Logo
Aktuell Konzert

Raumklang und Royaler Glanz: Stuttgart Brass in der Eninger Andreaskirche

Das Stuttgart Brass Quartett gastierte erneut beim Neujahrskonzert in der Andreaskirche Eningen, dieses Mal mit dem Organisten Peter Schleicher. Sie zeigten: Von Weimar nach New Orleans ist es nur ein Katzensprung.

Das Stuttgart Brass Quartett in der Andreaskirche
Das Stuttgart Brass Quartett in der Andreaskirche Foto: Susanne Eckstein
Das Stuttgart Brass Quartett in der Andreaskirche
Foto: Susanne Eckstein

ENINGEN. Zum drittletzten Eninger Rathauskonzert in der gut besuchten Andreaskirche begrüßte Dr. Barbara Dürr ein weiteres Mal das Stuttgart Brass Quartett, bestehend aus den Trompetern Andreas Spannbauer und Ekkehart Kleinbub sowie den Posaunisten Dieter Eckert (der das Quartett 1986 begründet hat) und Michael Bigelmaier. Für klangliche Erweiterung sorgte der Stuttgarter Organist Peter Schleicher, der seit 2016 an der Hochschule für Kirchenmusik Rottenburg lehrt.

Nach ihrer unterhaltsamen Weltreise im Vorjahr ließen sie ihr Programm nun ernsthafter angehen: Geboten wurde eine kleine Musterkollektion aus der Geschichte der Blechbläserkunst, ergänzt durch Orgelmusik. Durchs Programm führte Dieter Eckert.

Raumklang aus Venedig

Dass die vier Bläser zunächst auf der Orgelempore spielen, hat seinen Grund: Sowohl die »Canzon« als auch die »Sonata pian‘ e forte« von Giovanni Gabrieli gehören zur »venezianischen Mehrchörigkeit«, die um 1600 auf den Emporen von San Marco ihren Raumklang entfaltete. Auch hier ist er zu hören; die Sonate beeindruckt durch wechselnde Besetzungen und die seinerzeit erstmals notierte abgestufte Dynamik.

Mit Johann Sebastian Bachs Toccata, Adagio und Fuge C-Dur (BWV 564) folgt ein Meisterwerk der Orgelkunst, das von Peter Schleicher akkurat vorgeführt wird. Man sieht’s zwar nicht, doch auch die Füße des Organisten leisten Präzisionsarbeit: Bach hat ein langes Pedalsolo eingefügt. Schleicher registriert farbig, lässt Tongirlanden blitzen und entfaltet virtuosen Schwung.

Von Weimar nach Versailles

Von Weimar geht’s nach Versailles; festliche Bläsermusik versetzt die Hörer an den Hof Ludwigs XIV. Der Ton der brillant gespielten hohen Trompete verbreitet royalen Glanz, wird aber hie und da durch die Posaunen überdeckt. Das letzte Stück ist ein Ohrwurm: ein Prélude von Charpentier, seit 1954 bekannt als Eurovisionsmelodie.

Seine Improvisationskunst nutzt Peter Schleicher für ein Weihnachts-Wunschkonzert: Die vom Publikum zugerufenen Titel verwandelt er wie von Zauberhand in ein Festtags-Potpourri mit »Tochter Zion« als Rahmen. Mit der Tanz-Begleitung klingt das ein wenig nach Kirmesorgel, doch umso edler hebt sich »Stille Nacht« mit Glitzersternchen ab.

Am Ende wird's jazzig

Was wären die Blechbläser ohne Jazz? Gleich drei Stücke im Stil von New Orleans beweisen, dass die vier Stuttgarter sowohl das lockere Zusammenspiel als auch den Swing »drauf« haben: »Down Home« von Richard Roblee, das dieser vor Jahren für Eckerts Quartett komponiert hat, der Standard »Beale Street Blues« von W. C. Handy und das Spiritual »Joshua fit the Battle of Jericho«.

Den Schluss des Programms ziert ein feierliches »Ite Missa est« des Österreichers Vinzenz Goller, zu dessen romantischer Klangpracht sich die Bläser und der Organist nochmals zusammentun. Als Dank an das lebhaft applaudierende Publikum überreicht das Quartett einen weiteren Satz aus Versailles. (GEA)