PFULLINGEN. Passende Musik zum vierten Advent konnte das Publikum am Sonntagabend in der nahezu vollbesetzten Martinskirche in Pfullingen genießen. Unter der Leitung von Bezirkskantorin Bettina Maier brachte die Martinskantorei die ersten drei Kantaten von Bachs Weihnachtsoratorium zur Aufführung und stimmte die Zuhörer eindrucksvoll auf Weihnachten ein. Die drei Kantaten entfalten chronologisch die Weihnachtsgeschichte von der feierlichen Darstellung der Geburt Jesu in Bethlehem über die Verkündigung an die Hirten bis hin zu deren Gang zur Krippe und dem Lobpreis Gottes.
Starker Eingangschor
Der markante Eingangschor der ersten Kantate steht wie kaum ein anderes klassisches Werk für den Beginn von Weihnachten. Pauken und Fanfaren eröffnen das Werk, um dann vom Chorgesang mit den Worten »Jauchzet, frohlocket« durchbrochen zu werden. Die ungehemmte Freude über die Geburt Jesu steht im Vordergrund. Genau diese Freude drückte der Chor in seinem Singen aus.
Vier Solisten übernahmen die Arien und Rezitative. Lars Tappert (Tenor) gab als Evangelist in Rezitativen diese Ereignisse eindrücklich wieder. Vom Erlass Kaiser Augustus’ zur Volkszählung bis hin zu den Hirten, die nach der Begegnung mit dem neugeborenen Kind Gott preisen, sang er seinen Part mit großer Kraft und Klarheit. Anne Greiling (Alt) sprang für die erkrankte Christine Müller ein. Sie gestaltete die Arie »Bereite dich Zion«, die die Aufforderung an Jerusalem enthält, sich auf den Erlöser zu freuen, mit großer Sanftheit. Die gebürtige Reutlingerin Julia Hinger (Sopran) begeisterte als Engel mit klarem, silbernem Klang und im Duett mit Simon Amend (Bass), in dem sie von der Befreiung der Menschen durch Gottes Erbarmen singen.
Originale Stimmung
Begleitet wurden die Sänger vom Orchester Camerata Viva aus Tübingen, dessen Mitglieder Spezialisten der historisch informierten Aufführungspraxis sind und auf Instrumenten in der Bauart des Barocks spielen. Zu Lebzeiten Bachs musizierte man in Deutschland mit dem Stimmton a' auf 415 Hertz, also einen halben Ton tiefer als die heute üblichen 440 Hertz. Durch die barocke Spielweise erlebten die Zuhörer eine Aufführung, wie sie bei der Uraufführung in der Leipziger St. Thomas Kirche und St. Nikolai-Kirche geklungen haben könnte. Das Orchester mit Konzertmeisterin Magdalena Kautter flankierte den kräftigen Gesang des Chores genauso wie die Continuogruppe filigran das Fundament für die Rezitative legte.
Der zweite Teil wird mit einer harmonisch vielschichtigen »Sinfonia« eröffnet. Das Orchester glänzte und stimmte mit wiegendem Rhythmus auf die Geschichte rund um die Hirten ein. Nicht nur die Eingangschöre und Schlusschöre sang die Kantorei selbstbewusst, auch die Choräle, die die Geschichte immer wieder durchbrechen und zum Reflektieren anregen. Besonders schön waren die musikalischen Kontraste, die Chor und Solisten gemeinsam erzeugten.
Jesus als König und Kind
Von der freudig beschwingten, von festlichen Fanfarenmotiven geprägten Arie »Großer Herr und starker König«, die Amend ausdrucksstark gestaltete, führte der musikalische Bogen weiter bis zum getragenen Choral »Ach mein herzliebes Jesulein«. So wurde Jesus gleichermaßen als herrschender König wie als schutzbedürftiges Kind erfahrbar. Mit dem Eingangschor aus der dritten Kantate »Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen« endete das Konzert. Solisten, Chor und Orchester durften sich über langanhaltenden, kräftigen Applaus freuen. Mit diesem Konzert haben sie für viele Konzertbesucher die Feiertage eingeläutet. (GEA)

