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Punk trifft Avantgarde: Dini Mueter Trio eröffnet Reutlinger Musica-Nova-Reihe

Wie passen Punk und New Wave zur klassischen Avantgarde-Musik? Das Dini Mueter Trio zeigte zur Eröffnung der neuen Musica-Nova-Saison im Reutlinger Kunstmuseum, wie das geht.

Hohe Professionalität: Das Dini Mueter Trio mit (v.l.n.r.) Sergi Bayarri Sancho, Carlos E. López Ruiz und Luis Homedes López.
Hohe Professionalität: Das Dini Mueter Trio mit (v.l.n.r.) Sergi Bayarri Sancho, Carlos E. López Ruiz und Luis Homedes López. Foto: Riedlbauer
Hohe Professionalität: Das Dini Mueter Trio mit (v.l.n.r.) Sergi Bayarri Sancho, Carlos E. López Ruiz und Luis Homedes López.
Foto: Riedlbauer

REUTLINGEN. Punk als eine Haltung von Unangepasstheit, ja einer Protestkultur, war das Thema für den Eröffnungsabend der neuen Musica-Nova-Saison. Unter dem Motto »Punkbox« stellte das Dini Mueter Trio im Kunstmuseum Reutlingen/konkret in den Wandel-Hallen Kompositionen zur Diskussion, die erst vor wenigen Jahren entstanden sind.

Die Besetzung des 2018 an der Hochschule für Musik Basel von spanischen Musikern gegründeten Trios passt in keine gängige Kategorie. Der Saxofonist Luis Homedes López war, wie er bekannte, schon vor 16 Jahren einmal als Austauschschüler in Reutlingen und ist mittlerweile nach Abschluss seines Studiums regelmäßig auf bedeutenden Festivals für zeitgenössische Musik vertreten.

Bei großen Festivals unterwegs

Auch sein Kollege an der Klarinette, Sergi Bayarri Sancho, ist eine feste Größe in der Avantgarde-Musik, sei es im Ensemble Modern oder bei den Donaueschinger Musiktagen. Pianist und Keyboarder Carlos E. López Ruíz agiert auf der Grundlage eines klassischen Klavier- und Kammermusikstudiums in Budapest, setzte im Solofach Akzente bei der Interpretation ungarischer Musik der Klassischen Moderne – Bartók, Ligeti oder Kurtág – und ist in Sevilla als Korrepetitor tätig.

Alle drei agieren mit hochprofessioneller Kompetenz, Präzision und Flexibilität. Ganz selbstverständlich alterniert López zwischen Sopran- oder Altsaxofon und schlägt nebenher noch eine Triangel. Wie auch Sancho souverän seine Klarinette mit der Bassklarinette tauscht. Natürlich beherrschen beide die in der Neuen Musik geforderten außergewöhnlichen Anblastechniken und Geräusch-Artikulationen. Und Ruiz begeistert mit seiner Anschlagskultur am Flügel wie mit seinem vielgestaltigen Einsatz des Synthesizers oder dem mikrotonalen Keyboard, welches dank entsprechender Software in ein und demselben Stück die Tastatur in Achtel-, Sechstel- oder Zwölftel-Töne einteilt, mitunter für beide Hände unterschiedlich.

Triebkräfte mit Zerstörungspotenzial

Mit Michael Pelzels »Colours of Transition« war eine Uraufführung zu erleben. Als einziger Komponist dieses Abends stellte er eine mehrsätzige Komposition vor und ging schlüssig mit der selbst gewählten größeren Form um. Ausgehend von einem zarten Tongebilde am Rande des Verstummens schuf er ein Werk voller Kohärenz und Eruptivität. Ebenfalls aus dem aktuellen Jahr erklang Bernhard Ganders »Kneel till Doom« für Bassklarinette, Sopransaxofon und Keyboard, welche mit dem konsequent durchgeführten Wechsel zwischen den beiden Holzbläser-Stimmen der zugrundegelegten Gattungsbezeichnung »Antiphon« Rechnung getragen hat. Das von immer dichter gefügten Keyboard-Klängen getriebene Stück gibt sich dabei zunehmend rockiger, imitiert schließlich aggressiven E-Gitarren-Sound.

Ebenfalls ein eminent triebkräftiges Stück mit Zerstörungspotenzial brachte Leonardo Idrobo Acre unter dem Titel »Fool Me Into Power« ein. Hinsichtlich des ausdrucksstarken Zusammenwirkens von Klarinette, Altsaxofon und Synthesizer vor einem unerbittlichen Grund-Beat wurde es von Marissa Algaris »Blink Once For Maybe« in den Schatten gestellt, der Höhepunkt des Abends. Zweite Komponistin war Verena Weinmann mit einem Stück voller Reizklänge und spannender Verzahnung. Als roter Faden zogen sich vier Teile aus dem Zyklus »Voices and Piano« des erst in diesem Jahr verstorbenen Peter Ablinger durch das Programm, in welchem eingespielte Statements bekannter Persönlichkeiten durch rhythmisch komplexe und technisch vertrackte Klavierfiguren reflektiert werden. (GEA)