im zweiten Stück fort, das an dem Abend noch vor »The Wats« zur Aufführung kommt. In »Dancing on Oblivion«, das Thomas Maos als »poetische Lesung« ankündigt, beschäftigen sich Jasmin Schädler und Joannie Baumgärtner mit dem Verbleib und der Dauer von unkontrollierten Momenten in einer Gegenwart, die zunehmend von datengetriebenen Entscheidungen bestimmt wird. In ihrer gut 20-minütigen Performance grübeln und singen sie, erzeugen Sound und swipen, während sie sich von ihren Feeds leiten lassen.
Laut Thomas Maos ist Sonic Visions ein Format für Künstlerinnen und Künstler, »die gekonnt zwischen den Stühlen arbeiten«. Zwei solche Positionen sind am 14. November im franz.K an einem Abend zu erleben. (GEA)

